250 000 Ungarn und 13 000 Juden. Mit Wirkung vom 1. Jänner 1861 löste sich die Woiwodschaft auf, und das Banat wurde ein zweites Mal dem Königreich Ungarn einverleibt.
In den Revolutionsjahren 1848 / 49 und in den damit verbundenen kriegerischen Auseinandersetzungen schlugen sich die Bana- ter Schwaben auf die Seite der gegen das Kaisertum kämpfenden Magyaren, während die Siebenbürger Sachsen kaisertreu geblieben waren.
Gleich nach der Revolution von 1848 / 49 war für die Deutschen im Banat eine Art Blütezeite angebrochen: Fast jede Gemeinde ver fügte über eine deutsche Volksschule, es gab deutsche Mittel- schulen und Lehrerbildungsanstalten. In allen deutschen Gemein- den wurde Deutsch als Amtssprache gebraucht. Der „ Temeswarer Zeitung” zufolge hatte Temeswar kaum jemals ein schöneres Neu- jahr als im Jahre 1861. 1
Mit dem österreichisch – ungarischen „ Ausgleich” von 1867 wurden die 1,8 Millionen Deutschen der ungarischen Reichshälfte dem ungarischen Nationalismus ausgeliefert. Das deutsche Schul- wesen wurde nach und nach erdrosselt. Die deutschen Zeitungen des Banats schmolzen von 37 im Jahre 1889 auf 12 im Jahre 1910 zusammen.
Bereits um die Mittes des 19. Jahrhundert zog es viele Banater nach Wien: Nicht nur Nikolaus Lenau und Adam Müller Gutten- brunn − bekannte Persönlichkeiten − zog es in die alte Kaiserstadt.
Ab der zweiten Hälfte des 19. und besonders um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert waren es vor allem Friseure, Handwerker, Studenten und Kaufleute, die es in die damalige Großstadt gezogen hatte: Wer ließ sich schon in den Banater Dörfern täglich rasieren? Anders war das Leben in der mondänen Großstadt Wien, in der man den Aufbau einer Existenz anstrebete: Ebenso die Handwerker, die hier ein breites Betätigungsfeld vorzufinden hofften.
Vor allem in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte eine regelrechte Banater Zuwanderung nach Wien ein, was Überlegungen hervorgerufen hatte, die Beziehungen unter den Landsleuten auch in der Großstadt zu pflegen und die Verbindungen zur Banater Heimat aufrecht zu erhalten. 1882 bestand eine Tischgesellschaft der Banater Schwaben in Wien, die jedoch noch keinen Vereinsstatus hatte: Man traf sich regelmäßig zwecks Austausches von Erfahrungen und Gedanken bzw. um Neuigkeiten aus der Heimat in Erfahrung zu bringen und / oder zu verbreiten usw.
Der Temeswarer Buchdrucker und Journalist JOSEF KARL GABRIEL( 1862 – 1950), der vom 4. Mai 1880 bis zum 2. Septem- ber 1882 auf der „ Walz” in Wien beschäftigt und von 1904 – 1906 Korrektor bei der „ Temeswarer Zeitung” war, erwähnte in mehreren Aufsätzen die Zeit, die er als Wanderbursche in der „ Tischgesellschaft der Banater Schwaben in Wien” verbracht hatte. Die
Jahre, die der junge Buchdrucker hier in Wien erlebt hatte, ließen ihn reifen, so steht es in seinen Tagebuchnotizen.
Am 30. Dezember 1906 wurde in Werschetz die „ Ungarlän- dische Deutsche Volkspartei” gegründet. Sie stellte sich die Auf- gabe, die Überfremdung abzuwehren und die im Nationali- tätengesetz von 1868 den Volksgruppen zugesagten Rechte durchzusetzen. Die Volkszählung im Jahre 1910 wies im Banat unter 1 852 439 Einwohnern 512 601( 27,6 %) Deutsche auf.
Auch in Österreich vollzog sich der Entwicklungsprozess eines Vereines über die Stationen Tischgesellschaft – Unterstützungsve- rein – Bildungsverein usw.
Samstag, den 24. Oktober 1906, fanden sich einige in Wien le- bende Banater Landsleute im engsten Freundeskreis in ihrer Tisch- gesellschaft im Restaurant „ Zum Grundstein” im VIII. Wie ner Bezirk zusammen, um die Vereinsgründung der Banater Schwaben in Wien zu besprechen. Zur Beratung der Satzungen wurde ein eigener Ausschuss gewählt. Drei Monate später, nach Genehmi gung der Satzungen, trafen die Gründungsmitglieder wieder zusammen und gründeten – laut Protokol – am 27. Jänner 1907, um 19 Uhr, im Restaurant „ Zum Grundstein” im VIII. Wiener Gemeindebezirk, Josefstädter Straße 28 – wo sich später eine Bank-Filiale( BAWAG) befand –, den „ Verein der Banater Schwaben in Wien”.
Der Verein der Banater Schwaben in Wien hatte sich als Ziel gesetzt, den Landsleuten in Wien ihr Deutschtum, d. h. ihre deutsche Sprache, ihre deutsche Bildung und ihre Sitten 2 zu erhalten, die Beziehungen zu den Landsleuten zu pflegen und zu festigen. Im Laufe der ersten Jahre dehnte sich das Betreuungsgebiet des Vereines immer weiter aus, so dass schließlich alle Banater Lands- leute in Wien erfasst wurden. Es erweiterte sich auch sein Auf- gabenkreis. Laut Auszug aus den Vereinssatzungen stand damals im Vordergrund der Vereinstätigkeit die Förderung aller nicht politischen, insbesondere der sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Belange seiner Mitglieder. In diesem Zusammenhang erläuterte der zum Vorsitzenden gewählte Nikolaus Wehner den Zweck und die Ziele, aber auch die Notwendigkeit eines Vereins der Banater Schwaben in Wien, um „ den aus der Heimat in die fremde große Stadt Kommenden mit den Verhältnissen der Großstadt nicht vertrauten Stammesgenossen an die Hand zu gehen, ihnen mit Rat beizustehen.[...] Andererseits sollen auch die schon länger in Wien ansässigen Banater Schwaben einander näher gebracht werden. [...] und in steter Wechselbeziehung zu einander bleiben. [...]”. Darüber hinaus sollte man sich im heimatlichen Dialekt unterhalten und es sollten Sitten und Bräuche gepflegt werden.( Gründungsprotokoll, S. 1.) 3
Ausschlaggebende Verdienste um die endlich erfolgte Zusam- menfassung der um die deutsche Zukunft der Schwaben in Un- garn besorgten Kräfte hatten sich ADAM MÜLLER-GUTTEN- BRUNN und der in Klosterneuburg bei Wien lebende EDMUND STEINACKER erworben. Steinacker war bereits im Jahre 1901 Abgeordneter-Kandidat im Komloscher Bezirk im Nordbanat und später Abgeordneter in Budapest.
Aus dem Protokoll der konstituierenden Sitzung geht u. a. hervor: „… Im Namen der Proponenten und Einberufer begrüßt Herr Nikolaus Wehner die Versammelten und sagte, daß die Anwesen den aus den ihnen zugegangenen schriftlichen Einladungen wohl wissen, daß es sich um die Konstituierung des Vereins der Banater Schwaben in Wien handelt. Zur Leitung dieser Versammlung mö gen die Anwesenden aus ihrer Mitte einen Vorsitzenden, einen Vor- sitzenden-Stellvertreter und einen Schriftführer wählen. Hie rauf wurde gewählt: Nikolaus Wehner zum Vorsitzenden, Franz Bottner zum Vorsitzenden-Stellvertreter und Johann Mager zum Schriftführer. Herr Wehner gab anschließend bekannt, daß von den 28 anwesenden Personen 20 ihren Beitritt angemeldet haben und
( Fortsetzung auf Seite 28)
27