Gastprofessorin in Klausenburg an der Babeş-Bolyai- Universität an der rechtswissenschaftlichen Fakultät. Also ich hatte schon einiges zu tun, gerade auch neben den familiären Verpflichtungen. Es kam zu einer Änderung 2012: Kollege Ernő Kállai, der auf Jenő Kaltenbach folgte, fing als Ombudsmann an- unabhängig, unparteiisch, nur dem Parlament zuständig, vom Parlament gewählt mit einer Dreiviertelmehrheit. Und dann plötzlich von 2012 an- das waren die letzten eineinhalb Jahre seines sechsjährigen Mandates- musste er als stellvertretender Ombudsmann die Arbeit zu Ende führen, weiterhin unabhängig, unparteiisch, aber nur als stellvertretender Ombudsmann. Das hat seine Grenzen gehabt und das war sehr schwer für ihn zu verkraften. Oktober 2013 wurde ich dann als stellvertretende Ombudsfrau für die ersten sechs Jahre gewählt.
SB: Nun waren Sie zwölf Jahre lang Amtsträgerin- welche Erfahrungen haben Sie in den zwölf Jahren gesammelt?
ESSZ( schmunzelt): Wieviel Platz haben Sie im Sonntagsblatt für meine Antwort? Ja, also ich glaube, das erste, was ich sagen kann, ist, dass ich sehr, sehr viel gelernt habe- als Juristin, als eine Person, die ehrlich ist, glaube ich, beziehungsweise eine, die das auf jeden Fall sein möchte. Mit all den Nationalitätengemeinschaften, die in Ungarn leben, habe ich sehr gute Erfahrungen gesammelt. Natürlich muss ich auch sagen, dass das System, das wir und der ungarische Staat geschaffen haben und seit 30 Jahren aufrechterhalten, eine Besonderheit in Europa ist- von der Rechtsstruktur und vom Rechtsrahmen her. Aber natürlich gibt es große Unterschiede, welche Nationalitätengemeinschaft wie viel davon in Wirklichkeit umsetzen kann.
Eins muss man wissen: Als ich 2019 erneut nominiert und gewählt wurde, war es für mich eine noch größere Überraschung als 2013: Das war den Landeselbstverwaltungen der Nationalitäten zu verdanken. Sie waren diejenigen, die schon am Anfang für mich eingestanden sind und auch das zweite Mal klar und direkt geäußert haben, dass Sie mit mir weitermachen wollen. Wenn diese Unterstützung nicht da gewesen wäre, hätte ich sicher nicht weitergemacht.
Ein paar Prinzipien, die ich mir gesetzt habe am Anfang, teilweise bewusst, teilweise instinktiv: Zum einen lasse ich mir von niemandem in meine Entscheidungen reinreden. Nicht politisch, nicht auf irgendeine andere Weise! Ich war nie Parteianhänger und werde das auch nicht werden. Für mich war und ist wichtig, was ich im Rechtssystem, im Gesetz, den entsprechenden anderen Gesetzen und in der juristischen Praxis sehe. Wenn da etwas nicht gut war, wenn da etwas schiefgelaufen ist, dann habe ich mich erhoben. Das war meine Aufgabe: Dafür wurde ich bezahlt, dass ich meine Einwände äußere- fachlich unterstützt und immer aufgrund von Tatsachen und Fachexpertise.
Zu meinen Prinzipien gehört auch, dass ich meine Arbeit ja nur zusammen mit den landesweiten, regionalen und lokalen Nationalitätenselbstverwaltungen machen wollte- und niemals ohne sie oder gegen sie. Mein Hauptprinzip waren immer Konversation und Kommunikation, wenn es um gute Sachen und auch wenn es um Unannehmlichkeiten oder schwere Entscheidungen und Fehler beiderseits ging. Auch die Selbstverwaltungen sind nicht unfehlbar. Ich habe immer darauf geachtet, um welche Minderheit es ging, weil es zu keinen Diskriminierungen kommen durfte, trotz Unterschiede zwischen den einzelnen Nationalitätengemeinschaften. Aber man darf die Tatsachen nicht außer Acht lassen: Die Größe der jeweiligen Nationalität zählt natürlich. Der professionelle Hintergrund ist zudem nicht derselbe bei allen Nationalitäten oder Volksgruppen. Nicht hinter jeder Volksgruppe steht ein Deutschland mit der Wirtschaftskraft und auch mit der Entschlossenheit, den außerhalb Deutschlands lebenden deutschen Volksgruppen eine Art Partnerschaft anzubieten- ich betrachte das als Partnerschaft, nicht als Hilfe. Hilfe ist etwas von
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