K: Als Sie die Reise nach Nordkorea planten, war Ihnen da
von Anfang an klar, dass Sie ein Buch darüber schreiben
würden?
Eisert: Es ist nicht ratsam, eine Reise zu machen mit dem
festen Vorhaben, ein Buch darüber zu schreiben. Oder
gar ein Buchkonzept vorher fertig zu haben. Das führt
nur dazu, dass man versucht auf der Reise sein Konzept
zu erfüllen und nicht mehr offen ist für unvorhergesehene
Erlebnisse. Mir war sicher klar, dass man aus der Reise
etwas machen kann, aber was und wie es wird, darüber
habe ich erst hinterher nachgedacht.
K: Darf man von Ihnen weitere literarische Werke zum
Thema (Nord-)Korea erwarten?
Eisert: Ich weiß jetzt natürlich sehr viel über das Land.
Mehr als ich im Buch beschrieben habe. Und manche
Erlebnisse sind noch nicht erzählt. Was daraus wird, kann
ich noch nicht sagen. Nach so einer intensiven Zeit der
Auseinandersetzung mit einem Thema brauche ich erst
einmal etwas Abstand.
K: Wie haben Sie die Menschen in Nordkorea
wahrgenommen?
Eisert: Man muss unterscheiden zwischen Menschen,
mit denen wir offiziell zu tun hatten und denen, denen wir
zufällig begegneten. Unsere Reiseleiter (und gleichzeitig
Aufpasser) waren sehr freundlich. Manchmal lenkten
sie ab oder beantworteten unsere Fragen nicht. Wenn
wir versuchten, mit Museumsbediensteten ein längeres
Gespräch anzufangen, gingen unsere Reiseleiter gleich
dazwischen. Die Bevölkerung auf der Straße versuchte uns
meist zu ignorieren. Schließlich ist unerlaubter Kontakt
mit Ausländern immer noch gefährlich für Nordkoreaner.
Aber hin und wieder gab es winzige unkontrollierte
Momente: ein scheues, echtes Lächeln oder gemeinsames
Lachen beim Tanzen. Und einmal gab es eine ernsthafte
Auseinandersetzung, als meine Begleiterin Thanh mit
dem Sicherheitschef des Hotels aneinander geriet.
K: Wie wird sich Ihrer Meinung nach Nordkorea in
Zukunft entwickeln?
Eisert: Ich glaube, ein plötzlicher Zusammenbruch
des jetzigen Systems wäre das