K-Colors of Korea July 2014 | Page 34

Das geraubte Leben des Waisen Jun Do Pulitzer-Preis 2013 E Text von Esther Klung, Foto vom Verlag igentlich ist Jun Do gar keine Waise, der Originaltitel impliziert dies auch nicht. Jun Dos Vater arbeitet in einem Waisenhaus, die Mutter ist fort, durch einen bürokratischen Fehler wird der Junge zum Leben eines Waisenjungen verdammt. Waisen sind in Nordkorea unbeliebt, wenig sind sie wert und so kann jeder, der ihnen zu Essen geben kann, sie ausleihen und für sich arbeiten lassen. Die meisten Waisenjungen werden früher oder später vom Militär eingezogen, so auch Jun Do, der bereits mit 14 als Tunnelsoldat ausgebildet wird. Fortan findet sein Leben in den engen, dunklen Stollen unter der DMZ (Demilitarized Zone) statt. Acht Jahre später wird Jun Do, der mittlerweile ein junger Mann geworden ist, von einem Soldaten auf ein Schiff gebracht. Die Mission der Besatzung ist es, japanische Zivilisten zu entführen. Doch hier beginnt Jun Dos Reise erst. Sein verworrener, zuweilen bizarrer Weg führt ihn in die USA. Dort spielt er eine ihm vom Staat auferlegte Rolle und wird gleichzeitig durch eine Verwechslung für jemand anderen gehalten. Kaum zurück aus Amerika, landet Jun Do in einem Arbeitslager, in dem er erneut eine andere Identität annimmt. Jun Do, der Name kann als Anlehnung an John Doe gelesen werden. So fragt man sich bi