MEIN( UNGARN-) DEUTSCHTUM( 39)
“ Zi teine Motze o!” – Aron August Hohmann über Familienerbe, Identität und Assimilation
Zieh deine Jacke an, sagte mein Vater immer zu mir. Das Wort“ Motze” ist das Einzige, was in meiner Familie aus der Mundart weitergegeben wurde. Wie bei vielen anderen auch, redeten wir innerhalb der Familie fast ausschließlich Ungarisch.
Nach fast 300 Jahren Beharrlichkeit verschwand unsere Mundart im 20. Jahrhundert, leise und unbemerkt. Deutsch lernte ich nicht von meinen Eltern, sondern aus dem Fernsehen und in der Schule.
Sowohl fremd in Ungarn, als auch fremd im deutschsprachigen Raum! Ich bin in Fünfkirchen aufgewachsen und lebe nun seit sieben Jahren in Wien. An beiden Orten bin ich Menschen begegnet, die meine Volkszugehörigkeit hinterfragt und meine Identität nicht ernst genommen haben.
Wer sind wir wirklich?
Im Pass steht Magyarország( Ungarn). Auf dem Grabstein: Hier ruhet …
Es ist natürlich von Person zu Person unterschiedlich. Historisch wie heute- alle Menschen suchen nach der eigenen Zugehörigkeit und Identität. Nach langen Jahren unermüdlicher Selbstfindung, teile ich letztendlich die Einsicht von Valeria Koch:
Ungarndeutsch ist das Maß des tüchtigen Aussterbens. bin nicht ich.
Ich persönlich lehne die Bezeichnung“ Ungarndeutsche” ab, denn ich assoziiere sie mit der stillen, bedingungslosen Kapitulation, mit der Akzeptanz jahrhundertelanger Unterdrückung und Demütigung.
Seit Jahrhunderten arbeitet der ungarische Staat an der kulturellen und sozialen Vernichtung aller in Ungarn lebenden Volksgruppen- ob durch Gewalt und Einschüchterung oder durch die subtile Gesetzgebung.
Weiters isoliert und zerteilt die Bezeichnung unser Volk. Divide et impera: Rumäniendeutsche, Serbiendeutsche, Kroatiendeutsche und Ungarndeutsche sind aufgrund historischer Tatbestände verbunden. Wir bildeten einst gemeinsam das Volk der Donauschwaben. Heute existiert aber keine bewusste und gelebte Verbindung in den Identitäten. Sogar die Verbindung zum deutschen Sprachraum wird kaum wahrgenommen.
Währenddessen ist unser Volk im deutschsprachigen Raum in Vergessenheit geraten. Personen, die keinen persönlichen Bezug zur Geschichte der Auslandsdeutschen haben, haben vom Konzept deutscher Minderheiten nicht einmal gehört. Wahrlich vergessen!
Natürlich stellt sich die Frage, was uns denn bleibt? Meines Erachtens: die Erinnerung und die Zukunft. Wir werden nie vergessen und können den Kurs zwar nicht ändern, ihn aber korrigieren.
Ungarndeutsch zu sein bedeutet, sich zu assimilieren. Es bedeutet, die eigene Sprache zu vergessen und die eigene Kultur aufzugeben. Zu überleben ist das Ziel. Das ist legitim. Aber damit kann ich mich nicht identifizieren. Das
Ich bin Deutscher. Egal in welchem Land! Egal was im Pass steht! Egal was andere glauben mögen! Ich erzähle gerne die Geschichte meiner Ahnen und der Donauschwaben, wenn jemand danach fragt.
WIE DIE JUNGE GENERATION IHRE WURZELN NEU ERFINDET
Ungarndeutsche Jugend: Identität neu gedacht
Von Vinzenz Szűcs-Cilli
Die Frage nach der eigenen Identität ist für junge Ungarndeutsche heute komplexer und zugleich spannender als je zuvor. Während die Generation der Großeltern ihre Identität oft durch das Schicksal der Vertreibung oder das dörfliche Leben in einer geschlossenen Gemeinschaft definierte, navigiert die heutige Jugend in einer globalisierten Welt.
Identität ist kein Schulfach, kann also nicht gelehrt oder er- und gelernt werden. Man kann Fakten über die Ansiedlung der Donauschwaben im Geschichtsunterricht büffeln, aber das eigentliche Gefühl der Zugehörigkeit lässt sich nicht auswendig lernen. Einen grundlegenden Bestandteil einer kollektiven Identität sichert das Zusammengehörigkeitsgefühl. Doch die kollektiven Identitätsebenen lassen sich überlagern. Die Identität junger Menschen ist deswegen wie ein Mosaik. Es handelt sich um viele verschiedene Arten der Zugehörigkeit- sei es die kulturelle, nationale, lokale oder eben auch die geschlechtliche und individuelle
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