Weltgeschichte und Alltag im Banat. Fälle aus einem Anwaltsarchiv von der Monarchie bis zum Kommunismus.
Als Ann im Jahr 1975 wieder nach Indonesien zurückkehrte, nahm sie nur Maya mit. Barack blieb lieber in Hawaii und besuchte die High-School. Er wollte bei den Großeltern bleiben, zu denen er ein sehr enges Verhältnis hatte. Im Jahr 1992 erwarb Obamas Mutter einen Ph. D( Doktor) in Anthropologie an der Universität von Hawaii unter der Leitung von Prof. Alice Dewey. Im Jahr 1994 erkrankte Obamas Mutter an Gebärmutterkrebs und starb am 7. November 1995 im Alter von 52 Jahren.
Obamas Großmutter Madelyn Dunham erlebte noch seine Wahl zum Präsidenten der USA. Sie starb einige Wochen später am 23. Dezember 2008. Auch nach seinem Einzug ins Weiße Haus in Washington arbeitete Präsident Obama gerne mit Menschen mit deutschen Wurzeln zusammen. Anita Decker-Breckenridge, seine persönliche Sekretärin in der Zeit von Mai 2011 bis Mai 2014, stammt aus einer deutschen Familie. Sie ist die Tochter von Louis und Barbara Decker aus Kenilworth in Illinois. Kenilworth ist eine 2513 Seelen-Gemeinde im Cook County, 24 km nördlich von Chicago und grenzt an den Michigan See. Kenilworth ist die reichste und die exklusivste Gemeinde im Mittleren Westen. Im Januar 2011 ordnete die Zeitschrift Forbes Kenilworth als zweitwohlhabendste Gemeinde in den Vereinigten Staaten ein. Das ge- schätzte mittlere Haushaltseinkommen beträgt $ 247 000. In Ke- nil worth wird ein durchschnittliches Haus für rund eine Million Dollar verkauft. Hier wuchs Anita Decker auf und besuchte die Grundschule sowie die New Trier High School, die sie 1996 ab- schloss. Diese Schule wurde 1901 gegründet. Das Trier-Logo zeigt die Porta Nigra, ein Symbol von Trier in Rheinland-Pfalz in Deutschland. Anschließend besuchte Anita Decker die Universität von Arizona und legte im Jahr 2000 ihr Examen ab. Nach ihrer Zeit als persönliche Sekretärin von Präsident Obama wurde sie im Mai 2014 zur stellvertretenden Stabschefin im Weißen Haus be- fördert.
Auch Obamas Halbschwester, Auma aus Kenia, lebte von 1980 bis 1996 in Deutschland. Ihr Studium der Germanistik und Sozio- logie führte sie nach Saarbrücken und Heidelberg. In Berlin war sie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie eingeschrieben. Im Jahr 1996 hat sie an der Universität Bayreuth promoviert. In ihrer Doktorarbeit verglich sie die Konzeption von Arbeit und der Haltung zur Arbeit in Deutschland und Kenia. Anschließend war sie für die Friedrich-Ebert-Stiftung in der Erwachsenenbildung tätig. Wenn man sie in Talkshows im Fernsehen hört, spricht sie ein akzentfreies Deutsch.
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Tibor Várady( 2016):
Weltgeschichte und Alltag im Banat. Fälle aus einem Anwaltsarchiv von der Monarchie bis zum Kommunismus.
Wien / Köln / Weimar: Böhlau Verlag. ISBN 978 – 3 – 205 – 20338 – 4 • 279 Seiten, € 35.00
Das Buch „ Weltgeschichte und Alltag im Banat”, verfasst vom un- garischen Juristen, Universitätsdozent und Buchautor Tibor Vá- rady, bietet aus rechtswissenschaftlicher Perspektive Einblicke in die neuzeitliche Geschichte dieser multikulturellen Region, vorwiegend aus dem heutigen serbischen Bezirk Mittelbanat der Auto nomen Provinz Vojvodina. Der Text wurde aus dem Ungari- schen von Erzsebet von Kontz übersetzt, einem Vorwort von Richard Buxbaum und einem Nachwort von Srdan Šarkić sowie Thomas Simon versehen. Anhand ungefähr 20 juristischer Fälle aus einem seit 1893 be- stehenden Anwaltsarchiv, wird das Leben der Stadt Groß-Betsch- kerek( serb. Zrenjanin, ung. Nagybecskerek, rum. Becicherecul Mare) von der Monarchie bis zum Kommunismus beschrieben. Zwar konnten nicht alle Schriftstücke der seit drei Generationen geführten Anwaltskanzlei materiell erhalten bleiben, jedoch sind viele Fälle durch mündliche Überlieferungen des Großvaters Imre Várady( 1867 – 1959) und des Vaters József Várady( 1912 – 1988) dem Autor in Erinnerung geblieben und konnten somit in der Analyse mitberücksichtigt werden. Im Mittelpunkt stehen freilich die in den juristischen Akten thematisierten Causae der Verehe- lichung und Ehescheidung, Geburt und Vermächtnis, Abschie- bung und Emigration, Gefangennahme und Entlassung der provinziellen und kleinbürgerlichen Bevölkerung dieser Gegend in zahlreichen der / dem Le-ser / in im Original zur Verfügung gestellten Briefen, Beweisunterlagen, Klagen und Entscheidungen. Trotzdem wird auch das alltägliche Leben in Kriegs- und Frie- denszeiten sowie während der Revolutionen und den entspre- chen den Konterrevolutionen zur Sprache gebracht. Auch wenn das Zusammen- bzw. Nebeneinanderleben der zahlreichen Eth- nien zum Großteil problemlos funktionierte, wurde die ethnische Zugehörigkeit in den letzten 100 Jahren bedeutungsvoll. So konnte beispielsweise bei Mischehen, welche in diesem Gebiet häufig geschlossen worden sind, während des 2. Weltkriegs die Scheidung zumindest eine / n Ehepartnerin vor Inhaftierung oder Beschlag- nah me von Wertsachen retten. Die Volkszugehörigkeit entschied auch über den Schulbesuch und bestimmte Minderheitenrechte, die nicht alle Minoritäten im gleichen Ausmaß in Groß-Betsch- kerek besaßen.
In Groß-Betschkerek sowie in anderen Städten des serbischen Mittelbanats war und ist auch heute noch, wenn auch in weniger großem Ausmaß, eine große Sprach- und Religionsvielfalt zu spüren. Es war für Einheimische selbstverständlich neben ihrer Mut- tersprache weitere Sprachen der Mitbürgerinnen zu sprechen – im Fall von Groß-Betschkerek hauptsächlich Deutsch, Ungarisch, Ser bisch oder Jiddisch. Der in den letzten 100 Jahren häufige Wech sel der Zugehörigkeit dieser Kleinstadt von der Habsburger- monarchie zu Jugoslawien( deutsche Besetzung 1941 – 1944) und letztendlich zu Serbien hatte großen Einfluss auf die Arbeit der Anwaltsfamilie, da jeweils eine andere Arbeitssprache – je nach Staatszugehörigkeit der Stadt – zum Einsatz gekommen ist. Bei- spielsweise hatte das Deutsche zu Lebzeiten des Großvaters Imre Váradys im Vergleich zu heute einen weit größeren Einfluss auf die Arbeit in der Anwaltskanzlei. Somit standen und stehen sowohl die ungarische, als auch die deutsche und serbische Sprache gleichberechtigt nebeneinander und wurden von den Anwälten selbst und ihrer Klientel gebraucht.
Das Buch „ Weltgeschichte und Alltag im Banat” ist aufgrund der interdisziplinären Ausrichtung zwischen Geschichts- und Rechts- wissenschaften eine anspruchsvolle populärwissenschaftliche Lektüre, da historisches Hintergrundwissen sowie ein gewisses Verständnis juristischer Fachbegriffe und Prozesse unumgänglich ist. Sollte es an der Kenntnis geschichtlicher Fakten fehlen, stellt das Nachwort Hilfe dar, indem die wichtigsten Ereignisse, welche die Region im Laufe der Geschichte geprägt haben, erklärt werden. Zudem erhält die / der Leser / in Eindrücke von den rechtlichen Spannungen inmitten einer multiethnischen Kleinstadtkul- tur und dem profanen Leben in den unterschiedlichsten Staats- formen des 20. Jahrhunderts. Ferner wird das Ende der Habsbur- ger monarchie, des Königreich Serbiens, der deutschen Okkupa- tion sowie des kommunistischen Jugoslawiens und die Auswir- kungen auf die Bewohnerinnen Groß-Betschkereks geschildert. Obwohl der Autor ein Jurist ist, liest sich sein Werk – entgegen einer möglich aufkommenden Annahme – nicht wie ein Gesetz-
( Fortsetzung auf Seite 12)
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