tal, ÁVH) an der Niederschlagung der Bewegung beteiligt waren. Ich hatte einen Kriegshelden, der Vorsitzender einer Genossenschaft wurde und lange darüber sprechen konnte. Während ich durch die Dörfer reiste, entfalteten sich immer mehr Schicksale. Als die Geschichten schließlich „ gesättigt” waren- d. h. es gab keine neuen Ereignisse mehr, zu denen mehrere Personen Aussagen machen konnten-, beendete ich meine Forschungen. Ich suchte nach einer Möglichkeit, diese Arbeit zu vervollständigen und vielleicht wurde sie gerade deshalb so lang und passte nur in zwei Bände. In den Fragen suchte ich einerseits nach der sozialen Verankerung: Wer waren sie, wie kamen die Deutschen in den dörflichen oder städtischen Gesellschaften zurecht? Andererseits achtete ich darauf, wo in der erzählten Geschichte etwas fehlen könnte- und wenn nötig, fragte ich nach den Ereignissen.
SB: Vertreibung, Flucht, Enteignung, Verschleppung zur Zwangsarbeit, diese Ereignisse liegen heuer bereits 80 Jahre zurück … In vielen ungarndeutschen Familien hat man diese Zeit entweder völlig tabuisiert oder die Erlebnisgeneration ist nicht mehr unter uns, um über diese aufzuklären. Was denken Sie, was weiß die ungarndeutsche Gemeinschaft heute über diese Schicksalsschläge im und nach dem Zweiten Weltkrieg?
GR: Ich glaube, dass die deutschen Gemeinschaften in Ungarn ziemlich viel darüber wissen. Meiner Meinung nach war diese Deportation in starken Gemeinschaften immer ein Gesprächsthema. Ich bin damit aufgewachsen, dass meine Großmutter viel darüber erzählt hat, aber leider nicht genug. Ein weiterer Aspekt ist, dass die heutige Identität leider sehr politisiert ist. Ich wage sogar zu behaupten, dass es eine beträchtliche Anzahl von Menschen gibt, die die Ideologie der einen oder anderen Partei für wichtiger halten als die deutsche Identität. Das bestimmt, wie sie über ihre eigene Identität denken. Meiner Meinung nach ist es sinnlos, diese Geschichte zu erzählen, es ist sinnlos, darüber zu sprechen, dass bei der deutschen Vertreibung dem ungarischen Staat Verantwortung zukommt. Das bedeutet nicht, dass Entschädigungen gezahlt werden müssen, es bedeutet nicht, dass Häuser und Grundstücke zurückgegeben werden müssen, aber die Dissimilation sollte bedingungslos unterstützt werden. Das heißt, wenn es einen Ort gäbe, an dem drei Kinder Unterricht in deutscher Sprache wünschen, müsste für diese drei Kinder ein spezieller Unterricht entwickelt werden. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Deutschen in Ungarn keine Ahnung von ihrer eigenen Geschichte haben. Wenn man einen Professor fragt, was die Schwaben zwischen 1797 und 1918 in Ungarn gemacht haben, kann er nur Bruchteile davon erzählen. Diejenigen, die sich dagegen einsetzen, werden von den arroganten Kreisen an den Rand gedrängt, die die Institutionen beherrschen. Die Mehrheitsgesellschaft scheut sich vor der nationalen Erzählung, obwohl daraus mehr Erkenntnisse gewonnen werden können als aus der Katastrophe von Mohatsch. Für die Bürger gibt es keine Informationsmaterialien. Es gibt Initiativen. gerieten! Es gelang mir, die Erfahrungsmomente der Vertreibung aufzudecken, nämlich, wie sehr die Vertriebenen ihr Schicksal als Verrat ihrer eigenen Gemeinschaft empfanden. Die Geschichte der internen Umsiedler – der sog. „ Muttersprachler“- behandle ich gesondert. Auch wenn es kein vollständiges Bild ist, versuche ich zunächst, die Erfahrungsgeschichte der 1950er Jahre darzustellen- insbesondere die Welt der schwäbischen Kolchosen. Ich könnte dieses Bild noch lange fortsetzen. Das Hauptziel ist es, zu zeigen, dass die Deutschen die gleichen Rechtsverletzungen erlitten haben wie die Mehrheitsgesellschaft, weil sie Teil dieser Mehrheitsgesellschaft waren. Diese Mehrheitsgesellschaft hat jedoch diese Nationalität ausgestoßen. In diesem Werk geht es darum, wie diese Nationalität zur Mehrheit zurückgefunden hat.
SB: An wen richtet sich diese Arbeit? Wen möchten Sie erreichen?
GR: Da ich auf Ungarisch geschrieben habe, möchte ich mich an die Mitglieder der ungarischen Gesellschaft wenden. Hauptgrund ist, dass vielleicht nur die deutsche Nationalität über eine historische Erzählung verfügt, die die Reflexion der ungarischen nationalen- manchmal nationalistischen Erzählung – aufzeigen kann- aber auch deren Schattenseiten, Übertreibungen und Verfälschungen. Ich glaube, dass die Deutschen in Ungarn das Brudervolk- der kleine Bruder- der ungarischen Nation sind. Vielleicht lohnt es sich manchmal, die Kultur, die Meinung und das Schicksal des Brudervolkes kennen zu lernen. Vielleicht erkennt die Mehrheitskultur dann, warum sie immer wieder an historischen Wendepunkten scheitert, warum ihr Land und ihre Bevölkerung immer kleiner werden. Die von mir vorgestellten Menschen sind keine schwarz-weißen Individuen, sondern lebendige Menschen, die manchmal Fehler machen und die Stürme der Geschichte durchlebten. Thomas Mann sagte: „ Eine schmerzliche Wahrheit ist besser als eine Lüge.” Versuchen wir also Fehler zuzugeben- aber nicht, um Schamgefühle zu wecken, sondern um den Weg in die Zukunft zu weisen!
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Die Bände Végszó Teil 1 und Teil 2 sind direkt beim Verlag „ Gondolat“ erhältlich. Sprache: Ungarisch.
Bd. 1 Végszó. Magyarországi németek elbeszélései az alávetettségükről, 1940 – 1970. A második világháború( 2025), 480 Seiten, Hardcover.
Bd. 2 Végszó. Magyarországi németek elbeszélései az alávetettségükről, 1940 – 1970. Elűzetés és paraszttalanítás( 2026), 506 Seiten, Hardcover.
Zu bestellen unter:
SB: Was sind die wichtigsten Erkenntnisse aus den von Ihnen geführten Interviews?
GR: Zum einen, dass man mit der Methode der „ Oral History“ eine historische Arbeit schreiben kann! Zum anderen, dass es gelungen ist, zu jedem gesellschaftlichen Wendepunkt neue Erkenntnisse beizusteuern! Zum Zweiten Weltkrieg die lokalen Frontgeschichten, die Schicksale der Soldaten, das Schicksal der Evakuierten, von denen einige sogar in die Vertreibungen in der Tschechoslowakei www. gondolatkiado. hu
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