Aber es dauerte nur einige Minuten, dann rannten sie wieder ins Dorfzentrum.
Da stellten die Zigeuner schon die Zelte und das riesengroße Ringelspiel auf. Bald wurde der vordere Teil des großen Kirchenplatzes voll. Die Zigeunerkinder befreundeten sich mit den Schwabenkindern. Es kamen auch Männer aus dem Dorfe zu helfen. Die Erwachsenen schwitzen bei der Arbeit.
In einigen Stunden stand das Riesenringelspielrad stolz in der Mitte des Dorfes am Rande des Kirchenplatzes. Die großen Wohnwagen standen ringsum.
„ Kinder, bringt ihr uns was zum Abendessen? Dann könnt ihr schon eine Runde mit dem Ringelspiel fahren!“- schrie der Älteste von den Zigeunern.
Er musste nicht zweimal rufen, die Kinder rannten heim, verlangten von der Oma und der Mutter Lebensmittel und gingen schnell zurück. Die Eltern, Großeltern wussten das schon aus den früheren Jahren und legten Fleisch, Wurst, Speck, Brot und Gemüse nebenhin.
Damit die Kinder ihre Freude haben, schon vor der Kirchweih auf dem Ringelspiel fahren zu dürfen!
Und die Kleinen waren glücklich! Der eine Zigeuner setzte sie auf das Rad und schaltete es ein. Die kleinen Schaukeln flogen hoch!
Der Kirchenplatz widerhallte fröhlichen Kinderschrei!
Die Zigeunerfrauen bereiteten solange das Essen vor. Die Kinder und die Erwachsenen setzten sich auf den rasigen Boden und aßen mit größter Natürlichkeit aus ihrem Schoß. Sie hatten viel zu essen, denn es kamen Kinder aus aller Richtung des Dorfes mit vollgesteckten Hosentaschen oder Taschen.
Mittwoch – Donnerstag- Freitag – Samstag – Sonntag- Montag! Sechs Tage, voller Freude warteten auf die Frätzchen. Den ganzen Sommer warteten sie schon auf diese Tage!
Aber nicht nur die Kinder, auch die Erwachsenen waren aufgeregt. Die Häuser wurden eine Woche vor dem großen Ereignis geweißelt, in den Fenstern Blumen gestellt, die Blumengärten gejätet, das ganze Haus von innen und außen geputzt! Noch die Straße gekehrt!
Oma und Mutter hatten am Mittwoch schon Kekse gebacken. Eine große Torte sollte der feierlichste Kuchen am Sonntag sein! Daneben backte man noch mehrere Kleingebäcke.
Am Freitag wurden Hühner, Enten oder Gänse geschlachtet, geputzt, in Teile genommen.
Samstagvormittag kamen bettelnde Zigeuner aus dem Wald, mit Säcken auf dem Rücken. Sie brachten Pilze mit. Hier und dort kam auch eine Geige aus dem „ Rucksack” und es erklang die traurige Zigeunermusik auf dem Hof der Schwabenfamilien. In die Säcke kamen dann Fleisch, Wurst, Gemüse, Kuchen, auch Wein.
Am Nachmittag stellte Oma die hochfeine Fleischsuppe auf- aus mehreren Geflügeltieren. Der Topf nahm die Hälfte von der Ofenplatte weg. Die Suppe kochte langsam, perlend.
Dann nahm Oma das Krautfass vor. Feines Sauerkraut kam in eine große Schüssel. Ein wenig wurde uns Kindern aufbewahrt. Im Sauerkraut gibt es viel Vitamin C, das wusste Oma!
Krautblätter wurden abgebrüht. Die Füllung mit Hackfleisch, Reis, Eiern, Salz, Paprikapulver, Zwiebeln und Knoblauch wurde in die weichen Krautblätter gewickelt und schichtweise mit dem Sauerkraut in einen großen Topf gelegt. Auch frisches Rippenfleisch kam dazwischen. Zwei Zwiebeln schnitt Oma klein oben drauf, goss Tomatensaft hinein und legte noch zwei-drei Löffel Schmalz darüber. Das ganze wurde mit wenig Wasser übergossen und auf den Herd gestellt. Noch ein Deckel kam darüber und dann konnte das Kraut in aller Ruhe kochen.
Die Füllung der Torte kam an die Reihe. Die Creme soll nicht kaputtgehen, die Tage sind im September noch mild. Mutter war eine gute Küchenhilfe, sie gab der Oma alles in die Hände.
Dann musste man nur aufs Feuer achten. Die Suppe und das gefüllte Kraut durften nicht zu sehr kochen, nur ganz langsam!
Bald duftete es wunderbar in der Küche, auch sogar im Hof! Das Haus glänzte innen und außen. Ich hatte sogar die Straße gefegt!
Erst jetzt konnten sich die Frauen ausschnaufen.
Das Festessen war aufgestellt, die Kuchen lagen fertiggefüllt in der kühlen vorderen Stube, auf dem Tisch. Die große Torte auf dem gläsernen Tortenhalter in der Mitte! So viel Kuchen, dass man eine Verlobung hätte halten können! Aber die Mädchen waren noch zu jung dazu.
Oma schaute sich zufrieden um.
In der Zeit standen die Kinder auf dem Kirchenplatz um den Kessel, in dem eine große Portion duftende Kartoffelsuppe kochte! Die Schwabenkinder hatten von zu Hause, aus den Gärten und aus den Speisekammern alles zusammengetragen: Kartoffeln, Zwiebel, Grünzeug, Sellerie, Petersilie, Paprikapulver,
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