Sonntagsblatt 2/2019 | Page 19

Sie haben diese auch mit Freude aufgenommen und bereiten sich mit viel Liebe und Begeisterung auf den Besuch vor. Es gibt welche, die nach Jassy, und welche, die nach Schomlenberg/ Șumuleu Ciuc/Csíksomlyó fahren werden, aber unabhängig da- von sind sie voller Erwartung. _______________________________________ Hintergrund: Auf einen Beschluss des Dechanats- und Diözesanrats des Bis- tums Jassy hin hat Bischof Petru Gherghel genehmigt, dass ab Januar 2019 am letzten Sonntag jeden Monats ab 13:00 in der St. Nikolaus-Kirche von Bakau eine römisch-katholische Messe in ungarischer Sprache gelesen wird. Die Messen werden von den Pfarrern Felix Măriuț (Faraoani) und Andrei Varga (Valea Seacă) zelebriert. Quelle: http://www.magyarkurir.hu/hirek/az-eufori- an-tul-egy-csango-pap-bakoi-magyar-szentmise-utan-kozos- seg-megmaradasanak-eselyeirol?fbclid=IwAR1mFQOLJzWxf- v66GGzobC-FLpMboANoeI6XGLZfGz9wwqiNPWupi0doq38 se sprachen sie wohl die Mundart, aber die ungarische Literatur- sprache verstanden sie nicht. Für sie war die Sprache der Kirche das Rumänische. Gegenwärtig würden im Erzbistum in 22 Orten für 10.000 Menschen rumänische Messen gelesen. Nach Jaku- binyi, der der Ansicht ist, dass die Assimilierung der Tschangos nicht aufzuhalten sei, sei der Tschango in erster Linie ein Bürger römisch-katholischen Glaubens, aber ohne Nationalbewusst- sein. Die ersten spirituellen Erlebnisse, die Erstkommunion, die Firmung und die Sonntagsmessen würden sich in ihnen allesamt auf Rumänisch verfestigen. Reisenotizen (7) Unterwart Von Richard Guth _______________________________________ * Das Interview mit Erzbischof Jakubinyi aus dem Jahre 2015 (Der Fall des Heiligen Stuhls mit Siebenbürgen / A Szentszék esete Erdéllyel, Magyar Kurír, 9. Februar 2015) enthält wichti- ge Informationen und bemerkenswerte Aussagen. Der Geistli- che berichtet im Interview von einem Fall, bei dem ein Priester der Diözese Karlsburg in die Moldau gefahren sei um dort eine ungarische Messe zu halten. Aber da er die katholische Kirche geschlossen vorgefunden hätte, wich er wohl auf die Kneipe aus. Die Mehrheit der Tschangos habe diese Aktion mit Arg- wohn beobachtet und man habe diesen Priester mit Hilfe des Dorfpriesters und des -polizisten verjagt. Jakubinyi berichtete weiter von einer Aktion von 25 Diözesanpriestern tschangomad- jarischer Herkunft, die sich an das Bistum von Jassy gewandt haben, um die ungarische Messe in den tschangomadjarischen Dörfern einzuführen. Der Bischof habe diese Forderungen mit der Begründung zurückgewiesen, dass sie nicht Angehörige des Bistums Jassy, sondern lediglich dort geboren seien. Als der Ver- band der Tschangomadjaren darum bat, habe er die Antwort er- halten, dass die Gläubigen keine derartigen Wünsche geäußert hätten. Jakubinyi führt dies unter anderem darauf zurück, dass sich die Priester in der Moldau nicht trauten, sich für die unga- rische Messe auszusprechen. Der Erzbischof wagt auch einen Blick in die Vergangenheit, was wichtig für das Verständnis der Problematik ist: 1946/47 sah sich die kommunisitische Führung veranlasst (nicht zuletzt wegen der ungeklärten Zugehörigkeit von Nordsiebenbürgen), den Seklern und den Tschangos ent- gegenzukommen. Generalsekretär Gheorghe Gheorghiu-Dej schickte 150 madjarische Lehrkräfte in die Moldau. Im gleichen Atemzug schrieb er den Bischof von Jassy, Anton Durcovici, an, mit der Bitte ungarische Messen einzuführen. Daraufhin hat der Bischof am nächsten Montag im größten tschangomadjarischen Dorf, in Faraoani (ung. Forrófalva), zwei Urnen aufstellen und die Gemeindemitglieder (die vorher wohl bearbeitet wurden) ab- stimmen lassen. Nur vier Menschen stimmten für die ungarische Messe in der 5000 Seelen starken Gemeinschaft. Der Bischof schickte dieses Ergebnis nach Bukarest und so blieb es bei der rumänischen Seelsorge. Auch der ungarische Schulunterricht blieb nicht lange erhalten, nach Jakubinyis Worten dank der Agitation der rumänischen Priester: Sie wiesen in ihrer Predigt darauf hin, dass, während die rumänischen Lehrer der Messe beiwohnen würden, würden die ungarischen dieser fernbleiben. So erschienen diese in den Augen der tiefgläubigen Tschangos als Atheisten. Auch andere Beispiele für die fortgeschrittene As- similierung der Tschangos brachte der Erzbischof: In den 60er, 70er Jahren siedelten sich 4000 Tschangos in der Bergbaustadt Wolkersdorf/Vulcan an. Damals diente im Ort ein Sekler Pfar- rer namens István Sántha, der die Tschangos herzlich aufnahm. Diese Menschen forderten jedoch rumänische Messen. Zu Hau- SoNNTAGSBLATT Das Gemeindeamt von Oberwart mit zweisprachigen Aufschriften „Unterwart wird immer ungarischer”, so die Antwort der aus Un- garn stammenden Wirtin auf meine Frage hin, wie madjarisch denn das Dorf Unterwart/Alsóőr im Bezirk Oberwart noch ist und verabschiedet sich gleich wieder, denn die Arbeit wartet. Worauf hier die Wirtin anspielt, ist ein Prozess, der seit Jahren andauert: Immer mehr Ungarn (vornehmlich Madjaren) siedeln sich im Hauptort der Burgenlandmadjaren (oder wie es offiziell heißt: Burgenlandungarn) an, auf der Suche nach einem besse- ren Leben. „Von den gut 890 Bewohnern (laut Bundesanstalt Sta- tistik Österreich hatte der Ort am 1. Januar 2018 971 Einwohner, davon 271 vorwiegend Deutschsprachige in Eisenzicken, R. G.) gehören nur noch etwa die Hälfte der ungarischen Volksgruppe an. Alle anderen sind erst in den letzten Jahren zugezogen, so eine rumänische Familie mit 12 Kindern, tüchtige Leute”, erzählt ein 82-jähriger pensionierter Versicherungskaufmann, dessen alteingesessene Familie früher eine Ziegelei besaß. Auch ein anderer älterer Herr bestätigt, dass die Madjaren mit oder ohne Ungarn die Mehrheit der Bevölkerung ausmachten. Der 88-Jäh- rige, dem ich vor der Pfarrkirche begegnete, berichtete auch davon, dass der ungarische/madjarische Charakter des Dorfes markanter wäre als vor 1990. „Selbst solche bekennen sich zum Madjarentum, die es früher eher verschwiegen haben”, sagte er im perfekten Ungarisch. Er selbst habe stets Wert darauf gelegt, mit seiner Frau ausschließlich ungarisch zu sprechen. Er beob- achtet, dass im Vergleich zu früher mehr Ungarisch gesprochen würde, was sicherlich auf den Zuzug von Ungarn zurückzuführen ist. Einer von ihnen ist ein Mittfünfziger aus Ostungarn, der mit seiner Familie im Cateringlieferbereich tätig ist. „Von den Älteren sprechen alle Ungarisch, was für mich eine große Erleichterung ist. Selbst im Gemeindehaus komme ich mit Ungarisch durch”, so der Ungar. (Fortsetzung auf Seite 20) 19