MUNDANO MAG Ausgabe auf Deutsch | Página 33

und dadurch zu einer Verringerung des Itamaraty – wie das brasilianische Außenministerium genannt wird – dominierten innenpolitischen Konsens über das Profil der brasilianischen Außenpolitik beigetragen. Durch die Vertiefung des demokratischen Prozesses nahmen auch andere Akteure zu regionalen und globalen Fragen Stellung und tragen dazu bei, dass in Brasilien die Außenpolitik seit Beginn dieses Jahrhunderts zu einem immer wiederkehrenden Streitobjekt in der Innenpolitik geworden ist. Anlass dafür waren außerdem die heftigen Reaktionen der Opposition und der Medien in Brasilien auf die Verstaatlichung von Petrobras-Fördereinrichtungen in Bolivien 2006, auf den Staatsstreich in Honduras 2009 und besonders auf die Unterstützung von Präsident Nikolás Maduro während der innenpolitischen Auseinandersetzungen in Venezuela 2014. Die hohe politische Sensibilität in Brasilien hinsichtlich einer außerdemokratischen Rolle der Militärs in der Lateinamerika ist nicht nur auf die Erfahrungen im eigenen Land zurückzuführen, sondern muss auch im Zusammenhang mit Brasiliens Bestrebungen zur Schaffung und Erhaltung der regionalen politischen Stabilität gesehen werden. Zugunsten dieses Ziels hat Präsident Lula da Silva das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates hinter sich gelassen. Das ist ihm umso leichter gefallen, da sein eigenes demokratisch weitgehend stabiles und ideologisch weniger festgelegtes Entwicklungsmodell weder wirtschaftlich noch sozial den Vergleich mit anderen Modellen in der Region zu scheuen braucht. Dieser interne Entwicklungserfolg Brasiliens innerhalb der letzten zwanzig Jahre trägt vermutlich mehr zu seiner regionalen Führungsrolle bei, als seine zukünftige Rolle als Erdölexporteur mit den derzeit sechst größten Erdölvorräten der Welt. Andererseits spiegeln die weiterhin