gleichzeitig die Einschreibgebühr von 1 Krone entrichtet ha ben. Ferner liegen zwei schriftliche Anmeldungen vor, so daß der Verein bereits 22 Mitglieder zählt. Zur Vereinsleitung wurden vorgeschlagen: Obmann: Nikolaus Wehner, Obmann-Stellvertreter: Johann Braun, Schriftführer: Johann Mager, Schriftführer-Stellvertreter: Nikolaus Hilger, Kassier: Franz Bottner, Bibliothekar: Lorenz Thoma, Ausschussmitglieder: Josef Kaiser, Rudolf Schiff, Jakob Schweitzer, Michael Hirsch, Revisoren: Wilhelm Engelhardt, Peter Engel, Johann Stocker. Jeder dieser Vorschläge wurde einzeln und einstimmig angenommen. Die Gewählten erklärten, dass sie die Wahl annehmen.” „ Der Vorsitzende gab das gesamte Resultat der Wahl bekannt und erklärte, daß sich hiermit der ‚ Verein der Banater Schwaben in Wien’ konstituiert hat und daß an jedem zweiten Sonntag eines jeden Monats ein geselliger Vereinsabend stattfinden wird.”
Das Vereinsabzeichen Nach der Vereinsgründung im Jahre 1907 wurde der Beschluss gefasst, bei offiziellen Anlässen ein Vereinsabzeichen zu tragen. Der Verein der Banater Schwaben in Wien kann mit Stolz auf sein sinnreich zusammengestelltes Vereinsabzeichen hinweisen, welches schon auf den ersten Blick einen netten Eindruck macht. Ein rot – weiß – rotes Legendenband, die Farben Österreichs als Grün- dungsstätte des Vereines umrahmt das Abzeichen auf dem Verein der Banater Schwaben Wien zu lesen ist. Eine aufgehende Sonne im schwarzen Feld sollte die „ geistige Erleuchtung durch die Schule” bedeuten. Rechts und links ein blühender Eichenzweig das „ heranwachsende, junge deutsche Geschlecht”. Unter diesem sind zwei Wappen, von welchen das eine die rot – weiß – grüne, das andere die schwarz – rot – goldene Farbe trägt. Erstere hat die Farben, des Landes Ungarn, welches unsere Vorfahren besiedelten und urbar machten. Im Innern des Abzeichens finden wir zwei mahnende Worte:
„ Bleib deutsch!”
Rechts ist das Vaterhaus, vor welchem die Eltern von dem scheidenden Sohne Abschied nehmen. Die Mutter, an deren Seite zwei schutzsuchende Kinder stehen, hebt zum Segen ihre Rechte. Ent- worfen wurde das Vereinsabzeichen von Prof. Hugo Ströhl. Der Aufruf „ Bleib deutsch”! sollte als Mahnruf gegen die Madja- risierungsbestrebungen in der ungarischen Reichshälfte im ausgehenden 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstanden werden.
Dass der Verein bereits bei seiner Gründung deutliche kulturelle Interessen bekundet hat, geht aus der Funktion des gewählten Vereinsbibliothekars hervor.
Der Sektion „ Friseure” kam im Rahmen des Vereins eine besondere Bedeutung zu: Die regelmäßigen Fortbildungskurse erfreuten sich großer Beliebtheit, und einige Sektionsmitglieder hatten es in jener Zeit zu Rang und Ehren gebracht; so wurde den beiden verwandten Konkurrenten Othmar und Rudolf Schiff der Titel „ Kommerzialrat” verliehen. Regelmäßig sorgten Vereinsabende und Schaufrisieren, Kegelabende und Weihnachtsfeiern, „ schwäbische” Festessen und der alljährliche Schwabenball für Geselligkeit und Pflege des kulturellen Erbes wie auch für Geltung in der Wiener Gesellschaft.
Zu den Vortragenden des Vereins, die stets ein dankbares Publi- kum fanden, zählten in Wien studierende Banater – der spätere Medizinalrat Dr. Fritz Klingler und der Kirchenpräsident Franz Hamm – sowie anerkannte Literaten der Zeit, wie etwa Ella Triebnigg-Pirkert und Adam Müller Guttenbrunn.
Aus dem Bericht des Obmann Nikolaus Wehner auf der ersten ordentlichen Hauptversammlung am 31. Jänner 1908 über das ers- te Vereinsjahr 1907 wird auf die Überschwemmung der Gemeinde Rudolfsgnad im Banat, im Jahre 1907, u. a. eingegangen: „ Derselbe Tag, der für uns Banater Landsleute in Wien ein Tag harmloser Freude war, wurde für die blühende deutsche Gemeinde Ru- dolfsgnad in der Torontaler Gespanschaft im Banat ein Trauertag. Durch die Unfähigkeit des staatlichen Beamten der Stromaufsicht wurden nämlich der Ort und seine Gemarkung durch den zu- rück stauenden Schwall der Donau vollständig überflutet. Die schwä bischen Bauern, das Gesinde und die Taglöhner wurden an den Bettelstab gebracht. Über Aufforderung von Seite unseres Vereines traten noch in der ersten Woche des Juni gewählte Vertre- ter von sechs in Wien bestehenden landsmannschaftlichen Verei- nen ungarländischer Deutscher zu einem Hilfsausschuß zusammen, dessen Tätigkeit in einem besonderen Teil dieses Jahresbe- richtes besprochen wird. An dieser Stelle sei den wackeren Mitar- beitern dieses Ausschußes der wärmste Dank ausgesprochen …”
Der Hilfsausschuß bestand aus den folgenden sieben Vereinen: 1. Verein zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn 2. Vereinigung deutscher Hochschüler aus den Ländern der ungarischen Krone in Wien 3. Verein der siebenbürgisch – sächsischen Hochschüler in Wien 4. Verein der Siebenbürger Sachen in Wien 5. Sektion Wien des Siebenbürgischen Karpatenvereins 6. Verein der Batschkaer 7. Verein der Banater Schwaben in Wien
( Wien, im Juni 1907)
Daraus ist ersichtlich, dass der Verein der Banater Schwaben in Wien sofort nach der Vereinsgründung eine sehr erfolgreiche Tä- tigkeit entfaltet und auch den in Not geratenen Landsleuten in der Heimat geholfen hat.
Am 21. Dezember 1910 wurde beschlossen, 200 Exemplare von Adam Müller-Guttenbrunns „ Der kleine Schwab” nach Ungarn, be sonders ins Banat und in die Bacska, zu versenden und am 10. Mai 1911 wurde entschieden, 30 Abdrucke des Banater Schwa- benliedes – für eine Singstimme mit Klavierbegleitung – von Adam Müller-Guttenbrunn getextet und von Adolf Kirchl vertont – aus Vereinsmitteln anzukaufen. Gleichzeitig wurden auch 25 Abdrucke der Schrift „ Deutschtum und Madjarisierung” von Dr. Schultheiß erworben. In der ordentlichen Hauptversammlung vom 25. Juni 1911 wurde festgehalten, dass die Mitgliederzahl von 500 auf 700 angestiegen sei.
In den Annalen des Vereines scheint sehr oft das Wort „ arme Landsleute” auf; es war damals eben eine andere Zeit. Und diesen armen Landsleuten zu helfen, war ein Hauptanliegen des Vereins, bedürftigen Landsleuten hilfreich beizustehen. So wurde z. B. in Wien studierenden Hochschüler aus dem Banat mit je einem Kost tag pro Woche und Schulkinder von Landsleuten in Wien mit warmer Winterbekleidung geholfen.
Das Ende der Doppelmonarchie Das vierte Kriegsjahr des Ersten Weltkriegs – Ende September, Anfang Oktober 1918 – bedeutete das Ende der Österreichisch- Ungarischen Doppelmonarchie: Eine Nation nach der anderen verlässt das einstürzende Staatsgebäude. An die Stelle eines großen 52 Millionen Einwohner zählenden Reiches trat eine Reihe von Kleinstaaten, die teils republikanisch, teils monarchistisch regiert wurden. Die Völker der Monarchie beschritten den Weg in die Selbstständigkeit und wollten mit Österreich nichts mehr gemeinsam haben.
Der Winter 1918 / 19, der das Ende der jahrhundertealten Habs- bur gerherrschaft in Mitteleuropa brachte, war auch der Übergang von einem großen, umfassenden Reich zu einem kleinen Staat und von der Monarchie zur Republik. Der Wert der österreichischen Krone verschlechterte sich in alarmierendem Ausmaß. Wien war nicht mehr die zugkräftige Hauptstadt eines Großreiches und muss te sich auch geographisch mit einer Randlage begnügen.
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