Sonntagsblatt 1/2017 | Page 11

Weltgeschichte und Alltag im Banat . Fälle aus einem Anwaltsarchiv von der Monarchie bis zum Kommunismus .
Als Ann im Jahr 1975 wieder nach Indonesien zurückkehrte , nahm sie nur Maya mit . Barack blieb lieber in Hawaii und besuchte die High-School . Er wollte bei den Großeltern bleiben , zu denen er ein sehr enges Verhältnis hatte . Im Jahr 1992 erwarb Obamas Mutter einen Ph . D ( Doktor ) in Anthropologie an der Universität von Hawaii unter der Leitung von Prof . Alice Dewey . Im Jahr 1994 erkrankte Obamas Mutter an Gebärmutterkrebs und starb am 7 . November 1995 im Alter von 52 Jahren .
Obamas Großmutter Madelyn Dunham erlebte noch seine Wahl zum Präsidenten der USA . Sie starb einige Wochen später am 23 . Dezember 2008 . Auch nach seinem Einzug ins Weiße Haus in Washington arbeitete Präsident Obama gerne mit Menschen mit deutschen Wurzeln zusammen . Anita Decker-Breckenridge , seine persönliche Sekretärin in der Zeit von Mai 2011 bis Mai 2014 , stammt aus einer deutschen Familie . Sie ist die Tochter von Louis und Barbara Decker aus Kenilworth in Illinois . Kenilworth ist eine 2513 Seelen-Gemeinde im Cook County , 24 km nördlich von Chicago und grenzt an den Michigan See . Kenilworth ist die reichste und die exklusivste Gemeinde im Mittleren Westen . Im Januar 2011 ordnete die Zeitschrift Forbes Kenilworth als zweitwohlhabendste Gemeinde in den Vereinigten Staaten ein . Das ge - schätzte mittlere Haushaltseinkommen beträgt $ 247 000 . In Ke - nil worth wird ein durchschnittliches Haus für rund eine Million Dollar verkauft . Hier wuchs Anita Decker auf und besuchte die Grundschule sowie die New Trier High School , die sie 1996 ab - schloss . Diese Schule wurde 1901 gegründet . Das Trier-Logo zeigt die Porta Nigra , ein Symbol von Trier in Rheinland-Pfalz in Deutschland . Anschließend besuchte Anita Decker die Universität von Arizona und legte im Jahr 2000 ihr Examen ab . Nach ihrer Zeit als persönliche Sekretärin von Präsident Obama wurde sie im Mai 2014 zur stellvertretenden Stabschefin im Weißen Haus be - fördert .
Auch Obamas Halbschwester , Auma aus Kenia , lebte von 1980 bis 1996 in Deutschland . Ihr Studium der Germanistik und Sozio - logie führte sie nach Saarbrücken und Heidelberg . In Berlin war sie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie eingeschrieben . Im Jahr 1996 hat sie an der Universität Bayreuth promoviert . In ihrer Doktorarbeit verglich sie die Konzeption von Arbeit und der Haltung zur Arbeit in Deutschland und Kenia . Anschließend war sie für die Friedrich-Ebert-Stiftung in der Erwachsenenbildung tätig . Wenn man sie in Talkshows im Fernsehen hört , spricht sie ein akzentfreies Deutsch .
Tibor Várady ( 2016 ):

Weltgeschichte und Alltag im Banat . Fälle aus einem Anwaltsarchiv von der Monarchie bis zum Kommunismus .

Wien / Köln / Weimar : Böhlau Verlag . ISBN 978 – 3 – 205 – 20338 – 4 • 279 Seiten , € 35.00
Das Buch „ Weltgeschichte und Alltag im Banat ”, verfasst vom un - garischen Juristen , Universitätsdozent und Buchautor Tibor Vá - rady , bietet aus rechtswissenschaftlicher Perspektive Einblicke in die neuzeitliche Geschichte dieser multikulturellen Region , vorwiegend aus dem heutigen serbischen Bezirk Mittelbanat der Auto nomen Provinz Vojvodina . Der Text wurde aus dem Ungari - schen von Erzsebet von Kontz übersetzt , einem Vorwort von Richard Buxbaum und einem Nachwort von Srdan Šarkić sowie Thomas Simon versehen . Anhand ungefähr 20 juristischer Fälle aus einem seit 1893 be - stehenden Anwaltsarchiv , wird das Leben der Stadt Groß-Betsch - kerek ( serb . Zrenjanin , ung . Nagybecskerek , rum . Becicherecul Mare ) von der Monarchie bis zum Kommunismus beschrieben . Zwar konnten nicht alle Schriftstücke der seit drei Generationen geführten Anwaltskanzlei materiell erhalten bleiben , jedoch sind viele Fälle durch mündliche Überlieferungen des Großvaters Imre Várady ( 1867 – 1959 ) und des Vaters József Várady ( 1912 – 1988 ) dem Autor in Erinnerung geblieben und konnten somit in der Analyse mitberücksichtigt werden . Im Mittelpunkt stehen freilich die in den juristischen Akten thematisierten Causae der Verehe - lichung und Ehescheidung , Geburt und Vermächtnis , Abschie - bung und Emigration , Gefangennahme und Entlassung der provinziellen und kleinbürgerlichen Bevölkerung dieser Gegend in zahlreichen der / dem Le-ser / in im Original zur Verfügung gestellten Briefen , Beweisunterlagen , Klagen und Entscheidungen . Trotzdem wird auch das alltägliche Leben in Kriegs- und Frie - denszeiten sowie während der Revolutionen und den entspre - chen den Konterrevolutionen zur Sprache gebracht . Auch wenn das Zusammen- bzw . Nebeneinanderleben der zahlreichen Eth - nien zum Großteil problemlos funktionierte , wurde die ethnische Zugehörigkeit in den letzten 100 Jahren bedeutungsvoll . So konnte beispielsweise bei Mischehen , welche in diesem Gebiet häufig geschlossen worden sind , während des 2 . Weltkriegs die Scheidung zumindest eine / n Ehepartnerin vor Inhaftierung oder Beschlag - nah me von Wertsachen retten . Die Volkszugehörigkeit entschied auch über den Schulbesuch und bestimmte Minderheitenrechte , die nicht alle Minoritäten im gleichen Ausmaß in Groß-Betsch - kerek besaßen .
In Groß-Betschkerek sowie in anderen Städten des serbischen Mittelbanats war und ist auch heute noch , wenn auch in weniger großem Ausmaß , eine große Sprach- und Religionsvielfalt zu spüren . Es war für Einheimische selbstverständlich neben ihrer Mut - tersprache weitere Sprachen der Mitbürgerinnen zu sprechen – im Fall von Groß-Betschkerek hauptsächlich Deutsch , Ungarisch , Ser bisch oder Jiddisch . Der in den letzten 100 Jahren häufige Wech sel der Zugehörigkeit dieser Kleinstadt von der Habsburger - monarchie zu Jugoslawien ( deutsche Besetzung 1941 – 1944 ) und letztendlich zu Serbien hatte großen Einfluss auf die Arbeit der Anwaltsfamilie , da jeweils eine andere Arbeitssprache – je nach Staatszugehörigkeit der Stadt – zum Einsatz gekommen ist . Bei - spielsweise hatte das Deutsche zu Lebzeiten des Großvaters Imre Váradys im Vergleich zu heute einen weit größeren Einfluss auf die Arbeit in der Anwaltskanzlei . Somit standen und stehen sowohl die ungarische , als auch die deutsche und serbische Sprache gleichberechtigt nebeneinander und wurden von den Anwälten selbst und ihrer Klientel gebraucht .
Das Buch „ Weltgeschichte und Alltag im Banat ” ist aufgrund der interdisziplinären Ausrichtung zwischen Geschichts- und Rechts - wissenschaften eine anspruchsvolle populärwissenschaftliche Lektüre , da historisches Hintergrundwissen sowie ein gewisses Verständnis juristischer Fachbegriffe und Prozesse unumgänglich ist . Sollte es an der Kenntnis geschichtlicher Fakten fehlen , stellt das Nachwort Hilfe dar , indem die wichtigsten Ereignisse , welche die Region im Laufe der Geschichte geprägt haben , erklärt werden . Zudem erhält die / der Leser / in Eindrücke von den rechtlichen Spannungen inmitten einer multiethnischen Kleinstadtkul - tur und dem profanen Leben in den unterschiedlichsten Staats - formen des 20 . Jahrhunderts . Ferner wird das Ende der Habsbur - ger monarchie , des Königreich Serbiens , der deutschen Okkupa - tion sowie des kommunistischen Jugoslawiens und die Auswir - kungen auf die Bewohnerinnen Groß-Betschkereks geschildert . Obwohl der Autor ein Jurist ist , liest sich sein Werk – entgegen einer möglich aufkommenden Annahme – nicht wie ein Gesetz -
( Fortsetzung auf Seite 12 )
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