Franz Seidl ausging . Als Mitarbeiter des Verbandes der Ungarndeutschen reiste er mit ungarndeutschen Volkstanzgruppen als deren humoristischer Ansager und Sänger durch die deutschen Dörfer in Ungarn . Als „ Schwabenfranzi “ wurde er sehr bekannt und beliebt . Mit dem „ Markemer Liedschatz “ hat er seinem Dorf ein unvergängliches Denkmal gesetzt . In der Schomodei , wo die Schwabenfranzi- Karriere begonnen hatte , startete er auch seine Theaterlaufbahn : in Kaposvár . Weitere Stationen waren die Theater in Fünfkirchen , Budapest und Baden bei Wien . Unmittelbar nach der Premiere von „ Die lustigeWitwe “ in Baden bei Wien ( Seidl spielte und sang die Rolle des Grafen Danilo ), bekam er ein Engagement am traditionsreichen , von Adam Müller- Guttenbrunn gegründeten Raimund- Theater in Wien . Von nun an war die steile Karriere des Sängers nicht mehr aufzuhalten . Als Partner von Marika Rökk ( Die Csárdásfürstin , 1973 ), Paul Hörbiger ( Wiener Blut 1973 / 74 ), Fritz Muliar ( Die Fledermaus ) u . v . a . feierte er triumphale Erfolge . Drei Jahre lang hielt er dem Haus in der Wallgasse die Treue , dann holten ihn die deutschen Theatermacher in die Bundesrepublik , wo er in insgesamt 14 Theatern von Kiel bis Freiburg und von Regensburg bis Trier seine großen Operettenrollen sang . Gastpiele in Holland , Frankreich , der Schweiz und USA haben ihn einem internationalen Publikum bekannt gemacht . 1989 wurde dem Künstler der Förderpreis des donauschwäbischen Kulturpreises des Landes Baden-Württemberg verliehen .
Als Musiklehrer bleibt ihm auch heute noch genügend Zeit für rege Konzertaktivitäten .
Franz Seidl bewies , daß er ( immer noch ) zur ersten Garnitur der Tenöre gehört . Die Stimme ist des dramatischen Ausdrucks ebenso mächtig wie eines zarten Pianos .
Das Publikum genoß sichtlich Operettenarien und auch die Liedvorträge .
Im zweiten Teil des Programms trat der „ Schwabenfranzi “ vors Publikum . Im schwowische Leibche trug Franz Seidl Eigenkompositionen vor . „ Das Lied der Donauschwaben “ und „ Das Lied der Vertriebenen “ behandeln ein düsteres Kapitel aus der Geschichte der Donauschwaben . Wieviel Heimatverbundenheit und wieviel Heimweh sind notwendig , um solche Kompositionen entstehen zu lassen ?
Höhepunkt und krönender Abschluß des Operettennachmittags : „ Dunkelrote Rosen “ von Karl Millöcker . In der Rolle des singenden Rosenkavaliers hat sich Franz Seidl mittlerweile zum donauschwäbischen Publikumsliebling entwickelt .
Nichts konnte die Zuhörer mehr auf ihren Stühlen halten . Die Begeisterung riß sie hoch . Was jetzt folgte , hatte es im Haus der Donauschwaben zuvor auch noch nicht gegeben : minutenlange , stehende Ovationen , die erst verstummten , als Franz Seidl als Zugabe „ Leise flehen meine Lieder “ von Franz Schubert vortrug .
Zum Vormerken im Terminkalender : Der nächste Seidl-Operettennachmittag findet am 9 November 1997 im Haus der Donauschwaben statt .
Henriette Mojem
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Die Entwicklung des deutschen Volkstanzes ist eng verbunden mit der Geschichte des Gesellschaftstanzes , dessen alte Formen er treu bewahrt .
Es verhält sich also ähnlich wie bei der Tracht , die aus den Moden vergangener Epochen schöpfte und in sich konservierte .
Im Volkstanz haben sich die Eigenarten des Figuren-Tanzes erhalten , den der Gesellschaftstanz um die Wende dieses Jahrhunderts aufgegeben hat .
Die Tanzformen früherer Zeiten sind oft schwer zu erschließen . Aus dem 9 . und 12 . Jahrhundert erfahren wir , aus einigen kirchlichen Verboten , daß man bei Begräbnissen Tänze aufführte .
Das Mittelalter kannte zwei in ihrer Grundhaltung verschiedene Tanzformen : Die Ring- und Kreistänze welche die Bauern im Freien tanzten und die feierlichen Schreittänze des Adels und Bürgertums , die man im geschlossenen Raum aufführte . Zum bäuerlichen Kreistanz wurde oft gesungen und damit das
Gemeinschaftserlebnis noch gesteigert . Das Tanzlied wurde vom Vortänzer angestimmt . Er trug als Zeichen seiner Würde einen Stab , um den es unter den Dorfburschen oft zu Schlägereien gekommen sei .
Der höfische Tanz dagegen war ein in strengen Formen gehaltener Schreittanz , fast unserer Polonäse ähnlich . Erst im 14 . Jahrhundert wandeln sich die Gruppentänze zu Paartänzen , die zuerst von der Kirche heftig bekämpft wurden . Diese Paartänze , die im 16 . und 17 . Jahrhundert zu hohen Kunstformen gediehen waren , erreichten im 18 . Jahrhundert im Menuett ihren künstlerischen Höhepunkt . Aber bald erfolgte die Gegenbewegung .
Gegen Ende jenes Jahrhunderts begann der Ländler sich durchzusetzen und damit jene Tanzform zu schaffen , die das ganze 19 . Jh . beherrschen sollte - den WALZER .
In früherer Zeit glaubte man , die Natur mit Tänzen beeinflussen zu können : Man tanzte um Regen zu erhalten , den Frühling zu wecken und um das Böse auszutreiben . Man lockte die Sonne , versuchte Fruchtbarkeit zu sichern usw . Dabei wurden vielfach Masken getragen . - Unwillkürlich denkt man hierbei an die Indianer , Schwarzafrikaner usw . bei denen die urtümlichen Tänze noch heute zu sehen sind ...
Faschingszeit , war die Zeit der Vertreibung von Dämonen , bösen Geistern und Hexen , die Vertreibung des Winters . Alt ist der Glaube an die Heilkraft des Tanzes . Ein noch erhaltenes Beispiel eines “ Heiltanzes ” am Fest des Schutzpatrons ist die “ Echternacher Spring-Prozession ”.
Doch wer wüßte es nicht von sich selbst , wie belebend und gesundend tanzen ist . Nicht selten sieht man bei unseren “ SCHWABEN-BÄLLEN ” 80-jährige Landsleute tanzen und auch sagen , jetzt fehlt mir nichts , ich fühle mich pumperlg ’ sund und wieder jung . Tanz ist also nachweislich als gesundend und verjüngernd anzusehen . Nur gilt es wie bei allem , das rechte Maß zu wahren . Unsere “ SCHWABEN-BÄLLE ” sind also neben ihrem kulturerhaltenden Charakter auch eine “ segensreiche Einrichtung ”...
Susanna Karly-Berger
14 á £> onntagőblatt