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200 Jahre Fahrrad
dalen wurden direkt an der Achse des Vorderrades angebracht. Ganz schön anstrengend und wackelig, mit einem solchen Velociped zu fahren! Also wurde der Sattel weiter nach vorn verlagert, sodass der Radler senkrecht nach unten in die Pedalen treten konnte. Das Hochrad entstand. In schwindelerregender Höhe kamen die Radfahrer jetzt zwar flott voran, riskierten dabei aber Kopf und Kragen.
Karl Friedrich Drais
ersten Autos von Carl Benz aus Fahrradteilen bestanden. Nicht zuletzt profitierten die Autofahrer davon, dass sich die Radfahrer schon früh für bessere Straßen eingesetzt hatten.
Sie radeln wie ein Mann, Madame!
Von Anfang an übte das Fahrrad eine starke Faszination aus ­ ob als Spielzeug für feine Herren oder als Experimentiergegenstand für technikbegeisterte Tüftler. Aber wie wirkte das Fahrrad auf Frauen? Viele Vertreterinnen des Adels und des gut gestellten Bürgertums erkannten im Zweirad schnell die lang ersehnte Abwechslung in ihrem oft langweiligen Alltag.
Im langen Kleid – die Knöchel in der Öffentlichkeit zu zeigen, galt als unschicklich – wagten sich einige von ihnen sogar aufs Hochrad. Andere verkleideten sich als Knaben oder drehten ihre Runden heimlich außerhalb der Stadtmauern.
Damit war Schluss, als in den 1880er Jahren das Niederrad mit Kettenantrieb und Pedalen zwischen den beiden Rädern seinen Siegeszug antrat. Dass eins der ersten Modelle „ Safety“ hieß, wundert kaum. Schon bald setzte die industrielle Massenproduktion ein.
Die Entwicklung des Fahrrads verhalf Techniken zum Durchbruch, die die Basis für den späteren Autobau legten, zum Beispiel Kugellager, Speichenräder, Luftreifen, Leichtbau­Materialien und Vorkehrungen für die Massenproduktion. Kein Wunder, dass große Automobilkonzerne wie Opel, Peugeot oder Ford zunächst Fahrräder gebaut hatten und die
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