K-Colors of Korea July 2014 | Page 32

K: Als Sie die Reise nach Nordkorea planten, war Ihnen da von Anfang an klar, dass Sie ein Buch darüber schreiben würden? Eisert: Es ist nicht ratsam, eine Reise zu machen mit dem festen Vorhaben, ein Buch darüber zu schreiben. Oder gar ein Buchkonzept vorher fertig zu haben. Das führt nur dazu, dass man versucht auf der Reise sein Konzept zu erfüllen und nicht mehr offen ist für unvorhergesehene Erlebnisse. Mir war sicher klar, dass man aus der Reise etwas machen kann, aber was und wie es wird, darüber habe ich erst hinterher nachgedacht. K: Darf man von Ihnen weitere literarische Werke zum Thema (Nord-)Korea erwarten? Eisert: Ich weiß jetzt natürlich sehr viel über das Land. Mehr als ich im Buch beschrieben habe. Und manche Erlebnisse sind noch nicht erzählt. Was daraus wird, kann ich noch nicht sagen. Nach so einer intensiven Zeit der Auseinandersetzung mit einem Thema brauche ich erst einmal etwas Abstand. K: Wie haben Sie die Menschen in Nordkorea wahrgenommen? Eisert: Man muss unterscheiden zwischen Menschen, mit denen wir offiziell zu tun hatten und denen, denen wir zufällig begegneten. Unsere Reiseleiter (und gleichzeitig Aufpasser) waren sehr freundlich. Manchmal lenkten sie ab oder beantworteten unsere Fragen nicht. Wenn wir versuchten, mit Museumsbediensteten ein längeres Gespräch anzufangen, gingen unsere Reiseleiter gleich dazwischen. Die Bevölkerung auf der Straße versuchte uns meist zu ignorieren. Schließlich ist unerlaubter Kontakt mit Ausländern immer noch gefährlich für Nordkoreaner. Aber hin und wieder gab es winzige unkontrollierte Momente: ein scheues, echtes Lächeln oder gemeinsames Lachen beim Tanzen. Und einmal gab es eine ernsthafte Auseinandersetzung, als meine Begleiterin Thanh mit dem Sicherheitschef des Hotels aneinander geriet. K: Wie wird sich Ihrer Meinung nach Nordkorea in Zukunft entwickeln? Eisert: Ich glaube, ein plötzlicher Zusammenbruch des jetzigen Systems wäre das