fende, aber auch als Beobachterin. Es sind unsere inneren Bilder, die wir aus Erinnerungen für uns selber kreieren – interessant dabei ist, wie diese eigentlich unsere Sichtweise prägen. Reflektieren möchte ich auf diese durch die Vielschichtigkeit in meinen Arbeiten.
SB: Sie sind nicht nur auf der Leinwand, sondern auch bei unterschiedlichen künstlerischen Performances aktiv dabei. Woher nehmen Sie die Inspiration?
BB: Sie findet mich einfach. Wir hatten vor kurzem eine eigene gut gelungene Performance in der Béla-Bartók-Straße im elften Stadtbezirk von Budapest, wo wir mit zwei meiner Freundinnen und Galeriemitgliedern Annamária Tóth und Marica Borbás-Tóth ein eigenes Konzept live als Freilichtinstallation präsentiert haben. Wir haben Schleier und Tüllstoffe im öffentlichen Raum platziert und von den Bäumen heruntergehängt als Installation. Damit war unser Ziel, dass jeder sich dazu eine Verbindung herstellen kann, ganz interaktiv. Wie die Straßenbahn vorbeifährt oder Passanten vorbeigehen, konnten sehr schöne, unterschiedliche Lichtverhältnisse festgehalten werden. Ich bin übrigens sehr offen für solche Popup-Ausstellungen und Kooperationen mit Gleichgesinnten, sie bereichern meine Arbeit sehr.
SB: Wo trifft Ihre Kunst auf ungarndeutsche Kunst? Gibt es denn ungarndeutsche Kunst überhaupt?
BB: Die Frage ist sehr wichtig und wird ab und an auch im Verband tatsächlich diskutiert. Mit den Kollegen in der Künstlersektion haben wir die Entscheidung im Konsens getroffen, dass unsere Arbeiten oder einfach unsere dargestellten Bildwelten sehr eklektisch sind und wir das auch bewusst hervorheben möchten, weil unsere Vorgehensweisen und Arbeitstechniken sehr unterschiedlich sind. Was uns also hier im VUdAK verbinden kann, sind wir als schaffende Personen selbst. Wir sind sehr unterschiedlich: Einige haben eine doppelte Staatsangehörigkeit oder eine Doppelidentität Ungarisch-Deutsch; wie diese dann im Verein zusammentreffen und zu einer schaffenden künstlerischen Gemeinschaft werden, das verbindet uns. Offenheit ist dabei besonders wichtig, denke ich. Das ist für die ganze Künstlersektion von großer Bedeutung, denn es gibt ja naturgemäß große Altersunterschiede im Verband. Junge Künstler können uns übrigens durch Bekanntschaften erreichen. Es ist eigentlich ein recht geschlossener Kreis, aber durch die zwischenmenschlichen Beziehungen kommen ab und zu auch Neuzugänge, wobei man auch sagen muss, dass die Aktivität und Sichtbarkeit unserer Mitglieder relativ unterschiedlich ausfallen. Sehr interessant ist trotz der künstlerischen Vielfalt, wie dann im Endeffekt eine schöne Gemeinschaftsausstellung zustande kommen kann. Die Installierung ist ja schon gemeinsames künstlerisches Schaffen an sich, das ich sehr mag. Flexibilität und Offenheit sind also wichtig und ich empfinde es als sehr bereichernd, dass auch ältere Künstler sehr offen auf uns jüngere zugehen und mit gutem Beispiel vorangehen, wie eine Gemeinschaft wirklich gut funktionieren kann. Der eingeschlagene Weg innerhalb des Vereins ist dann aber jedem selbst überlassen. Es hängt auch von der eigenen Persönlichkeit ab, was man machen möchte: Organisation, Terminvereinbarung, Raumanmietung oder Installierung. Wir sind eine richtige, sich gegenseitig unterstützende Mikrogesellschaft, in der sich die einzelnen Rollen völlig organisch herausbilden.
SB: Spielt auch die deutsche Sprache eine Rolle? BB: Die Gründer Adam Misch, Josef Bartl und Anton
Lux hatten altersbedingt natürlich noch deutlich stärkere, auch visuell prägendere Verbindungen zur deutschen Sprache. Aber meine subjektive Meinung ist, dass diese Doppelidentität auch jetzt noch in den Arbeiten der VUdAK-Künstler erscheint. Es gibt natürlich auch Mitglieder, die die deutsche Sprache verwenden, wir Künstler kommunizieren aber auf einer anderen, außersprachlichen Ebene. Ich sehe, dass Zwiespältigkeit und Doppeldeutigkeit bei vielen von uns als Elemente präsent sind. Es geht nicht immer um die Findung von Harmonie. Das ist auch in unserer letzten Ausstellung in diesem Jahr mit dem Titel „ Quadriga“ so, die gerade im Lenau Haus und im Haus der Ungarndeutschen( HdU) stattfindet, wo wir gemeinsam mit Erzsébet Horváth, Erzsébet Lieber und Zsuzsa Trieb als VUdAK-Mitglieder zu viert ausstellen.
SB: Wie kam es, dass diesmal nur Frauen ausstellen?
BB: Durch Zufall, aber wir haben festgestellt, dass die Arbeiten tatsächlich alle eine feminine Note haben. Es gibt eine Katalogreihe von VUdAK mit dem Titel Triga, wo dann immer jeweils drei Künstler unseres Verbandes drin sind. Wir Frauen kamen bisher noch nicht rein und jetzt haben wir die Möglichkeit bekommen, eine tolle Gemeinschaftsausstellung mit jeweils fünf eigenen Arbeiten zu machen. Es sind also insgesamt zwanzig Gemälde und Plastiken bis Ende Oktober in Fünfkirchen und ab November dann in Budapest im HdU zu sehen. Der Rhythmus der Ausstellung Quadriga ist sehr gut gelungen, die Gemälde kommen nebeneinander sehr gut zur Geltung.
SB: Wie sehen Ihre Zukunftsperspektiven aus, was haben Sie in nächster Zeit vor?
BB: Wenn man zu malen beginnt, ist man erst auf Wegsuche und versucht seine Gedanken auf die Leinwand zu bringen. So können die ersten Arbeiten und die Bildwelt oberflächlich ausfallen, aber ich möchte mit meinen aktuellen Arbeiten zeigen, dass es auch tiefere Ebenen gibt und wie man diese Dualität darstellen kann. Mit VUdAK stelle ich ab und zu im Ausland aus, das wird auch so bleiben: Ich bin sehr offen für Kooperation mit anderen Künstlern im In- und Ausland. Ich bin jetzt außerdem noch an der Uni und mache meine Lehrerausbildung fertig und durch Bewerbungen versuche ich mich auch außerhalb vom Verein zu positionieren. Einerseits ist es sehr gut, wenn man wie ich bei einer Galerie angestellt ist, nicht nur, weil man dadurch seine Gemälde gut auf den Markt bringen kann. Das ist natürlich vorteilhaft, aber man kann Arbeiten auch online veräußern. Das ist wiederum in der Regel sehr spontan- also kann man darauf alleine nicht bauen, denke ich. Der Vertrieb ist dann schon eher Marketing und keine Kunst. Eigenmanagement ist in unserer Branche unentbehrlich. Wenn man in einer Galerie ist, kann man dadurch zu mehreren Kontakten kommen und die Mitgliedschaft hilft auch dabei, als etablierte Künstlerin auf dem Markt wahrgenommen zu werden. Aber es ist sehr wichtig, eigene Ausstellungen und Gemeinschaftsausstellungen zu verwirklichen und wirklich völlig und ununterbrochen dabei zu sein. Von Gemeinschaftsausstellungen habe ich übrigens jedes Jahr mehrere und neben meinem Studium versuche ich- die vorhin genannten- für unsere Laufbahn optimalen Schritte zu verfolgen. Auch für das kommende Jahr ist schon einiges mit Kollegen an Ausstellungen geplant. Ich bewerbe mich regelmäßig für unterschiedliche Kunstprojekte und Ausstellungsmöglichkeiten und arbeite in der Galerie. Der deutsche Sprachraum ist natürlich auch im Visier. Ich bin auch sehr offen, im Ausland etwas zu machen, da mein Vater in Deutschland lebt. Es kann also sein, dass ich demnächst auch dort Fuß fasse.
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