+3 Magazin November 2019 | Page 12

+2 12 › Stefanie Blockus, Diabetes-Patientin und Leistungssportlerin ERHÖHTES RISIKO Diabetes kann zahlreiche chronische Erkrankungen auslösen Makrovaskulär Mundgesundheit Paradontose/-itis Jetzt erst recht Ich war 14  Jahre, als mein Arzt Dia- betes Typ 1 diagnostizierte. Ich wusste nichts über die Autoimmunkrankheit. Erst in der Klinik verriet man mir, was mich fortan erwartete: Blutzu- cker messen, Tagebuch schreiben, Insulin spritzen, Diät einhalten. Mein Tagesablauf änderte sich von nun auf gleich. Es war keine einfache Zeit. Bis heute hat sich viel in der Diabetes- Therapie zum Positiven verändert. Es gibt neue Insuline, keine strikten Ernährungsregeln mehr, die Digi- talisierung und die fortgeschrittene Technik erleichtern den Alltag unge- mein. Diabetes ist jedoch weiterhin ein 24/7-Job ohne Urlaub, der einem viel abverlangt. Ich stehe heute mitten im Leben, der Diabetes ist „nur“ mein ständiger Begleiter, der mal mehr und mal weniger Aufmerksamkeit fordert. Ich passe den Diabetes an mein Leben an, nicht umgekehrt – natürlich im- mer mit Blick auf die Blutzuckerwer- te. Höhen und Tiefen gehören dazu. Die Tiefen bewältige ich mit Hilfe der Diabetes-Community, die sich aus- tauscht, Mut macht und füreinander da ist. Ich bin als Redakteurin im Di- abetes-Bereich tätig, Fitnesstrainerin, habe an Marathons und Radrennen teilgenommen. Ich werde oft gefragt, was mich zu all dem motiviert, wenn die Krankheit im Alltag doch schon genug abfordert. Es ist der Diabetes selbst und eine gute Mischung aus Trotzreaktion, Ehrgeiz, Motivation und Beharrlichkeit, die mir das Di- abetesmanagement jeden Tag aufs Neue abverlangt. www.diabetes-leben.com Elke Heida, Leserin Warum hört man in den Medien kaum etwas über Diabetes, obwohl er als Volkskrankheit gilt? Es ist schon so viel passiert an Forschungsarbeit, die Wissenslage hat sich enorm ver- bessert und trotzdem werden es Jahr um Jahr mehr Diabetiker. GEHIRN Schlaganfall 2-4-fach erhöhtes Risiko Mikrovaskulär HERZ Herzerkrankungen/Herztod 2-6-fach erhöhtes Risiko GEHIRN Chronisches hirnorganisches Psychosyndrom (HOPS) PERIPHERE ARTERIEN Durchblutungsstörungen 3-5 Mal häufiger AUGEN Häufigste Erblindungsursache der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter NIEREN Hauptursache der terminalen Niereninsuffizienz NERVEN Funktionsstörungen bei ca. 50 Prozent aller Diabetiker Haut, Bindegewebe- und Gelenkkrankheiten Psychosoziale Belastungen Diabetisches Fuß-Syndrom Hauptursache nicht-traumatischer Amputationen der unteren Extremitäten Quelle: IDF Thomas Danne, Kinderdiabetologe Erschwerte Bedingungen In Deutschland sind mehr als 30.000 Kinder und Jugendliche am Diabetes Typ 1 erkrankt. Gerade Jugendliche leiden an der Autoimmunerkrankung, da sie oft mit dem Wunsch nach einem flexiblen Lebensstil kollidiert. Wer Di- abetes hat, muss sich an bestimmte Regeln halten, zum Beispiel regelmä- ßig den Glukosespiegel messen und Insulin spritzen. Hinzukommt, dass die Hormone in der Pubertät die In- sulinempfindlichkeit senken. Das erschwert nochmal die Behandlung. Aber auch Eltern trifft die Erkrankung ihres Kindes. Laut der 2018 bundes- weit durchgeführten AMBA-Studie zu beruflichen, finanziellen und psychi- schen Folgen der Stoffwechselstörung ihres Kindes haben sich die Belastun- gen der Eltern im Vergleich zu Daten aus dem Jahr 2004 noch verstärkt. Und: Je jünger ein Kind an Diabe- tes erkrankt, umso ausgeprägter sind die Folgen, insbesondere für Mütter. Knapp 40 Prozent reduzieren in Folge der Diabetesdiagnose ihre Berufstätig- keit, etwa zehn Prozent geben sie ganz auf. Bei Vätern ergeben sich dagegen kaum Veränderungen. Aber es gibt auch Fortschritte zu vermelden, zum Beispiel im medizinisch-technischen DIES IST EINE GESPONSERTE ANTWORT, ALSO EINE ANZEIGE Melanie Huml, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege Wir engagieren uns Diabetes mellitus tritt vergleichsweise häufig auf und kommt doch auf leisen Sohlen daher. Selbst Betroffene merken oft lange Zeit nichts davon. Umso wich- tiger ist es, öffentlich darauf aufmerk- sam zu machen. Mit der Informations- kampagne „Diabetes bewegt uns“ hat das bayerische Gesundheitsministerium im Jahr 2014 daher einen Scheinwerfer auf diese Erkrankung gerichtet. Ange- sichts von einer Million Erkrankten in Bayern muss das Thema eine wichtige Rolle in der Gesundheitspolitik spie- len. Einerseits geht es uns um die vie- len Menschen, die an Diabetes Typ 2 leiden – jener Erkrankung, die viel mit dem Lebensstil zu tun hat, vor allem mit Bewegungsmangel und ungesunder Ernährung. Mit dem Bayerischen Prä- ventionsplan haben wir uns daher zum Ziel gesetzt, möglichst viele Menschen für eine gesunde Lebensweise zu be- geistern und überall in Bayern gesunde Lebenswelten zu schaffen. Neben der Prävention ist mir wichtig, dass für die medizinische Versorgung qualifizierte Einrichtungen bereitstehen. Auch haben wir die Menschen im Blick, die unter Di- abetes Typ 1 leiden. Diese Erkrankung geht auf einen Autoimmunprozess zu- rück und beginnt oft schon im Kindes- alter. Unter meiner Schirmherrschaft wird im Rahmen der Studien „Fr1da“ und „Freder1k“ intensiv an Früherken- nung und Behandlung geforscht. Mein Ziel ist es, Eltern stärker zu sensibilisie- ren und betroffene Kinder bestmöglich vor der Entwicklung schwerwiegender Folgeerkrankungen zu schützen. Bereich. Sehr viele Kinder tragen in- zwischen eine Insulinpumpe, die in re- gelmäßigen Abständen Insulin in den Körper abgibt. Ihr Leben ist dadurch weniger einschränkt. Außerdem gibt es kaum einen Beruf, der später nicht infrage kommt. Kinder mit Diabetes können genauso gut Nobelpreisträger oder Olympiasieger werden wie Kin- der ohne Diabetes. Hans Röhr, Leser Neue Erfahrung Ich habe mich eigentlich noch nie wirklich mit dem Thema Diabetes auseinandergesetzt. Klar, ich wusste, dass es das gibt, aber hätte bis vor ei- niger Zeit nicht zwischen Typ 1 und Typ 2 unterscheiden können. Dann wurde bei meiner Cousine Diabetes Typ 2 festgestellt und die Krankheit hielt Einzug in meine Familie. Erst jetzt weiß ich, was Diabetes bedeu- tet und welche Auswirkungen die Krankheit auf den Körper und das komplette Leben nimmt. Mir sind dabei zwei Dinge aufgefallen. Ers- tens habe ich festgestellt, dass auch ich aufgrund meines Lebensstils – übergewichtig und sportfaul – nicht unerheblich gefährdet bin, selbst in naher Zukunft an Diabetes zu leiden. Und zweitens merke ich, dass dieses Thema in der Gesellschaft viel zu stiefmütterlich behandelt wird. An beidem muss sich etwas ändern.