Armaturen Welt April 2026 | Page 25

Automation | Armaturen Welt
und die Integration dieser verschiedenen Systeme erfordert deshalb offene Kommunikationsstandards, damit bestehende Leitsystem sauber zusammenarbeiten.“ Hinzu komme die Transformation der Armaturen selbst, von reinen Aktoren zu intelligenten Assets. Moderne Armaturen müssten nicht nur schalten, sondern auch Zustandsdaten liefern wie Vibration, Temperatur oder Schaltzyklen. Vincenzo Monaco: „ Das erfordert zusätzliche Sensorik und lokale Intelligenz.“
Potenziale für die autonome Optimierung Die Digitalisierung eröffnet der Automatisierung zusätzliche Möglichkeiten: „ Durch kontinuierliche Zustandsüberwachung wird Predictive Maintenance möglich, beispielsweise zeigt ein Ventil durch veränderte Schaltzeiten frühzeitig Verschleiß an, lange bevor es ausfällt.“ Zusätzlich werde Performance-Optimierung möglich, indem Durchflussprofile in Echtzeit analysiert und optimiert werden. Digitale Zwillinge, also virtuelle Abbilder der physischen Armaturen, ermöglichen Simulationen vor physischen Änderungen. „ In regulierten Industrien bietet die Digitalisierung außerdem lückenlose Transparenz und Dokumentation.“ Rockwell Automation sieht zukünftige Potenziale der Digitalisierung für die autonome Optimierung innerhalb definierter Grenzen, bei der Systeme Parameter selbstständig anpassen und dabei Sicherheits- und Qualitätsrahmen einhalten. „ Cross-Plant-
Benchmarking wird möglich, also standortübergreifendes Lernen aus aggregierten Daten“, sagt Vincenzo Monaco. Edge-Computing bringe mehr Intelligenz direkt an die Armatur und reduziere Cloud-Abhängigkeit. Gleichzeitig werde sich die Interoperabilität weiter verbessern und nahtlose Integration über Herstellergrenzen hinweg werde immer mehr Realität.

Anlagen werden zunehmend selbstlernend

„ Das größte Potenzial liegt wohl darin, dass Anlagen zunehmend selbstlernend und selbstoptimierend werden.“
KI ist längst in der Automation angekommen „ KI ist bereits heute Realität in der Automation und nimmt bei uns einen zunehmend zentralen Stellenwert ein, nicht als Selbstzweck, sondern weil sie ganz konkret hilft, Engineeringzeit zu reduzieren und den Einarbeitungsaufwand zu senken“, erläutert Vincenzo Monaco. „ Das ist vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels für viele Betreiber ein entscheidender Hebel.“ In der Praxis sieht Rockwell Automation bei seinen KI-basierten Lösungen drei besonders wirksame Einsatzrichtungen: „ VisionAI verbessert die Qualitätskontrolle, die nicht nur zwischen „ Gut / Schlecht“ unterscheidet, sondern Defekte genauer klassifizieren und Trends
LogixAI erkennt kontinuierlich Abhängigkeiten zwischen Prozessvariablen, optimiert den Betrieb und reduziert gleichzeitig die Engineeringzeit. Quelle: Rockwell Automation
Vincenzo Monaco. Quelle: Rockwell Automation
früh erkennen kann.“ LogixAI optimiere Prozesse kontinuierlich, indem sie Abhängigkeiten zwischen Variablen erkenne. Bei der Flaschenabfüllung passe das System beispielsweise die Abfüllzeit an veränderte Druckverhältnisse an. „ Hier werden auch Armaturen präzise gesteuert.“ GuardianAI unterstützt Predictive Maintenance und erkenne frühzeitig Ausfallrisiken. „ Bei Armaturen bedeutet das: Wartung erfolgt basierend auf tatsächlichem Verschleiß statt auf starren Intervallen."
KI: präzise Fehlerdiagnose und Ursachenanalyse Das Veränderungspotenzial durch KI ist aus Sicht von Vincenzo Monaco enorm. KI transformiert regelbasiert Automatisierung und ermöglicht so eine lernende und vorausschauende Optimierung. Die Chancen liegen in Effizienzgewinnen, präziserer Fehlerdiagnose und Ursachenanalyse sowie der Kompensation des Fachkräftemangels. „ Gleichzeitig gibt es Risiken, die man offen adressieren muss: Ergebnisse sind nur so gut wie Datenqualität und Kontext, Modelle können driften, und in kritischen Anwendungen braucht es Nachvollziehbarkeit, klare Freigabeprozesse und eine saubere Trennung von Automatisierung, Safety und Security.“ Zudem steigen die Anforderungen an OT-Cybersecurity mit jeder zusätzlichen Vernetzung. Entscheidend sei deshalb, KI so einzusetzen, dass sie menschliches Know-how nicht ersetzt, „ sondern gezielt unterstützt – mit transparenten Grenzen, auditierbaren Entscheidungen und einem belastbaren Betriebskonzept“.
Michael Vehreschild
25