war zwar früher erschienen, entwickelte sich jedoch erst bis 1943 zum Millionenseller.
Erst 1946 erfuhr Norbert Schultze, wie beliebt sein Lied bei den Feinden war. Als er die Komposition im amerikanischen Militär- klub in Berlin spielte, wurde er wie ein Held gefeiert. Schultze er- hielt erst ab 1962 etwa 150 000 Mark jährlich, da seine Tantiemen bis 1962 als „ Feindvermögen” beschlagnahmt blieben. Die anhaltende Popularität kann man an den anfallenden GEMA-Ge- bühren sehen: So erhielt die Witwe des Texters Hans Leip in den 80er Jahren rund 60 000 Schweizer Franken Tantiemen pro Jahr aus dieser Quelle.
Heute erklingt das Lied, gesendet durch den Soldatensender Radio Andernach, täglich gegen 22:56 Uhr. Noch heute wird das Lied jedes Jahr am Ende der Bergkirchweih in Erlangen gespielt. Traditionell wird das letzte Fass Bier vor tausenden Anwesenden zu den Klängen von Lili Marleen begraben.
Im Seebad Wremen( Niedersachsen) ist eine Straße nach dem Lied benannt( Lili Marleen Straße). Die Melodie des Liedes wurde mit neuem Text zur National- hymne der Karen National Union der Karen, einer ethnischen Minderheit und Separationsbewegung in Myanmar( Birma).
( Aus Wikipedia – gekürzt)
❖ Die Ausweisung der Deutschen aus Palotabozsok / Boschok nach Deutschland im Jahre 1947
Aussiedlung war die Bezeichnung für die Ausweisung bzw. Ver- treibung der Ungarndeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland, ein Lehnwort zu ung. kitelepitös. In anderen Dörfern sagte man Auslieferung. Die Ungarndeutschen verwendeten meistens die ungarische Bezeichnung kitelepítés. Sie war der dritte Ab- schnitt des Leidenswegs der Ungarndeutschen nach der Depor- tation der jungen Frauen und Männer im noch nicht wehrpflichtigen Alter nach Russland, nach der Enteignung des Vermögens und der politischen Entrechtung. Die Ausgewiesenen verloren die ungarische Staatsangehörigkeit.
Die Vertreibung der Deutschen begann im Januar 1946 in anderen von Deutschen bewohnten Regionen Ungarns, zuerst in der Ge meinde Budaörs, am Rande von Budapest, gefolgt von weiteren deutschsprachigen Orten der Umgebung. Die Vertreibung wurde dann für einige Zeit eingestellt, weil die westlichen Siegermächte in ihren Besatzungszonen die Annahme verweigerten. 1947 wurde sie fortgesetzt, nachdem die Russen für ihr Gebiet, die „ Russische Zone”, die Ausgewiesenen annahmen.
In den für die Ausweisung vorgesehenen Dörfern gab es schon mehrere Wochen vorher sogenannte kitelepítési listák, „ Listen für die Aussiedlung”, die Namen waren jedoch geheim. In Boschok sind die Leute, die auf der Liste standen, über die Hälfte der deutschen Bewohner, ohne Vorankündigung an einem Sonntag, am 7. September 1947, in der Frühe aus dem Schlaf geholt worden, sie müssen sofort packen, 25 kg pro Kopf, sie werden in zwei Stunden abgeholt und, nach Véménd gebracht und einwaggoniert. Die ersten hatten jedoch nur wenige Minuten Zeit zum Packen. Ins- gesamt waren es 85 Familien, 333 Personen. Für den Transport, für die „ Einsammlung”, standen mehrere Lastwagen zur Verfügung. Am Bahnhof des Nachbarorts Vömönd standen die Waggons, Viehwaggons, schon bereit. In einen Waggon sind 15 Familien, im Durchschnitt 40 Menschen gepfercht worden. Die für die Ausweisung vorgesehenen Deutschen in Véménd wurden zur gleichen Zeit zum Bahnhof gebracht.
Die Bahnstation war bis auf ein Gleis abgesperrt, drumherum Tag und Nacht bewacht von unfreundlichen Hilfspolizisten in merkwürdiger Uniform, mit Gewehren in den Händen – die Leute nannten sie Partisanen. Einigen nahmen sie den Schmuck ab, Ohrringe, Taschenuhren, auch Geld, sogar Mehl und andere weniger wertvolle Sachen.
Die ganze Zeit gab es über 30 Grad Hitze, wer konnte, hat auf dem Waggondach geschlafen, weil die Hitze im Waggon auch noch in der Nacht unerträglich war. Es hat keine Verpflegung, kein Essen gegeben, die Leute haben das mitgenommene Essen aufgezehrt. Manchen wurde von zurückgebliebenen Verwandten Essen gebracht, das man nicht einmal aufwärmen konnte. Das Wasser wurde auf einem Bauernwagen in einem Fass bereitgestellt und war rar. Es gab nur 2 Liter pro Person und Tag, das reichte nicht einmal zum Trinken.
Für die Notdurft hat es nur eine Latrine gegeben, ein Loch, da- rüber ein Brett, umgeben von Maisstengelbüscheln als Sichtschutz. Die Kinder und die Alten konnten sie nur in Begleitung benutzen. Nach wenigen Tagen war sie voll. Danach mussten die Leute unter dieW Roten Kreuz oder von anderen Hilfsorganisationen gab es in der ganzen Zeit, in Véménd und beim Abtransport, keine Spur. Dass keine Epidemie ausbrach, grenzt an ein Wunder.
Ein erschütterndes Schicksal traf die Familie Czirjak. In ihrem Waggon waren 38 Personen samt Hab und Gut untergebracht. Ihre jüngere Tochter war erst acht Monate alt. Sie konnte nicht ihrem Säuglingsalter entsprechend ernährt und gewaschen werden. An warmes Essen oder ein Bad war gar nicht zu denken. Das Kind weinte unaufhörlich. Ein Polizist erbarmte sich und holte einen Eimer Wasser „ extra” von einem Brunnen— der einzige Licht blick dieser Tage. Der Großvater, Martin Steiner, stürzte vom Waggon heraus auf die Schiene und wurde am Kopf schwer verletzt und bewusstlos. Er musste heimgebracht werden, die Familie durfte mit. Das Haus war jedoch verschlossen und plombiert. Den Todkranken legte man auf den Gang des Hauses, wo er am 12. Sep tember in der Frühe um vier Uhr verstarb.
Auf inständiges Bitten bei der Gemeindeverwaltung wurde ihnen nur ein Zimmer, das einen separaten Zugang hatte, geöffnet, da ist er aufgebahrt worden. Nach seiner Beerdigung wollte man die Familie wieder in den Waggon bringen. Mit Bargeld, goldenen Ohrringen und sonstigem Schmuck wurde der zuständige Arzt bestochen, der unter irgendeinem Vorwand erreichte, dass die Familie zurückbleiben konnte. Sie bekam ein abrissfälliges Haus zugewiesen und stand vor dem Nichts, denn die Haustiere, die Schweine, das Geflügel waren von den ungarischen Nachbarn ge- stohlen worden. Ihr eigenes Haus samt der vollständigen Einrich- tung, Möbeln, Bildern, Kücheneinrichtung bekam ein Ungar, der aus der Slowakei ausgewiesen wurde. Dieser konnte sein ganzes Mobiliar, sämtliche landwirtschaftlichen Geräte, Brennholz, sogar sein Heu und Stroh von dort mitnehmen. Er wäre auf die im Haus verbliebene Einrichtung gar nicht angewiesen gewesen. Heraus- gegeben hat er jedoch nichts. Vereinzelt gab es aus der Slowakei ausgewiesene wohlhabende Ungarn, die sogar mit einem Sonder- zug gekommen sind. Es ging hier wesentlich humaner zu.
In niederträchtiger Weise haben nicht wenige die Schicksale der deutschen und der ungarischen Vertriebenen gleichgesetzt, und tun es heute noch. Die Ungarn setzten sich in das fertige Nest, die Deutschen, die in das vollkommen zerstörte Nachkriegs deutsch- land. Nach knapp zwei Wochen Aufenthalt am Bahnhof sind die Leute in der Nacht abtransportiert worden. Der Zug fuhr durch den Bahnhof Boschok mit beängstigender Geschwindigkeit, schneller als ein Expresszug. Die Schreie des Abschieds der Menschen hörte man durch die verriegelten Viehwaggons bis
( Fortsetzung auf Seite 16)
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