Edelstahl Aktuell November 2025 | Page 29

LANDWIRTSCHAFT

GÜLLE, GÄRREST, BIOGAS – WO EDELSTAHL DIE LEBENSDAUER PRÄGT Wer mit Gülle und Gärresten arbeitet, ist mit der Mischung aus Ammoniak, Sulfiden, organischen Säuren und Chloriden vertraut. Diese Medien greifen ungeschützte Stähle an. In Fermentern, Vorgruben, Rohrleitungen sowie an Rührwerken hat sich austenitischer Edelstahl bewährt. Die Legierung 1.4301 / 304 ist weit verbreitet. 1.4404 / 316L bietet eine höhere Sicherheit in chlorid- und H 2 S-belasteten Bereichen. Duplex-Güten wie 1.4462 / 2205 sind dort von Vorteil, wo Wanddicken reduziert und Lasten erhöht sind, da sie Festigkeit und Lochfraßbeständigkeit bieten. Die Werkstoffwahl ist jedoch nicht der einzige entscheidende Faktor. Auch konstruktive Details wie scharfe Spalten, Toträume oder unzureichend nachbehandelte Schweißnähte können Auslöser für vorzeitige Schäden sein.
Großbehälter mit segmentierten Mantelschalen: saubere Schweißnähte, spaltarme Details und robuste Oberflächen sichern Standzeit und Reinigbarkeit. Foto: Pexels / Todd Trapani
Die Praxis zeigt, wie sich das auswirkt. Hersteller von verschraubten Edelstahlbehältern liefern Tanks für Güllelager, Fermenter und Gärrestbehälter, die sich durch schnelle Montage, modulare Erweiterbarkeit und eine lange Nutzungsdauer auszeichnen. Die Referenzen reichen von der Landwirtschaft bis zur kommunalen Abwassertechnik. Diese Behälter widerstehen H 2 S und ammoniakhaltigen Atmosphären, lassen sich reinigen und sind nach Jahren rückbaubar. Das ist relevant, wenn Flächen, Genehmigungen oder Prozessketten angepasst werden müssen. In Leitungen und Gasstrecken gilt: Biogas kondensiert bei Kontakt mit Feuchtigkeit und Sauerstoff zu schwacher Schwefelsäure. Das setzt unpassende Werkstoffe schnell außer Gefecht. Edelstahl wird deshalb für überirdische Piping-Abschnitte häufig gefordert. Er hält die Chemie aus, lässt sich passivieren und bleibt in Cleaning-in-Place-( CIP)- Prozessen, also der Reinigung im geschlossenen System ohne Demontage, gut beherrschbar. Bei der Planung sollten Spaltbereiche minimiert, geeignete Dichtwerkstoffe gewählt und auf sauber bearbeitete Oberflächen geachtet werden. Das senkt Stillstände und Wartungskosten. Diese Punkte werden durch Branchenrichtlinien und
Anwendungshinweise unterstrichen. Sie zeigen, warum geschlossene Edelstahlfermenter bei korrosiven Medien Vorteile gegenüber beschichteten Betonlösungen bieten. Zudem wird dokumentiert, wie schnell sich Edelstahlbehälter errichten lassen und wie die Gesamtbetriebskosten unter realen Medienbedingungen sinken. Insgesamt ergibt sich ein Bild, das sich an den Kriterien Robustheit, Reinigbarkeit und Restwert orientiert.