Edelstahl Aktuell November 2025 | Page 28

LANDWIRTSCHAFT Warum die Landwirtschaft jetzt Edelstahl braucht

Die Landwirtschaft steht vor einer technischen Erneuerung, die leise beginnt, aber schnell an Fahrt gewinnt – angetrieben von den Faktoren Effizienz, Regulierung, Hygiene und Klimapolitik. Die EU hat 2022 den Rahmen gesetzt: Bis 2030 sollen 35 Milliarden Kubikmeter Biomethan pro Jahr erzeugt und ins System gebracht werden. Das ist eine Zahl, die Investitionen in Fermenter, Leitungen, Speicher und Peripheriegeräte auslöst. Sie führt auf die Höfe und in ihre Technikräume, in denen korrosionsbeständige Werkstoffe den Unterschied machen. Edelstahl ist dort kein Nice-to-have, er ist Planungsgrundlage.
Ein Beitrag von Anett Leonhard, Edelstahl Aktuell
Biogas auf dem Hof: Gärreste, H 2
S und Chloride – hier zählt korrosionsbeständige Technik aus Edelstahl.
Foto: Pixabay
Der Ist-Zustand zeigt die Richtung. Europa produzierte 2023 rund 22 Milliarden Kubikmeter Biogas, davon 4,9 Milliarden Kubikmeter Biomethan. Im ersten Quartal 2024 stieg die Kapazität auf etwa 6,4 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Das reicht noch nicht an das Ziel heran. Es zeigt jedoch, wie schnell der Markt anzieht und wie viele Anlagenkomponenten in korrosiven Medien zuverlässig funktionieren müssen. Edelstahl
kommt somit in Gärbehältern, in gasführenden Abschnitten sowie in der Rühr- und Entschwefelungsperipherie zum Einsatz. Auch die politische und wirtschaftliche Debatte spielt eine Rolle. Deutschland und andere EU-Länder verzeichnen steigende Investitionen in Biomethan. Energieunternehmen planen neue Werke und sichern sich Einsatzstoffe. Für Landwirte entsteht eine Schnittstelle zwischen
Energie- und Nährstoffkreislauf. In diesem Gefüge sind Lebensdauer, Hygiene, Reinigbarkeit und Restwert entscheidend. Edelstahl erfüllt diese Anforderungen und ist recycelbar. Das macht ihn zur robusten Wahl in einer Branche, die mit Ammoniak, Schwefelwasserstoff, Chloriden und organischen Säuren arbeitet. Ein Perspektivenwechsel offenbart, wie Regulierung das Bild weiter modifiziert.
So haben niederländische Vorstöße zur stärkeren Binnenbindung von grünem Gas eine EU-Prüfung ausgelöst. Das Thema Herkunftsnachweise für Biogas wird europaweit verschärft. Für Betreiber bedeutet dies Planungssicherheit in Bezug auf Zeitachsen und Qualitätsanforderungen an Anlagenkomponenten. Edelstahl bleibt dabei ein verlässlicher Faktor, da er sich in korrosiven Medien gut planen lässt.
26 EDELSTAHL AKTUELL | AUSGABE 8 | NOVEMBER 2025