ren wochen-, manchmal monatelang fern von ihren Familien. Von ihrem ersparten Geld kauften sie Feld und bauten Einfamilienhäuser. Sie konnten sich von ihrem Heimatort und von der Landwirtschaft nicht endgültig loslösen.
Kirchliche Veränderungen im 18.-19. Jahrhundert
Die Periode führte auch im Leben der Kirche große Änderungen herbei. Die Tätigkeit der Pfarrer Joseph Gruber( 1772- 1802) und László Füleki( 1802-1841) umfasste fast sieben Jahrzehnte. In der Zeit von Gruber gehörten zum Sagateler Pfarrbezirk mehrere umliegende Dörfer, überwiegend mit protestantischer Mehrheit: Berin / Diósberény, Gallaß / Kalaznó, Udvari und Sarasch / Szárazd. Der Pfarrer führte nicht nur über die Katholiken, sondern auch über die Protestanten die Aufsicht. Ein Patent von Joseph II. gewährte den Protestanten die religiöse Gleichberechtigung, somit fiel die Obrigkeit der katholischen Kirche weg. Um die Jahrhundertwende bekam Berin einen eigenen Pfarrer, wodurch nicht nur die Kompetenz, sondern auch das Einkommen des Sagateler Pfarrers zusammenschrumpfte. Trotzdem ließ der neue Pfarrer Füleki 1803 ein neues Pfarrhaus bauen. 1815 wurde die Kirche renoviert, der Turm wurde mit Blech bedeckt.
Magyarisierung und die Reformzeit
Im Reformzeitalter entfaltete sich das nationale Bewusstsein der Magyaren. Ihr Ziel, die Herausbildung einer einheitlichen ungarischen Nation, wollten sie durch gewaltsame Magyarisierung der Nationalitäten erreichen. Das Tolnaer Komitat wollte den Schwaben die ungarische Sprache als Unterrichts- und Amtssprache und die ungarische Tracht aufzwingen. Ihre Bestrebungen hatten keinen nennenswerten Erfolg gehabt, andererseits riefen sie keine feindlichen Gefühle der Deutschen gegenüber den Magyaren hervor. Diese Tatsache bestimmte das Verhältnis der Schwaben zur ungarischen Revolution und zum Freiheitskampf im Jahre 1848-1849. 1848 bedeutete auch in der Geschichte der Gemeinde einen Wendepunkt. Aus den Fronbauern wurden freie Bauern. Die letzten Herrschaften waren die Apponyis, die um 1770 das ganze Hidjesser / Hedjesser Herrschaftsgut von der Familie Mercy gekauft hatten. In vielen Dörfern des Komitats kam es während der Revolution zu Aufständen. Doch die frommen Leute von Sagatel empörten sich nicht, sie nahmen die Geschehnisse gelassen zur Kenntnis. Während des Freiheitskampfes im Jahre 1848-1849 rückten 13 Sagateler in die ungarische Armee ein. Ein Teil von ihnen waren Freiwillige, die anderen bekamen 200-500 Ft Entgelt. Die Eingerückten stammten ausnahmslos aus armen Kleinhäusler- bzw. Handwerkerfamilien. Nach der Niederlage des Freiheitskampfes gerieten 10 von ihnen in österreichische Gefangenschaft.
Landwirtschaftliche Entwicklung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Zur endgültigen Regelung der aufgehobenen feudalen Verhältnisse kam es erst im Jahre 1853. Sagatel musste seine Freiheit teuer bezahlen. Die Bewohner verloren die Hälfte der Hutweide, verzichteten auf den ganzen Wald. Auch einen Teil des Ackers mussten sie mit Geld auslösen. Doch die Befreiung der Bauern förderte die Entwicklung der Landwirtschaft. Im Ackerbau folgten sie dem Dreijahrsystem( eine abgeänderte Form der Dreifelderwirtschaft ohne Brachliegen im dritten Jahr, Red.). Im ersten Jahr bauten sie Weizen oder Roggen, im zweiten Jahr Mais, Kartoffeln und Hafer, im Dritten Gerste, Wicken und Tabak an. Der Futterpflanzenanbau ermöglichte die Erweiterung der Tierzucht. 1854 gab es 309 Rinder, 132 Pferde, 498 Schafe und 153 Schweine im Dorfe. Das machte wiederum die öftere Düngung der Felder in jedem dritten Jahr möglich. So haben sich der Ackerbau und die Tierzucht einander gegenseitig fordernd entwickelt. Das Ergebnis von 150 Jahren fleißiger Arbeit war ansehnlich: Die Neubauern fassten in Ungarn Fuß, machten das öde Land urbar, entfalteten eine entwickelte Landwirtschaft und bildeten eine breite Schicht fleißiger Handwerker heraus. Sie fanden eine neue Heimat, der sie jahrhundertelang zugetan waren.
Die während der Revolution 1848 begonnene bürgerliche Umwälzung wurde mit dem Ausgleich von 1867 abgeschlossen. Es bildete sich eine neue konstitutionelle Staatseinrichtung heraus und aus dem Reich der Habsburger wurde ein dualistischer Staat. Die Aufhebung der feudalen Überreste hatte für die Gemeinde Sagatel keine besondere Bedeutung. Ihren während der Besitzregelung verlorenen Boden konnten die Bauern 1878 zurückkaufen. Für 170 Joch Acker und 223 Joch Hutweide zahlten sie 45 000 Ft. Die Summe streckte die Kreditanstalt der Kleingrundbesitzer vor. Den gekauften Boden teilten sie in 108 Teile, damit jeder Eigentümer in jeder Flur ein Stück Feld bekomme. Die Kleinhäusler erhielten ihren Anteil abgesondert. Die Bauern durften zweimal so großes Terrain kaufen. Sie rissen die frühere Hutweide auf und wandelten sie in Acker und Weingärten um. Der Ankauf des Herrengutes änderte die Besitzstruktur in der Gemeinde nicht, da die mittellosen Leute nichts erwarben. Nach der Erwerbung des Gutes gab es keine Möglichkeit mehr, die territoriale Expansion fortzusetzen. So vermochten die Bauern den Ertrag der Landwirtschaft nur durch die Steigerung der Produktivität zu erhöhen. Zwischen 1874- 1884 minderte man um 1 / 3 die Hutweide, zugunsten des Ackers und der Weingärten. Wegen der Brache der Hutweide tat die Steigerung der Futterpflanzenproduktion not. Im Pflanzenbau wuchs die Bedeutung der arbeitsintensiven Hackfrüchte und des Weinbaus, der Tabakbau wurde aber völlig eingestellt. Die ausgebliebenen Einkünfte ersetzte der Weinbau, der im Jahre 1888 mit 115 Joch seinen Höhepunkt erreichte.
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