Sonntagsblatt 1/2026 | Page 27

Gemeinden in Südungarn.
SB: Sie haben sich schon früh für das Ungarndeutschtum im kirchlichen Rahmen eingesetzt. Wie begann dieses Engagement?
Mayer: Als ich 1964 in Kleindorog zum Priester geweiht wurde, erklangen bei meiner Primiz zum ersten Mal wieder deutsche Kirchenlieder. Meine ersten Einsatzorte waren danach aber vor allem ungarische Gemeinden: Simonsturm / Simontornya, Binsenhelm / Pincehely, Tamási und Donaufeldburg / Dunaföldvár. Dort sah man besonders deutlich, was Assimilation bedeutete: Menschen mit deutschen Namen, die aber kein Deutsch mehr sprachen. Erst in Seksard begegnete mir das Deutsche wieder stärker. Mitte der 1980er Jahre wurde die erste deutsche Messe organisiert – initiiert von Lorenz Kerner, dem damaligen Leiter des Lenau Hauses. Von dort aus begann auch die Suche nach deutschen Partnerschaften- zum Beispiel Seksard mit Bietigheim-Bissingen. So entstanden langfristige Verbindungen. Da sind wir dann schon bei den Jahren 1988 – 1990.
SB: Genau! Am 11. Februar 1989 wurden Sie zum Bischof von Fünfkirchen geweiht. Wie entwickelte sich Ihr Engagement für die Ungarndeutschen in diesem Amt?
Mayer: Als Bischof konnte ich nach der politischen Wende freier handeln. Es gab inzwischen Denkmäler für die Opfer des Zweiten Weltkriegs, für die Vertreibung und für die Malenkij Robot. Jedes Jahr am zweiten Weihnachtstag feierten wir in der Innenstadtpfarrkirche von Fünfkirchen eine Messe für die Opfer der Malenkij Robot. Wir organisierten auch Wallfahrten. Eine der wichtigsten führte nach Altötting, wo jedes Jahr am zweiten Samstag im Juli ein großes Gelöbnisfest stattfindet – ein zentraler Treffpunkt der donauschwäbischen Gemeinschaft aus der Batschka und dem Banat.
In Budapest entstand das St. Gerhardswerk, das versuchte, die deutschen Katholiken landesweit zu vernetzen. Auch über diese Organisation gab es Treffen und geistliche Impulse. In der Diözese Fünfkirchen führten wir jedes Jahr eine Adventsveranstaltung durch: Branau und Tolnau trafen sich an wechselnden Orten. Es gab eine deutsche Messe, ein kulturelles Programm und ein gemeinsames Abendessen. Auch das stärkte den Zusammenhalt.
SB: An welche Ereignisse aus jener Zeit erinnern Sie sich besonders gerne zurück?
Mayer: Wenn ich deutsche Messen veranstaltete, war das für alle deutschsprachigen Gläubigen eine große Freude – sei es in Seksard oder bei anderen Einladungen. Ein Beispiel: In Mariakemend fand jedes Jahr am 1. Mai eine deutsche Messe statt, zu der auch junge Deutschsprachige eingeladen wurden. Es gab gemeinsame Spiele und einfache Snacks und obwohl die älteren Gemeindemitglieder inzwischen verstorben sind, erinnern sich viele noch daran und schwärmen von diesen Veranstaltungen.
Auch die Ausflüge blieben in Erinnerung. Letztens erst fragte mich jemand, ob wir nicht wieder nach Altötting
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