Armaturen Welt November 2026 | Page 34

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Spaniens neue Stärke

Während die europäische Industrie weiterhin die Folgen der Energiekrise und anhaltender geopolitischer Spannungen spürt, nimmt Spanien eine Sonderrolle ein. Die Industrieproduktion des Landes hat inzwischen das Niveau vor dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs übertroffen. Treiber dieser Entwicklung sind eine ausgewogene Industriestruktur, wettbewerbsfähige Arbeitskosten und der starke Ausbau erneuerbarer Energien. Die Entwicklung ist vielversprechend, steht jedoch weiterhin vor strukturellen Herausforderungen. Das geht aus einer Studie des Kreditversicherers Coface hervor. Seit 2022 zählt Spanien zu den dynamischsten Volkswirtschaften Europas. Das jährliche Wirtschaftswachstum liegt deutlich über dem Durchschnitt der EU. Eine ähnliche
Entwicklung zeigt sich in der Industrie: Die spanische Produktion hat das Niveau vor dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs bereits übertroffen. Ein Grund dafür ist die Industriestruktur des Landes. Während etwa Deutschland und Italien stark von Branchen abhängen, die besonders unter der Energiekrise gelitten haben – etwa der Automobil-, Maschinenbauund Metallindustrie –, profitiert Spanien von einer breiteren Diversifizierung. Hinzu kommen starke Wachstumsimpulse in Branchen mit hoher Wertschöpfung wie der Pharmaindustrie, der Elektroindustrie sowie in energieintensiven Industriezweigen wie Papier, Kunststoff und Chemie. Ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil sind weiterhin die vergleichsweise niedrigen Arbeitskosten. 2025 lagen die Arbeitskosten pro Stunde im verarbeitenden Gewerbe deutlich unter denen anderer großer europäischer Volkswirtschaften – 40 Prozent niedriger als in Frankreich und 43 Prozent niedriger als in Deutschland. Allerdings gerät dieser Vorteil zunehmend unter Druck. Zwischen 2022 und 2025 stiegen die Arbeitskosten pro Stunde im Verarbeitenden Gewerbe um 15 Prozent, während die reale Produktivität um weniger als 3 Prozent zulegte. Innerhalb weniger Jahre hat der Ausbau von Solar- und Windenergie die spanische Energielandschaft grundlegend verändert. Dadurch ist das Land heute deutlich weniger abhängig von Erdgas als viele seiner europäischen Nachbarn. Erdgas beeinflusst die Strompreise in Spanien nur noch in 15 Prozent der Zeit – in Italien lag dieser Anteil Anfang 2026 bei 89 Prozent.