Sonntagsblatt 1/2026 | Page 38

Phelpsdorf / Filpișu Mare / Magyarfülpös bei Sächsisch-Regen( Bezirk Mieresch, Siebenbürgen) war eine echte Herausforderung inmitten der Pandemie. Alles, was ich zur Verfügung hatte, war eine 18x26 cm große schwarz-weiße Tuschezeichnung. Nach langer Suche in den Sammlungen des Museums für Angewandte Kunst und dem Rákóczi- Museum in Sárospatak, fand ich einige originale, restaurierte Kassetten, auf deren Grundlage ich einen Farbcode erstellte, und studierte dann die sakralen Monumente aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. In meinem Enthusiasmus erhielt ich viel Hilfe, die mich immer einen Schritt weiter in Richtung Realisierung brachte.

MIT HERZBLUT

Die 20 Jahre dauernde Renovierung der schönen gotischen Dachkirche ist nun abgeschlossen, und der Erntedankgottesdienst wird stattfinden, nachdem der Glockenturm neben der Kirche vollständig restauriert worden ist. Es ist ein unglaubliches Gefühl, eine spirituelle Verbindung mit seinem Schöpfer, in diesem Fall Mensarius Johannis, herstellen zu können, während man ein fast 400 Jahre altes historisches Erbe restauriert. Ich weiß, ich spüre, wie der Meister von oben auf mich herablächelt.
SB: Frau Ament, vielen Dank für das Gespräch!
Ungarndeutscher Regisseur startet und dokumentiert sein eigenes Dorferneuerungsprojekt in der Tolnau
’ Élet. Érzés. Kalaznó”( Leben( s). Gefühl. Gallaß) ist ein Videoblogformat des Regisseurs Norbert Pálinkás, das den Wiederaufbau zweier schwäbischer Bauernhäuser in der Tolnauer Gemeinde Gallaß / Kalaznó zeigt. Das Sonntagsblatt sprach mit dem Projektmanager über dieses ungewöhnliche, medial inszenierte Projekt.
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SB: Norbert, im Sommer 2019 hast du in Gallaß ein baufälliges schwäbisches Langhaus erworben, das du mit Familie und Helfern erneuerst – wie steht es um das Projekt?
NP: Zum Zeitpunkt des Kaufs zeigte sich der einst so schöne schwäbische Bauernhof nicht von seiner schönsten Seite. Ein Jahr zuvor war ein 16 Meter langer Abschnitt der Rückwand des Wohnhauses eingestürzt, wodurch die Decke an mehreren Stellen riss. Die westliche Ecke des Kreuzgebäudes, an der sich einst ein mit der Scheune verbundener Heuboden befand, wurde vor etwa 20 Jahren abgerissen. Die Scheune, zu der auch Fachwerkelemente gehören und die einstöckige Maisscheune hielt nur noch der Heilige Geist zusammen oder irgendein physisches Wunder. Seitdem wurde alles wieder aufgebaut dabei die gesamte Fassade des Wohngebäudes. Dazu kamen die Erneuerung des Putzes, der Verzierungen sowie die Tünche des „ Totentors“ und der Fenster.
SB: Du erwähnst in einer der Folgen, dass du einen Teil deiner Kindheit in Gallaß verbracht hast, ganz genau bei deinem Onkel – inwiefern hat sich das Dorf seitdem verändert?
NP: Ich würde lieber sagen, dass wir als Kind oft hierher kamen, um meine Familie zu besuchen, da mein Onkel väterlicherseits, „ Bruder Emmerich( Imre)“ und
38 seine Familie hier in Gallaß lebten. Leider sind seitdem viele Häuser verschwunden und die Bevölkerung ist zurückgegangen. Heute sind wir kaum noch 100. Doch die alte Dorfstruktur, deren Grundsteine ​die 1722 angesiedelten Schwaben legten, lässt sich auch heute noch wunderbar ablesen, ebenso wie viele der erhaltenen schönen alten Gebäude, die zwei Jahrhunderte heimischer deutscher Baukultur wunderbar darstellen- vom Fachwerk bis hin zu den bürgerlichen „ Amerika“-Häusern( Häuser, die aus den USA heimgekehrte Auswanderer bauten, Red.).
SB: In dem einen Facebook- Post sprichst du von deinen( mütterlicherseits) schwäbischen Wurzeln – würdest du uns das näher erläutern?
NP: Ich bin in Tschatali / Csátalja aufgewachsen, einem Dorf in der Batschka, das bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs eine rein deutsche Siedlung war. Mütterlicherseits heißen meine Vorfahren Spaltenberger und Kribman, mein Großvater sprach also Schwäbisch auf muttersprachlichem Niveau und meine Mutter unterrichtete bis zu ihrer Pensionierung Deutsch an der örtlichen Nationalitätengrundschule.
SB: Du hast dich vor sechseinhalb Jahren in das Bauernhaus in Gallaß verliebt und seitdem kann die breite Öffentlichkeit deine Arbeit in Gallaß verfolgen. Warum hast du dich dafür entschieden, diesen Prozess im virtuellen Raum darzustellen? Welche Rolle spielte dein Hintergrund als Filmregisseur dabei?
NP: Natürlich begann diese ganze Video-Blog-Geschichte aufgrund meines Film- und Fernsehhintergrunds. Bevor ich mein Studium begann, erlernte ich den Maurerberuf und arbeitete einige Jahre in dieser Branche. Seitdem erledige ich ständig Bau- und Renovierungsarbeiten für mich und meine Freunde- es ist sozusagen mein Hobby geblie-