Armaturen Welt | LEBENSMITTELINDUSTRIE
Interview mit Manon Struck-Pacyna vom Lebensmittelverband Deutschland e. V.
Flexibel unterschiedliche Produkte und Produktmengen meistern
Aktuell muss die Lebensmittelindustrie zahlreiche Herausforderungen gleichzeitig meistern. So soll sie nachhaltig produzieren, Energie und Ressourcen sparen, digitaler werden und mit dem Fachkräftemangel umgehen. Gleichzeitig verändern sich Ernährungsgewohnheiten und Verbraucherwünsche. Aber zum Glück gehört die Flexibilität zur DNA der Branche. Umso wichtiger sind aber „ gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit wichtig“, betont Manon Struck-Pacyna, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit beim Lebensmittelverband Deutschland e. V. im Gespräch mit der „ Armaturen Welt“. Im Transformationsprozess weiß die Lebensmittelindustrie auch die Armaturenbranche an ihrer Seite.
Wie ist aktuell aus Ihrer Sicht der Markt der Lebensmittelindustrie aufgestellt? Welche positiven und negativen Veränderungen gibt es? Manon Struck-Pacyna: Die Unternehmen kämpfen weiterhin mit hohen Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal. Hinzu kommen Bürokratie, zunehmende Regulierung und vor allem fehlende Planungssicherheit. Das ist gerade für unsere Branche ein Problem, denn Investitionen in neue Produktionsanlagen, Produkte oder Rezepturen werden nicht von heute auf morgen entschieden. Die aktuelle Diskussion um die Zuckersteuer ist dafür ein gutes Beispiel. Innerhalb weniger Monate haben sich Zeitplan und mögliche Ausgestaltung mehrfach verändert. Zuletzt wurde sogar darüber diskutiert, zuckerfreie Getränke mit Süßstoffen einzubeziehen – was der Bundesfinanzminister inzwischen wieder ausgeschlossen hat. Für Unternehmen ist ein solcher politischer
Manon Struck-Pacyna. Foto: Lebensmittelverband Deutschland e. V.
Zickzackkurs schwierig. Sie brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, wenn sie investieren und Innovationen vorantreiben sollen. Gleichzeitig passiert sehr viel Positives: Die Branche entwickelt neue Produkte, reagiert auf veränderte Ernährungsgewohnheiten und investiert in effizientere und nachhaltigere Produktionsverfahren. Lebensmittelhersteller sind es gewohnt, sich schnell auf neue Anforderungen einzustellen. Diese Innovationsfähigkeit ist eine große Stärke der Branche.
Die regulatorischen Anforderungen werden zunehmend komplexer. Welche Konsequenzen hat dies für die Lebensmittelindustrie und deren Zulieferer? Manon Struck-Pacyna: Lebensmittel gehören zu den am stärksten regulierten Produkten überhaupt – und das ist grundsätzlich auch richtig. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen sich darauf verlassen können, dass Lebensmittel sicher sind und korrekt gekennzeichnet werden. Wir beobachten aber, dass immer mehr Anforderungen hinzukommen und sich europäische und nationale Vorgaben teilweise überlagern. Das kostet Zeit und Geld und bindet Fachkräfte. Gerade kleinere und mittelständische Unternehmen können nicht für jede neue Vorgabe eine eigene Abteilung aufbauen. Und natürlich betrifft das nicht nur den Lebensmittelhersteller selbst. Viele Anforderungen ziehen sich durch die gesamte Lieferkette. Hersteller benötigen von ihren Zulieferern beispielsweise Informationen über verwendete Materialien, Energie- und Ressourcenverbrauch oder andere Eigenschaften eines Produkts. Deshalb wird es immer wichtiger, dass solche Informationen möglichst unkompliziert und digital zur Verfügung stehen. Auch damit können Zulieferer ihren Kunden das Leben erheblich erleichtern.
Die Lebensmittelindustrie muss einen ökologischen Wandel durchlaufen. Inwieweit können dies Zulieferer – beispielsweise aus der Armaturenbranche – unterstützen? Manon Struck-Pacyna: Lebensmittelhersteller beschäftigen sich intensiv mit
20