Aufruf für die Vorbestellung der Zeitung unter dem Titel „ Bericht über die ungarischen Nachrichtenblätter ”. Es hieß darin u . a „ es ist eine echte Zeitung , mit der wir jetzt beginnen : obwohl vor uns noch kein Ungar diesen Weg beschritt . Wo und worin kann man wohl demzufolge Nachsicht und Hilfe erwarten , wenn nicht hier ?”
Ferenc Kazinczy ( ein von den Ideen der Aufklärung beeinflusster ungarischer Schriftsteller und Reformer der ungarischen Literatur und Sprache ) schreibt dazu in seiner Autobiographie „ Erinnerung an meine Laufbahn ” über den Gründer und Heraus - geber der ersten unter dem Titel „ Magyar Hírmondó ” ( Ungarischer Bote ) in ungarischer Sprache in Preßburg / Bratislava er - schienenen Zeitung :
„ Mátyás Ráth , evangelischer Prediger aus Raab / Gyõr , begann am ersten Tag des Januar 1780 mit der Herausgabe der ungarischen Zei - tungsblätter , und die Nachkommen wären undankbar , wenn sie ver - gessen würden , dass er für unsere Nation nichts anderes war , als ihr wahrer Prometheus ”.
Maria Theresia erteilte in ihrem Privilegienbrief ( 1779 ) Ferenc Agoston Patzkó , einem aus der Tschechoslowakei stammenden Drucker , der vor kurzer Zeit eine eigene Druckerei in Preßburg eröffnet hatte , auf zehn Jahre die Genehmigung zur Herausgebe einer Zeitung .
Die erste Ausgabe des „ Magyar Hírmondó ” verließ am 1 . Janu - ar 1780 die Druckerei , und in den nächsten neun Jahren erschien er ohne Unterbrechung zweimal wöchentlich ( am Montag und Sams tag ) und hatte bereits zu Beginn 320 Abonnenten , bald darauf waren es bereits 500 . Drei Jahre lang war Rat der Redak - teur der Zeitung , was damals bedeutete , dass er alle Berichte selbst schrieb .
Ein wahrer Prometheus der Nation Mit beispiellosem Fleiß berichtete er den ungarischsprachigen Lesern über die bedeutendsten Ereignisse im Land und in der weiten Welt . In vielen Fällen fügte er eigene Bemerkungen hinzu . Er sorgte auch dafür , die ungarische Sprache für die Wissenschaft brauchbar zu machen . Bei seinen diesbezüglichen Bemühungen bereicherte er die ungarische Sprache um viele neue Wörter und Ausdrücke . In der 101 . Ausgabe des „ Ungarischen Boten ” vom 28 . Dezember 1782 verabschiedet er sich von seinen Lesern . Nach dem sich Rat zurückgezogen hatte , erschien diese Zeitung noch sechs Jahre lang . ( Am 8 . Oktober 1788 erschien die letzte Ausgabe .)
Von 1783 an war Matthias Rat der erste Seelsorger der evangelischen Kirchengemeinde zu Raab . Der Ruf seines großen Wis - sens und seiner ausgezeichneten Rednergabe breitete sich schnell aus , und aus diesem Grunde wurde er rund dreieinhalb Jahre später als Superintendent der transdanubischen evangelischen
Kirchengemeinden nominiert , aber bei der Wahl blieb er in der Minderheit . Ende 1786 verzichtete er auf seine Stellung als Seel - sorger und lebte in seiner Geburtsstadt zurückgezogen nur der Wissenschaft . Er arbeitete an der Zusammenstellung eines Wör - ter buches in drei Bänden für Ungarisch-Deutsch-Latein , musste jedoch wegen Mangel an Interesse auf eine Herausgabe verzichten . Im Jahre 1789 wurde er erneut auf den inzwischen verwaisten Posten des Seelsorgers in die evangelische Kirchengemeinde von Raab zurückgerufen .
1794 schloss er mit Susanne Sofie Reischl aus Ödenburg / Sopron die Ehe . 1796 wurde man wieder auf Rat aufmerksam : Man berief ihn zum Rektor und Theologieprofessor an das Preßburger evangelische Gymnasium . Doch er wollte diese neue Berufung nicht mehr annehmen . In den kommenden Jahren lebte er zurückgezogen und einsam , er versah nur seine seelsorgerische Obliegenheit .
Am 5 . Februar 1810 verstarb Rat in seiner Geburtsstadt in aller Stille . Als Kazinczy von seinem Tod erfuhr , schrieb er in einem Brief :
„ Es ist wohl mein Verdacht , dass er viele Eigenarten besaß : Doch , wer hat sie nicht , der Verdienste aufzuweisen hat und kein gewöhnlicher Mensch ist ! Gesegnet sei das Gedenken an den guten Patrioten und Sohn der Aufklärung .”
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Der Vikar mit dem Goldzahn
Von den Schwachheiten eines Gottesmannes von Ludwig David Eisenlöffel
Er stammte aus einem kleinen Dorf . Studiert hatte er in Deutsch - land . Der Bischof hatte ihn in unsere Kirchengemeinde geschickt , weil unser altbewährter Pfarrer in seinem aufreibenden Dienst eine Hilfe brauchte . Und der junge Vikar konnte sich glücklich schätzen , dass er ausgerechnet bei einem so hoch angesehenen „ Lehrmeister ” seine erste Stelle bekommen hatte .
Die Leute im Dorf waren natürlich sehr neugierig , wie der neue „ Lehrbub ” des Pfarrers aussieht und ob er ein guter oder ein schlechter Prediger ist . Unsere Kirche war immer gut besucht . Aber an diesem Sonntag war sie brechend voll . Junge und Alte , Männer und Frauen , alle wollten den neuen Gottesmann kennenlernen . Die Schüler drängten sich auf der Empore so weit wie möglich nach vorne , um alles besser sehen zu können . Der allseits geschätzte Herr Pfarrer trat mit dem Vikar unter dem wohlklingenden Geläut unserer Kirchenglocken in „ sein ” Gotteshaus ein . Der Lehrer , der sonntags als Organist fungierte , ließ die Or - gelpfeifen besonders laut erklingen , bis die beiden geistlichen Herren ihre Plätze eingenommen hatten . Dann setzte sich auch die Gemeinde .
Der Gottesdienst nahm seinen üblichen Verlauf . Der „ Senior ” leitete am Altar den liturgischen Teil . Doch die Gemeinde kannte ihren Hirten ja so gut . Von ihm erwartete sie nichts Neues . Und der wusste sowieso , dass heute alle nur noch gespannt auf die An - trittsrede des jungen Vikars gewartet haben . Und der kam auch schon bald an die Reihe . Er stieg sichtlich aufgeregt die Treppe zur Kanzel hinauf . Und er spürte , dass alle Augen auf ihn gerichtet waren . Er machte aber von Anfang an alles „ richtig ”, so wie es die Gemeinde gewohnt war .
Wahrscheinlich achteten die meisten Zuhörer nicht auf das was er sagte , sondern auf sein Auftreten . Sie fühlten sich ja vom Herrn Bischof als Gemeinde gewürdigt , den ihnen anvertrauten künftigen Pfarrer mit zu beurteilen . Da galt es jetzt also , gut aufzupassen und doch auch nicht mit dem Anfänger zu streng zu sein . Er sah ja „ ganz gut ” aus , hatte dunkle Haare und ein schmales Ge - sicht , keine abstehenden Ohren und vor allem eine angenehme
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