Das geraubte Leben des Waisen Jun Do
Pulitzer-Preis 2013
E
Text von Esther Klung, Foto vom Verlag
igentlich ist Jun Do gar keine Waise, der
Originaltitel impliziert dies auch nicht. Jun
Dos Vater arbeitet in einem Waisenhaus, die
Mutter ist fort, durch einen bürokratischen Fehler wird
der Junge zum Leben eines Waisenjungen verdammt.
Waisen sind in Nordkorea unbeliebt, wenig sind sie
wert und so kann jeder, der ihnen zu Essen geben
kann, sie ausleihen und für sich arbeiten lassen. Die
meisten Waisenjungen werden früher oder später vom
Militär eingezogen, so auch Jun Do, der bereits mit 14
als Tunnelsoldat ausgebildet wird. Fortan findet sein
Leben in den engen, dunklen Stollen unter der DMZ
(Demilitarized Zone) statt. Acht Jahre später wird Jun
Do, der mittlerweile ein junger Mann geworden ist, von
einem Soldaten auf ein Schiff gebracht. Die Mission der
Besatzung ist es, japanische Zivilisten zu entführen.
Doch hier beginnt Jun Dos Reise erst. Sein
verworrener, zuweilen bizarrer Weg führt ihn in die
USA. Dort spielt er eine ihm vom Staat auferlegte Rolle
und wird gleichzeitig durch eine Verwechslung für
jemand anderen gehalten. Kaum zurück aus Amerika,
landet Jun Do in einem Arbeitslager, in dem er erneut
eine andere Identität annimmt. Jun Do, der Name kann
als Anlehnung an John Doe gelesen werden. So fragt
man sich bi