Norden wirtschaftlich stützen müssten. Da hatten wir
in Deutschland ganz andere Voraussetzungen und
dennoch ging ja viel schief und belastet die Menschen
besonders im Osten bis heute. Nordkorea bräuchte
einen langsamen Übergang. Ich bin aber skeptisch,
dass es langsam geht. Irgendwann gibt es einen
Zusammenbruch, der die ganze Region destabilisieren
wird.
K: Haben Sie Tipps für andere Reisende, die Nordkorea
besuchen wollen?
Eisert: Auf jeden Fall sollte man als Nordkorea-Tourist
niemand sein, der sagt: Was ich tue, ist richtig und was
mir andere sagen, mache ich nicht. Wenn man keine
Erfahrung mit diktatorischen Systemen hat, wenn man
nie gelernt hat, sich rund um die Uhr zu kontrollieren
und zu verhalten, wird man an seine Grenzen stoßen.
Dann fällt es schwer zu verstehen, dass das System meist
stärker ist. Das kann emotional eine große Belastung
werden.
K: Was war für Sie das prägendste Erlebnis in Nordkorea?
Eisert: Am symbolträchtigsten und beeindruckendsten
war sicher der Tanz zur Melodie des deutschen
Schlagers „Tränen lügen nicht“ an der Grenze zu
Südkorea - mitten in der entmilitarisierten Zone. Das
war ein Gänsehautmoment. Berührend war aber auch
der Abend diesem merkwürdigen mit Stacheldraht
umzäunten Wellnesshotel . Als einer unserer Reiseleiter
vor der Karaoke-Maschine das Lied „Can you feel the
love tonight“ von Elton John sang. Unvergesslich sind die
langen, leeren Autobahnen, auf beiden Seiten gesäumt
von braunen, schlammigen Feldern, in denen Menschen
bis zu den Knien im Schlamm steckten und mit Hacke
und bloßen Händen den Boden bearbeiteten. Und
holprige Landstraßen auf denen tausende Menschen in
bunten Gummistiefeln entlang trotteten.
leben. Besonders auf dem Land fiel auf, wie marode
Nordkorea infrastrukturell ist. Wenn ich Nordkorea
farblich beschreiben müsste, würde ich sagen:
schlammbraun mit wenigen bunten Tupfen.
K: Finden Sie es manchmal schwierig eine humoristische
Form zu benutzen um über Nordkorea zu berichten –
oder anders gefragt: darf man über Nordkorea lachen?
Eisert: In „Kim und Struppi“ mache ich mich nicht über
Nordkorea lustig. Das würde dem Land, dem System
und den Menschen nicht gerecht. Der Humor entsteht
vielmehr aus den Auseinandersetzungen zwischen uns
beiden Reisenden und unseren Reaktionen auf die
ungewohnten Umstände. Außerdem nenne ich Regeln,
Vorschriften und Anordnungen, die in Nordkorea gelten
oder gebe Gespräche mit unseren Reiseleitern wieder.
Inwieweit das komisch ist, überlasse ich dem Leser zu
entscheiden. „Kim und Struppi“ ist das erste NordkoreaBuch, das es in die „Spiegel“-Bestsellerliste - sogar auf
Platz 2 - geschafft hat. Ich glaube, der Grund dafür
liegt genau in meinem ungewöhnlichen Ansatz - dem
heiteren Erzählen ohne die dunklen Seiten des Landes
zu verschweigen. In die vordergründige Unterhaltung
habe ich sorgfältig recherchierte historische Fakten und
gesellschaftliche Hintergründe eingeflochten. Bisher
verband die Mehrheit das Land immer mit Folter,
Todeslagern und dem brutalen Kim-Regime. Das sorgt
zwar kurz für Aufmerksamkeit, schreckt aber die meisten
Leute davon ab, sich näher mit dem Land beschäftigen.
Dadurch dass ich vordergründig heiter erzähle, wird
diese Hemmschwelle abgebaut und Interesse geweckt.
Und für Nordkorea sollten sich doch möglichst viele
interessieren.
K: Haben Sie auf der Reise persönlich negative
Erfahrungen gemacht?
Eisert: Da ich von Anfang an mit dem Schlimmsten
gerechnet habe, konnte es fast nicht zu negativen
Erfahrungen kommen. Anstrengend war sicherlich, dass
Thanh und ich so gut wie keine Möglichkeit hatten, auch
mal für uns allein zu sein. Was besonders schwierig war,
weil wir beide Individualisten sind.
K: Was ist Ihr Gesamteindruck von Nordkorea?
Eisert: Während der Reise wirkte das Land bisweilen
sehr kulissenhaft. Wie eine riesige Theaterinszenierung.
Und doch verbargen sich hintern den Masken und
Fassaden echte Menschen, die lieben, die lachen, die
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