DICHTUNGEN | Armaturen Welt
Zum anderen prüft das Unternehmen gemeinsam mit seinen Kunden sehr genau, ob eine Substitution unter den jeweiligen chemischen, thermischen und mechanischen Bedingungen tatsächlich möglich ist. „ Ein Werkstoffwechsel darf nicht nur auf dem Datenblatt funktionieren, sondern muss in der konkreten Anwendung validiert werden“, sagt Buckenmaier. „ Aber letztlich, auch wenn wir nicht von einem grundlegenden Wegfall fluorierter Dichtungswerkstoffe ausgehen, bereiten wir uns selbstverständlich auf unterschiedliche regulatorische Szenarien vor“, betont der Experte. Das Unternehmen verfolgt die Entwicklung sehr genau, arbeitet mit Verbänden und Partnern zusammen und bewertet mögliche Auswirkungen auf sein Produktportfolio und seine Lieferketten.
VOM PASSIVEN ZUM INTELLIGENTEN ELASTOMER Die Digitalisierung gehört heute ganz selbstverständlich zum Alltag der Dichtungsbranche. „ Sie verändert sowohl die Entwicklung als auch die Prüfung von Dichtungslösungen. FEA-Simulationen, Verschleiß- und Leckagesimulationen ermöglichen es bereits in der Entwicklungsphase, Geometrien und Werkstoffe gezielter auszulegen“, erläutert Georg Buckenmaier. Automatisierte Prüfstände und digital erfasste Messdaten erhöhen gleichzeitig Reproduzierbarkeit und Rückverfolgbarkeit. Der nächste Schritt ist, diese Daten stärker miteinander zu verbinden. „ KI kann zukünftig insbesondere bei Werkstoffauswahl, Lebensdauerprognosen und der Erkennung von Zusammenhängen zwischen Belastung, Verschleiß und Ausfall helfen.“ Die physische Prüfung werde dadurch nicht ersetzt – sie könne aber wesentlich zielgerichteter werden. „ Besonders spannend ist für uns außerdem die Entwicklung vom passiven zum intelligenten Elastomer.“ Angst + Pfister entwickelt bereits Elastomerbauteile mit integrierter Sensorik, die beispielsweise Kräfte, Temperatur und Vibration erfassen.
Damit werden Condition Monitoring und Predictive Maintenance direkt im Bauteil möglich.
LÄNGERE LEBENSDAUER UND HÖHERE LEISTUNGSFÄHIGKEIT Die Dichtungsbranche ist auch aus diesen Gründen in Bewegung: „ Zum einen steigen die Anforderungen an Dichtungen durch neue Medien und Technologien“, erläutert Georg Buckenmaier. Auch würden regulatorische Anforderungen komplexer und zunehmend global. Dabei erwarten Kunden gleichzeitig längere Lebensdauer und höhere Leistungsfähigkeit. „ Diese Entwicklungen zeigen, dass künftig nicht mehr nur einzelne Dichtungsprodukte, sondern ganzheitliche, anwendungsspezifische Lösungen gefragt sind.“ Materialentwicklung, Geometrie, Simulation und Validierung müssen daher gemeinsam betrachtet werden.
Michael Vehreschild
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