Sonntagsblatt 1/2026 | Page 17

Heiraten
Es heirateten Leute gleichen Vermögensstandes untereinander. In der Wertordnung der Gemeinde nahmen die Bauern einen höheren Rang ein als die Handwerker, deshalb wollten alle eine eigene Wirtschaft erwerben. Damit das Vermögen nicht in die Hände fremder Leute geriet, kam es immer öfter zu Ehen zwischen Verwandten. Ihre Kleidung und Nahrung waren einfach, jeglicher Aufwände ledig.
Wirtschaftliche Situation um die Jahrhundertwende
1900 standen 209 Häuser im Dorf. Von ihnen war eins aus Brennziegeln, 11 hatten Fundamente aus Stein, die übrigen waren Lehmbauten. 92 Gebäude waren mit Stroh gedeckt. Die Periode vom Ausgleich bis zum Ersten Weltkrieg war eine Epoche der raschen wirtschaftlichen Entwicklung. Sie wurde vom Krieg unterbrochen. Die Versorgung der Front verlangte vom Hinterland große Anstrengungen. Trotz der Kriegskonjunktur ging die landwirtschaftliche Produktion zurück, es meldeten sich Verpflegungssorgen. Aus Sagatel rückten mehr als 100 Männer ein, von denen 34 nie zurückkehrten. Die außerordentlichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, der Mangel an Lebensmitteln und an Bedarfsartikeln machte das Leben schwer. Die aus dem Krieg zurückgekehrten Soldaten und Maurer bildeten die Basis der Räterepublik in Sagatel. Die wichtigste Aufgabe der Vertreter der neuen Macht war die Sicherung der Verpflegung. Da die Bodenreform ausblieb, kam es zu keinen tiefgreifenden Umwälzungen im Leben des Dorfes. Der zerrütteten Wirtschaft wurde erst Jahre später nach dem Weißen Terror auf die Beine geholfen. Der verlorene Krieg und der Zerfall der Monarchie schufen neue Voraussetzungen für die Entwicklung der Wirtschaft- in Betreff der Rohstoffquellen, Produktionskapazitäten und Absatzmärkte. Die ungünstigen Umstände hinderten die Entwicklung der Landwirtschaft sowohl im Ackerbau als auch in der Tierzucht. Zwischen den beiden Weltkriegen sank die Rentabilität der arbeitsintensiven Kulturen, deshalb ging ihre Produktion zurück. Das Ackerland, die Wiese und die Hutweide wurden kleiner. Die Ausdehnung der Weingärten verringerte sich von 71 Joch auf 31 Joch. An ihrer Stelle gewann der Wald an Boden. An den unfruchtbaren, steilen Berghängen, die man früher mit großem Aufwand urbar machte, pflanzte man nun Wälder an. Der Viehbestand verminderte sich nicht einmal während des Weltkrieges, in der Nachkriegszeit nahm seine Zahl sogar zu. Die Versorgung mit Futter machte besonders den Zwergbauern Sorgen. Während der Wirtschaftskrise sank die Zahl der Rinder, sie erreichte nicht einmal das Niveau vom Jahre 1911.
Hier endet mein Beitrag. Der Leser erhält im nächsten Artikel einen Einblick in die Geschichte der turbulenten Jahre im 20. Jahrhundert.

AUF DEN SPUREN EINES VORGÄNGERS

Vor 55 Jahren verstarb der bedeutende ungarndeutsche Journalist Dr. Anton Szentfülöpi-König
Von Richard Guth
Mitte des Jahres erreichte uns eine bemerkenswerte E-Mail. Ein Wissenschaftler aus dem Südosten des Landes lenkte unsere Aufmerksamkeit auf einen Mann, der als Quasi-Hauptschriftleiter des Bleyer’ schen Sonntagsblattes dessen Gesicht und Geschichte maßgeblich beeinflusste: Dr. Anton Szentfülöpi-König. Anlass war die Forschungstätigkeit des Wissenschaftlers, in deren Rahmen ihm auffiel, dass die Grabpracht für den verstorbenen ungarndeutschen Journalisten im Friedhof auf der Wolfswiese / Farkasrét( 12. Stadtbezirk von Budapest) 2024 abgelaufen sei. Wie es sich herausgestellt hat, wurde die Pacht von den Nachkommen doch um weitere Jahre verlängert. Der besagte Wissenschaftler hat in seiner
Mail noch eine interessante Anregung gemacht: Man solle prüfen, die Grabstätte in eine von nationaler Bedeutung umzuwidmen. Aber wer ist der Mann, der so Nachhaltiges geleistet haben soll?
Wie man in einer wissenschaftlichen Mitteilung von György Sági( erschienen in: FONS XXVIII( 2021), S. 277-307) erfährt, entstammt Anton Szentfülöpi- König( in manchen Quellen „ Kőnig“)( 1890-1971) einer batschkaschwäbischen Familie aus Filipowa, ung. Szentfülöp( daher der madjarisierte Name Szentfülöpi) als Sohn des Landwirts Josef König sen. und Anna Pertsy. Einige seiner Geschwister haben eine ähnlich bemerkenswerte Karriere hinterlegt
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