Sonntagsblatt 1/2026 | Page 9

BRENNER: OBERHAUS-LÖSUNG IM GEISTE VON CHECKS AND BALANCES

Sonntagsblatt-Redaktion
Der Ödenburger Landeslistenabgeordnete der rechtskonservativen Jobbik-Partei, Dr. Koloman Brenner, fordert in einem Gespräch mit dem Sonntagsblatt eine Reform des bestehenden Systems: Nach Vorstellungen der Partei, der Selbstverwaltung der autochthonen Minderheiten sehr wichtig sei, hätten sowohl die Vorsitzenden der Landesselbstverwaltungen der Nationalitäten in Ungarn als auch die Vertreter der Auslandsmadjaren einen gesicherten Platz im Oberhaus, was die Gewaltenteilung und Kontrollmöglichkeiten stärken könnte. Dies würde für die 13 Minderheitengemeinschaften eine Interessenvertretung bringen, ohne komplizierte Teilnahme an den Parlamentswahlen – die innere Demokratie wäre durch die Wahlen der Landesselbstverwaltungen gewahrt, so der Politiker.
Koloman Brenner lobt die Erhöhung des Volumens der Zuschüsse und Fördermöglichkeiten, kritisiert aber die „ politische Einverleibung der Nationalitäten zu Zwecken der dominanten Regierungspartei“. Auch an der Rolle des deutschen Abgeordneten übt der Oppositionspolitiker Kritik: „ Durch die Fidesz-Bindung und das Wahlverhalten des Herrn Abgeordneten Ritter entstand leider sehr schnell in der breiteren Öffentlichkeit der Eindruck, dass der Abgeordnete der deutschen Nationalität nichts als ein „ Anhängsel“ der Regierungspartei sei.“ Im Gespräch bemühte sich der Parlamentsabgeordnete Brenner dennoch um ein ausgewogenes Urteil: „ Ich persönlich empfand es als unglücklich, dass- als im Jahre 2018 die deutsche Minderheit nach langen Jahrzehnten aus eigener Kraft und mit eigenem Recht einen vollberechtigten Abgeordneten ins Parlament entsenden konnte- dies in der breiteren Öffentlichkeit so ausgelegt und interpretiert wurde. Dies war sicher nicht vorteilhaft für die langfristigen Ziele der deutschen Gemeinschaft in Ungarn. Auf der anderen Seite wurden die schon erwähnten erhöhten Fördergelder zweifelsohne auch durch die Mitwirkung des Herrn Abgeordneten Ritter erreicht.“
Bei den Errungenschaften lobt der frühere Universitätsdozent die Übernahme von Bildungseinrichtungen, aber mahnt gleichzeitig: „ Es sind Defizite in der Benutzung der deutschen Muttersprache vorhanden und die Rolle derselben Institutionen bei der Neubelebung der deutschen Sprache und Kultur ist noch nicht eindeutig zu sehen.“ Dabei träumt Brenner von einer Schule der Zukunft: Lösungen auf regionaler Ebene, durchdigitalisiert,( fremd) sprachenorientiert( Deutsch, Englisch) und mit Vermittlung von wirtschaftlichen Kenntnissen.
Das Gespräch fand im Rahmen des SB-Projekts „ Wahlpolgár“ statt. Von den angefragten Parteien antwortete lediglich Jobbik, die letztendlich aber keine Landesliste aufstellen konnte.

KUNTERBUNT WEMEND – SECHS JAHRE DANACH

Von Richard Guth
„ Wir kennen uns” – mit diesen Worten empfing mich Anfang Januar die Hobbykäseherstellerin Rita Szelig aus Wemend. Und tatsächlich: Im Jahr 2019 habe ich die Branauer Gemeinde Wemend besucht, um für die Reihe „ Kunterbunt – Kindergärten in der Trägerschaft deutscher Nationalitätenselbstverwaltung” Eindrücke zu sammeln( Kunterbunt Wemend, SB 03 / 2019). Der Wemender Kindergarten ist seit über zehn Jahren in der Trägerschaft der örtlichen deutschen Selbstverwaltung – Zeit für einen Erfahrungsaustausch über die Entwicklungen der letzten Jahre.
Rita Szelig, die seit fast 40 Jahren Kindergärtnerin „ mit Leib und Seele“ ist, zeigt sich von der Übernahme der Einrichtung immer noch überzeugt: „ Der Kindergarten verfügt über eine gute finanzielle Ausstattung und legt Wert auf die Pflege der Traditionen und die aktive Verwendung der deutschen Sprache im Alltag. Darin ist aber Wemend schon immer stark gewesen.” Sie nennt auch gleich eine ganze Reihe von Aktivitäten: Patschker-Projekt, Weinlese, Maisbrechen oder das Projekt „ Unser Dorf”: Bei Letzterem suchten die Kinder Statuen, Denkmäler und Zeugnisse des gebauten Erbes im Heimatdorf auf. Auch das Tracht- und Hochzeitprojekt sei ein Lichtblick im Kindergartenjahr:
Am Nationalitätentag ist das ganze Dorf anwesend, um der Aufführung der Kindergartenkinder zuzuschauen. Ebenso gehören das Erleben der schwäbischen Handwerkstradition durch den Besuch bei einem Lebkuchenhersteller beispielsweise zur Traditionspflege – etwas, was den meisten Kindern fremd sei. Rita Szelig und ihre Kollegen legen bei all den Aktivitäten Wert auf das Authentische: So tragen die Kinder kein Dirndl, sondern die volle Tracht mit drei, vier Röcken und man lädt Kapellen ein, um Live-Musik zu erleben.
Bei aller Liebe für Beruf und Engagement stellt Rita Szelig fest, dass es kaum Kinder gebe, die Deutsch von zu Haus mitbrächten: „ Wir haben von den knapp 50 Kindern in zwei Gruppen einen einzigen Jungen, der Deutsch aus dem Elternhaus mitbringt: Sein Vater ist Deutscher.” Der Sprachverlust habe bereits in der Generation der Eltern der 57-Jährigen eingesetzt: Während die Großeltern Mundart sprachen, sei die Verkehrssprache zu Hause Ungarisch gewesen. Rita Szelig selbst habe diese Welt mit Mundart samt Traditionen noch erlebt, deren Vertreter heute über 90 Jahre alt oder bereits verstorben seien.
Wemend wurde wie die meisten Nachbargemeinden
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