K-Colors of Korea July 2014 | Seite 33

Norden wirtschaftlich stützen müssten. Da hatten wir in Deutschland ganz andere Voraussetzungen und dennoch ging ja viel schief und belastet die Menschen besonders im Osten bis heute. Nordkorea bräuchte einen langsamen Übergang. Ich bin aber skeptisch, dass es langsam geht. Irgendwann gibt es einen Zusammenbruch, der die ganze Region destabilisieren wird. K: Haben Sie Tipps für andere Reisende, die Nordkorea besuchen wollen? Eisert: Auf jeden Fall sollte man als Nordkorea-Tourist niemand sein, der sagt: Was ich tue, ist richtig und was mir andere sagen, mache ich nicht. Wenn man keine Erfahrung mit diktatorischen Systemen hat, wenn man nie gelernt hat, sich rund um die Uhr zu kontrollieren und zu verhalten, wird man an seine Grenzen stoßen. Dann fällt es schwer zu verstehen, dass das System meist stärker ist. Das kann emotional eine große Belastung werden. K: Was war für Sie das prägendste Erlebnis in Nordkorea? Eisert: Am symbolträchtigsten und beeindruckendsten war sicher der Tanz zur Melodie des deutschen Schlagers „Tränen lügen nicht“ an der Grenze zu Südkorea - mitten in der entmilitarisierten Zone. Das war ein Gänsehautmoment. Berührend war aber auch der Abend diesem merkwürdigen mit Stacheldraht umzäunten Wellnesshotel . Als einer unserer Reiseleiter vor der Karaoke-Maschine das Lied „Can you feel the love tonight“ von Elton John sang. Unvergesslich sind die langen, leeren Autobahnen, auf beiden Seiten gesäumt von braunen, schlammigen Feldern, in denen Menschen bis zu den Knien im Schlamm steckten und mit Hacke und bloßen Händen den Boden bearbeiteten. Und holprige Landstraßen auf denen tausende Menschen in bunten Gummistiefeln entlang trotteten. leben. Besonders auf dem Land fiel auf, wie marode Nordkorea infrastrukturell ist. Wenn ich Nordkorea farblich beschreiben müsste, würde ich sagen: schlammbraun mit wenigen bunten Tupfen. K: Finden Sie es manchmal schwierig eine humoristische Form zu benutzen um über Nordkorea zu berichten – oder anders gefragt: darf man über Nordkorea lachen? Eisert: In „Kim und Struppi“ mache ich mich nicht über Nordkorea lustig. Das würde dem Land, dem System und den Menschen nicht gerecht. Der Humor entsteht vielmehr aus den Auseinandersetzungen zwischen uns beiden Reisenden und unseren Reaktionen auf die ungewohnten Umstände. Außerdem nenne ich Regeln, Vorschriften und Anordnungen, die in Nordkorea gelten oder gebe Gespräche mit unseren Reiseleitern wieder. Inwieweit das komisch ist, überlasse ich dem Leser zu entscheiden. „Kim und Struppi“ ist das erste NordkoreaBuch, das es in die „Spiegel“-Bestsellerliste - sogar auf Platz 2 - geschafft hat. Ich glaube, der Grund dafür liegt genau in meinem ungewöhnlichen Ansatz - dem heiteren Erzählen ohne die dunklen Seiten des Landes zu verschweigen. In die vordergründige Unterhaltung habe ich sorgfältig recherchierte historische Fakten und gesellschaftliche Hintergründe eingeflochten. Bisher verband die Mehrheit das Land immer mit Folter, Todeslagern und dem brutalen Kim-Regime. Das sorgt zwar kurz für Aufmerksamkeit, schreckt aber die meisten Leute davon ab, sich näher mit dem Land beschäftigen. Dadurch dass ich vordergründig heiter erzähle, wird diese Hemmschwelle abgebaut und Interesse geweckt. Und für Nordkorea sollten sich doch möglichst viele interessieren. K: Haben Sie auf der Reise persönlich negative Erfahrungen gemacht? Eisert: Da ich von Anfang an mit dem Schlimmsten gerechnet habe, konnte es fast nicht zu negativen Erfahrungen kommen. Anstrengend war sicherlich, dass Thanh und ich so gut wie keine Möglichkeit hatten, auch mal für uns allein zu sein. Was besonders schwierig war, weil wir beide Individualisten sind. K: Was ist Ihr Gesamteindruck von Nordkorea? Eisert: Während der Reise wirkte das Land bisweilen sehr kulissenhaft. Wie eine riesige Theaterinszenierung. Und doch verbargen sich hintern den Masken und Fassaden echte Menschen, die lieben, die lachen, die 33