Sonntagsblatt 1/2026 | Page 16

Von der Phylloxera wurde aber bis 1895 die Hälfte der Weingärten ausgerottet. Einen Teil baute man wieder an, aber das frühere Ausmaß erreichte der Weinbau nie mehr. Die grundsätzliche Umwandlung in der Bauernwirtschaft führte die Entwicklung der Viehzucht herbei. Den Schwerpunkt bildete die Rinderzucht. Die Rinder wurden statt der Pferde als Zugtiere angewandt. Um die Jahrhundertwende vollzog sich eine Änderung der gezüchteten Rasse: An die Stelle der ungarischen traten Rinder westlicher Herkunft. In der Verbreitung der arbeitsintensiven Methoden spielte der Zuwachs der Bevölkerungszahl eine wichtige Rolle.
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Bevölkerungszuwachs und dessen Folgen
Um die Jahrhundertwende lebten 1129 Menschen im Dorf. Das hatte aber auch die Zerkleinerung der bäuerlichen Grundbesitze zur Folge. Diesen Prozess konnte nicht einmal das Erbrecht der Schwaben aufhalten. Im Allgemeinen erbte nur eins von den Geschwistern das väterliche Gut, die anderen bekamen ihren Erbteil in Bargeld. Das trug zur Verschuldung der Bauern bei. Wurden die Lasten unerträglich, sah sich der Bauer gezwungen, einen Teil des geerbten Besitzes zu entäußern. Eine günstigere Form für den Erben war, wenn die anderen Geschwister als Abfertigung nur etwas Weingarten, eventuell ein Kuhkalb bekamen. Trotzdem nahm die Zahl der Kleingrundbesitzer zwischen 1884-1912 um 99 Personen zu. Auf der anderen Seite bildete sich eine Schicht von Großbauern. Die Familien Kaufmann, Müller und Gänsler hatten 50-80 Joch Feld zu eigen.
Berufe
Jene Leute, die aus der Landwirtschaft ihren Lebensunterhalt nicht sichern konnten, wurden schon früher Maurer. Laut der Volkszählung im Jahre 1900 waren die Hälfte der Erwerbstätigen Handwerker. Von den 202 Personen waren 174 Maurer. Im Leben der Gemeinde spielten die Landwirte die führende Rolle, so kamen die gesellschaftlichen Gegensätze in Auseinandersetzungen zwischen den Bauern und Maurern zum Ausdruck. Nach der Jahrhundertwende bot die Auswanderung nach Amerika den Weg zum Aufstieg. Laut der Volkszählung von 1910 hielten sich 72 Sagateler im Ausland auf. Sie wollten sich nicht endgültig in Amerika niederlassen, sondern nur Geld verdienen. Im Mai 1912 arbeiteten 250 Sagateler fern von ihrer Heimat. Das ersparte Geld schickten sie ihren Familien. Andreas Gänsler sandte z. B. zwischen 1907-1911 mehr als 1500 Dollar nach Hause. Von diesem Geld konnte er 8-10 Joch Feld guter Qualität kaufen. So gelang ihm der Aufstieg zum Bauer mit 17 Joch Feld, obwohl er von seinem Vater nur ein Stück Weingarten und eine herrschaftliche Parzelle bekam.
Die Verwaltung der Gemeinde
Das Organ der Selbstverwaltung in der Gemeinde war die Gemeinderepräsentanz, deren Hälfte gewählt, die andere Hälfte aus den größten Steuerzahlern zusammengestellt wurde. Der Gemeindenotar wurde von der Gemeinde unabhängig gemacht. Den Richter und die Geschworenen wählte die Gemeinderepräsentanz. 1872 bekam der Notar ein Gehalt von 404 Ft, der Richter 31 Ft, der Kleinrichter 21 Ft, der Nachtwächter 70 Ft, der Briefträger 20 Ft, die Hebamme 12 Ft und der Kirchendiener 8 Ft. Das meiste der Einkünfte der Gemeinde stammte aus dem Besitz des Dorfes. 1884 hatte Sagatel 70 Joch Feld, der Jahreszins betrug 600-800 Ft. Die andere Einnahmequelle war das Schankrecht. Der Bevölkerung wurden neben den staatlichen auch Komitats- und Kommunalsteuern auferlegt. Die Steuerlast wurde immer höher, im Jahre 1910 erreichte sie die Hälfte des Realeinkommens.
Große Investitionen um die Jahrhundertwende
Die 1880-1890er Jahre waren die Epoche der großen Investitionen. 1884 baute man einen neuen Ratssaal und ein Büro für den Notar. 1886 begann man mit dem Bau einer neuen Schule mit zwei Klassenzimmern. Den Bauplan fertigte der junge Baumeister Johann Quell an. Am Ende der 30-jährigen Amtszeit des Pfarrers Karl Hunyadi befanden sich das Pfarrhaus und die Kirche in baufälligem Zustand. Der neue Pfarrer, Julius Wajdits Hess, baute im Jahre 1874 ein neues Pfarrhaus. 1882 verbesserte man das Kirchendach. Drei Jahre später kaufte die Gemeinde einen neuen Friedhof über dem alten. Das Dorf sammelte auch zur Errichtung einer neuen Kirche Geld. Die neue Kirche wurde im Jahre 1899 fertig.
Die Schule
Der Schulunterricht geschah weiterhin in konfessionellen Schulen. Die Unterrichtssprache war in Sagatel die deutsche Sprache. Die Magyarisierung nahm in den Schulen in den 1890er Jahren ihren Anlauf. Die Schule vermochte die ungarische Sprache den Schülern nicht beizubringen. Der größte Teil der Erwachsenen konnte lesen und schreiben. Die ungarische Sprache kannten aber nur jene, die als wandernde Handwerker mit den Magyaren in Berührung kamen. 1892 bildete sich der bürgerliche Leseverein, dessen Vorhaben die Volksbildung war. 1906 entstand der Arbeiter- und Bauernzirkel, der auch als Interessenvertretung tätig war. Aus der Jugendbibliothek liehen sich sonnabends 100-120 Leute Bücher aus. Die auf den gesellschaftlichen Aufstieg gerichtete Wertordnung der deutschen Bauern bestimmte auch die Gewohnheiten, Ehen und die ganze Lebensweise.