ZEHN MINUTEN | 01 April ZIRP um 12: Kapital und Köpfe – Wie der Mittelstand von morgen entstehen kann | Seite 3

Die größten Herausforderungen für Startups sieht Jan Fabig klar in der Kapitalbeschaffung für die ers-

ten Wachstumsphasen. Dafür spiele der Zugang insbesondere zu Investorinnen und Investoren eine Schlüsselrolle. Auch Pilotkunden seien aus seiner Sicht essentiell für einen schnellen Markteintritt, um schnelle Rückmeldung zum Produkt zu erhal-

ten. Aufgrund des leichteren Zugangs zu Kapitalge-

benden hat sich die Initiative entschieden, sich in Frankfurt niederzulassen. Gleichzeitig hat Rhein-

land-Pfalz durch seine Hochschulen und Unterneh-

men ausreichend Expertise und Kapital zu bieten, um attraktiv für Gründungen zu werden, insbeson-

dere aus dem technologischen Bereich. Ob aus Kaiserslautern, Koblenz oder Mainz: Erfolgsge-

schichten aus Rheinland-Pfalz zeigen, dass in der Breite mehr möglich wäre.

Claudia Rankers, Geschäftsführerin des Rankers Family Office, betonte im Gespräch mit Dr. Chris-

tiane Liesenfeld die Notwendigkeit einer höheren Sichtbarkeit der Gründungswilligen in Rheinland-

Pfalz für Investoren. Dabei seien klare Ansprech-

partner und kontinuierliche Veranstaltungen essen-

ziell, um Investierende und junge Unternehmen nachhaltig zusammenzubringen und an Rheinland-

Pfalz zu binden. Zudem seien strukturelle Ver-

besserungen zwingend erforderlich, darunter der Abbau bürokratischer Hemmnisse, staatliche Co-

Investment-Modelle zur Risikominimierung und steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten von Inves-

titionsverlusten, um private Investitionen in Start-

ups attraktiver zu machen.

Die anschließende Diskussion unter den Teilneh-

menden machte deutlich: 

Der Standort Rheinland-Pfalz bietet Gründungs-

willigen viele Vorteile wie z.B. die Nähe zu hoch-

karätigen Universitäten, Hochschulen und For-

schungsinstituten in den besonders gründungs-

relevanten Bereichen wie Biotechnologie, Künst-

licher Intelligenz, Unternehmensführung, oder Be-

triebswirtschaft. Parallel gibt es von Seiten der Landesregierung und der Investitions- und Struk-

turbank Rheinland-Pfalz viele Angebote und Initia-

tiven, um Gründungswillige zu unterstützen (siehe Infobox nächste Seite). 

Dennoch entscheiden sich viele Startups und junge Unternehmen dazu, in größere Städte wie Berlin oder München abzuwandern. Gründe dafür sind häufig der fehlende Zugang zu Know-how und Kapital. Unternehmensgründungen von Frauen und Startups aus dem nicht-technologischen Bereich stehen dabei vor besonders großen Herausforde-

rungen. 

Neben den bereits etablierten Gründungsregionen in anderen Landesteilen dürfe man dabei nicht versuchen, in Konkurrenz zu treten, sondern müsse vielmehr die Startups in RLP z.B. mit der Berliner Szene vernetzen, persönliche Kontakte herstellen, um sich als Standort zu integrieren und etablieren. Rheinland-Pfalz verfüge durch seine starken Uni-

versitäten und Forschungsinstitutionen sowie seine offene Kultur dabei über ausreichend Allein-

stellungsmerkmale.

„Wir müssen Sichtbar-

keit für gründungswillige

Studierende schaffen und

dann schauen, welche Innovationen gibt es und wer könnte damit seine Wertschöpfungskette verlängern?“

Claudia Rankers

Rankers Family Office

„Zugang zu Kunden, Zugang zu

Kapital: Netzwerke machen

erfolgreiche Standorte aus.“

Jan Fabig

Präsident, LAUNCH

Rhein-Main e.V.