PRAXIS
NACH DER KRISE IST VOR DER KRISE
Auf die Coronakrise war die Henrich Baustoffzentrum GmbH & Co . KG gut vorbereitet – eine Folge der Finanzkrise 2008 / 2009 . Die aktuelle Baustoffkrise stellt das Unternehmen vor neue Herausforderungen . Im Gespräch mit dem Magazin Der CreditManager erklärt Thomas Schulte , Leiter Kreditmanagement , wie das Unternehmen seine Kunden unterstützt . Und wie eine enge Zusammenarbeit zwischen Credit Management und Vertrieb zum Erfolg beiträgt .
DCM : Wie hat sich die Coronakrise auf Ihr Credit Management ausgewirkt ? TS : Für den Baustoffhandel stellt die Coronakrise keine akute Bedrohungslage dar . Im Gegenteil : 2020 war unser bestes Jahr . Außerdem haben wir aus der Finanzkrise 2008 / 2009 gelernt und ein eigenständiges Credit Management aufgebaut . So haben wir die Credit Managementsoftware CAM von SCHUMANN implementiert . Als erster Schritt wurde der Kundenanlageprozess im CAM-System integriert . Das System erlaubte uns , Informationen von Auskunfteien , Banken , Zahlungserfahrungspools und den Warenkreditversicherern in einer elektronischen Kreditakte zu hinterlegen – dieser erste Schritt hin zur Digitalisierung erfolgte noch im Jahr 2008 . Mittlerweile werden uns Auffälligkeiten bei unseren Kunden systemseitig mitgeteilt .
Außerdem wurde vor sechs Jahren die Fachgruppe BauTreff gegründet . Diese Fachgruppe hat innerhalb kürzester Zeit einen Corona-Report entworfen , der das Zahlverhalten der Kunden der letzten beiden Monate ins Verhältnis zur Zahlweise der letzten 24 Monate setzt und nach Auffälligkeiten filtert .
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DCM : Was steckt hinter dieser Fachgruppe ? TS : Wir haben uns mit zwölf Baustoffhändlern aus ganz Deutschland zusammengetan , um das Credit Management für die Baustoffbranche weiterzuentwickeln . Das bezieht sich unter anderem auf die Software CAM von SCHUMANN sowie Themen rund um das Forderungsmanagement speziell für die Branche . Eine weitere Fachgruppe mit dem Titel „ Kredit “ wurde in unserer Kooperation EURO- BAUSTOFF gegründet . Im Herbst ist eine größere Veranstaltung dazu vorgesehen .
DCM : Welche Herausforderungen sehen Sie für dieses Jahr ? TS : In diesem Jahr ergibt sich eine völlig neue Situation : Trotz voller Auftragsbücher geht den Baufirmen das Material aus , weshalb sie u . U . Kurzarbeit anmelden müssen . Es fehlt an Stahl und Holz , an Dämm- und Kunststoffen , was in Deutschland zu empfindlichen Preiserhöhungen von 30 % und mehr führt . Sowohl bei der Kalkulation ihrer Preise als auch bei der Einhaltung der Termine wachsen die Schwierigkeiten . Wenn die Handwerker ihre Verträge , aufgrund fehlender Klauseln , ohne Anpassungen an die neuen Kosten erfüllen müssen , führt dies zu einer erheblichen Reduzierung der Margen oder gar zu Verlusten bei den Bauvorhaben .
Sollte die Störung der Lieferketten langfristig anhalten , wird es bei den Unternehmern zwangsläufig zu Zahlungsschwierigkeiten kommen , was den Baustoffhandel vor neue Herausforderungen stellen wird .
DCM : Sie haben neue Produkte eingeführt , um Ihre Kunden zu unterstützen . Was war für Sie der Anlass ? TS : Grundsätzlich ist es der Anspruch unseres Credit Managements , Umsatz für den Vertrieb zu ermöglichen . Erfolge kann man nur im Team erzielen , somit ist es ein großes Anliegen von mir , die Ideen und Anregungen aus dem Credit Management und dem Vertrieb zu besprechen und gemeinsam umzusetzen .
Daher ist uns vor vier Jahren die Idee gekommen , Kundenveranstaltungen zum Thema „ Forderungsmanagement für unsere Kunden “ aufzubauen . Unsere Partner wie beispielsweise Creditreform , CrifBürgel , Rechtsanwaltskanzlei Paschen , EOS KSI Deutschland GmbH und eben die Deutsche Verrechnungsstelle , sind darin einbezogen .
Der Anlass für die Kooperation mit der Deutschen Verrechnungsstelle war ,