Reisen
erlebt man seine andere Seite. Im Club Húrra, nur
fünf Minuten vom Parlament entfernt, gibt seine
Band HAM ein Konzert. Der Laden ist dunkel, rund
300 Fans stehen dicht gedrängt. Óttarr
betritt die Bühne im Cordanzug
und gelbem Pullover, eine Kappe
verdeckt seine langen, blond
gefärbten Haar. Dann brüllt
Islands Gesundheitsminister
ins Mikrofon. Ein bisschen
wirkt die Szenerie gerade
wie in Hallgrímur Helgasons
berühmter Roman „101 Reykja-
vík“, in dem er voller Ironie die
feiersüchtigen Jungerwachsenen
porträtierte. Über zwei Stunden per-
formen die Männer, dann verschwinden
sie schweißgebadet hinter der Bühne. „Ich glaube,
Musik kann Menschen heilen“ sagt Óttarr.
So lebendig wie das Nachtleben ist die Kunst-
szene Reykjavíks: Ihr neuer Gral ist das „Marshall
So lebendig
wie das Nachtleben
ist die Kunstszene
Reykjavíks .
Chiffre für ein
spontanes Lebens
gefühl: »101« heißt
das Zentrum mit
der Flaniermeile
Laugavegur.
Lässiger Rocker:
Ottárr Proppé ist
Sänger der Band
HAM – und Islands
Gesundheitsmi
nister.
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