Sonntagsblatt 1/2017 | Page 26

tekten und Privatsammlern. Und immer mehr auch Zeugnis der nahezu verschwundenen Alltagskultur.
Monica Vlaicu ist zum Teutsch-Haus gekommen, nachdem sie ihr Berufsleben im Staatsarchiv von Hermannstadt verbracht hatte. Sie kennt die sächsische Gemeinschaft, die Familienver- hältnisse, die Beziehungen. Ein unschätzbarer Wert, nicht nur, um die zahlreichen Vor- und Nachlässe zu erschliessen, sondern auch, um den Prozess der Archivierung vorsichtig zu begleiten. Das, was ausgelegt war, von einer auf die nächste Generation weitergegeben zu werden, wird nun in Mappen und Kisten verpackt und in einem Depotraum aufbewahrt. Von hier aus haben Forscher Zu- griff auf die Archivgüter. Ein Vorgang, der für die Betroffenen oftmals mit grossem Schmerz verbunden ist. Ein Vorgang, der sorgsam vorbereitet und durchgeführt werden muss.
Auch im Archiv kaum Nachwuchs. Ein Glücksfall ist András Bándi, Mitte 30, Angehöriger der ungarischen Minderheit. Er, der perfektes Deutsch spricht, hat hier in Hermannstadt evangelische Theologie studiert. Einige Jahre war er als Pfarrer für die kleinen Gemeinden um Hermannstadt zuständig. Nachdem diese grösstenteils aufgelöst worden sind, verwaltet er nun deren Erbe. Er lernt von den älteren Archivmitarbeitern, was es einst bedeutete, der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft anzugehören. And- rás Bándi ist einer der wenigen, die die Kultur hüten, die nicht ihre eigene ist. Aufrechterhalten kann er sie nicht. Das können auch die wenigen nicht, die geblieben sind, oder die noch geringere Zahl von denjenigen, die zurückkommen.
Das Archiv kann nur noch verwalten, was zurückgeblieben ist. Und auch hierbei stellen sich immer wieder grosse Probleme. Neben dem mangelnden Nachwuchs sind es die knappen finanziellen Mittel, die Projekte verhindern. Oft fehlt es am Nötigsten, an Verpackungsmaterial und an Computertechnik. Hinzu kommen die beschränkten Räumlichkeiten, denn immer mehr Be- stände werden aus ihrem Gebrauchszusammenhang, aus dem Familienbesitz entlassen und müssen aufgenommen werden. Nach lässe von Malern, von Schriftstellern, Alltagsgut und Unter- lagen von eingestellten Institutionen wie deutschsprachigen Zei- tungen befinden sich noch an nicht sicheren Aufbewah rung sorten und drohen verloren zu gehen. Ein Verlust, der schmerzhafter nicht sein könnte, wo so viel bereits verloren ging.
Michaela Nowotnick ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ins- titut für deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 2015 führt sie ein Projekt zur Sicherung von Quellen
zur rumäniendeutschen Kultur durch. Nur noch 13 000
mro. • Nach dem Fall des Kommunismus verliess der überwiegende Teil der Rumäniendeutschen ihre Heimat. Zu ihnen gehören auch die Siebenbürger Sachsen, die seit dem 13. Jahrhundert in Sie benbürgen leben. Von den einst 300 000 Mitgliedern leben heu- te noch etwa 13 000 in Rumänien. Die Tendenz ist fallend. Nach dem Exodus der Gemeinschaft muss das kulturelle Erbe weitestgehend von der stark überalterten Gesellschaft verwaltet und auf die Übernahme aus dem Gebrauchs- und in den Forschungszu- sammenhang vorbereitet werden.

Dama-Lyrik in Bukarester „ Contemporanul”

In der 1881 in Jassy gegründeten, nun in Bukarest erscheinenden Literaturzeitschrift CONTEMPORANUL wurden in der Nr 1 / 2017, auf Seite 39, fünfzehn Gedichte von Hans Dama in der Übersetzung von Prof. Simion Dănilă, dem durch seine erste Nietz sche – Direktübersetzung aus dem Deutschen ins Rumä- nische international bekannt gewordenen Banater, der u. a. auch Peter Jung ins Rumänische übersetzt hat, veröffentlicht.
Dass gerade diese renommierte rumänische Literaturzeitschrift einen Banater Autor veröffentlicht, ist eigentlich eine Seltenheit und zeugt von der Wertschätzung, die der Lyriker Hans Dama auch in rumänien Literaturkreisen genießt. K. T.
Endlich! Das Schicksal der Donauschwaben ist für Mit- und Nachwelt greifbar. Ein Mahnmal und Ehrenzeichen in Buchform. Für alle, die es wissen wollen, eine unersetzliche Quelle. Die Stätten der Verfolgung erhalten ein Gesicht, die Märtyrer einen Namen, die Opfer ein Medium des Gedenkens. Ein Vermächtnis!
Titel:
Donauschwäbisches Martyrologium
Hrsg.:
St. Gerhardswerk, Stuttgart
ISBN:
978-3-86417-084-3
Einband:
Hardcover
Seiten:
770( mit zahlreichen Abbildungen)
Format:
16 cm x 23,5 cm
Preis:
25.- €
Der emeritierte Erzbischof Dr. Robert Zollitsch hält in seinem Geleitwort zu diesem Martyrologium fest: „ Kaum eine deutsche Volksgruppe hatte unter dem Zweiten Weltkrieg und seinen Fol- gen so sehr zu leiden wie die Donauschwaben.” Es ist die Aufgabe der Lebenden, das Gedenken und die Erinnerung wach zu halten. Gedenken heißt immer auch Solidarität mit den Opfern.
Der vorliegende Band ist ein Verzeichnis derjenigen Deutschen aus Jugoslawien, Rumänien und Ungarn, die für ihren Glauben an Christus ihr Leben hingegeben oder gelitten haben. Darüber hinaus werden die politischen Verhältnisse in den drei Heimat- staaten der Donauschwaben analysiert und die unterschiedlichen Repressionen gegen sie dargestellt. Schließlich wird der Pro- zess der Wahrheitsfindung und Annäherung aufgerollt, besonders mit dem ehemaligen Jugoslawien, wo die Volksdeutschen einem grausamen Genozid anheim fielen.
Dieses Buch möchte ein Gedächtnismal sein für alle Donau- schwaben, die im 20. Jahrhundert verfolgt wurden, sei es durch Nationalsozialisten oder Kommunisten. Ohne andere Opfer ausgrenzen oder relativieren zu wollen, soll es auf dem Boden der historischen Wahrheit zur Aussöhnung mit den einstigen Nach- barvölkern beitragen.
Bestellungen: Tel. 07579 / 921 339, E-Mail: stefan. teppert @ gmx. de Versandkosten: 7.- € innerhalb Deutschlands, 11.- € in die EU, 18.- € nach Übersee
Hans Dama

Spuren von Banater Schwaben in Wien

Vor 135 Jahren: Tischgesellschaft der Banater Schwaben
Nach der Revolution 1848 / 49 entstand die „ Woiwodschaft Serbien und das Temeser Banat” mit deutscher Amtssprache. Die neue „ Woi wodschaft”, deren Hauptstadt Temeswar wurde, umfasste ne- ben dem Banat auch die Batschka und die Rumaer und Illoker Bezirke des Komitates Syrmien und war unmittelbar der Reichs- regierung in Wien unterstellt. Die Bevölkerung der gesamten Woi- wodschaft betrug im Jahre 1851 knapp 1,4 Millionen Menschen, davon rund 400 000 Serben, 300 000 Deutsche, 300 000 Rumänen,
26