Sonntagsblatt 4/2025 | Page 18

DIE „ SCHWABENBÄUERINNEN“ UNGARNS MITTE DER 1930ER JAHRE- IRMA STEINSCHS BILD VON DEN UNGARNDEUTSCHEN FRAUEN UND MÄDCHEN

Von Krisztina Kaltenecker
Irma Steinsch war eine von der Reichsjugendleitung über die Volksdeutsche Mittelstelle der SS nach Ungarn beorderte Mitarbeiterin der Volksdeutschen Kameradschaft. 1937 veröffentlichte Irma Steinsch( 1906 – 1996) in der N. S. Frauen-Warte- der damals „ einzigen parteiamtlichen Frauenzeitschrift“ im Deutschen Reich- ein „ Porträt“ der ungarndeutschen Frauen, der „ Schwabenbäuerinnen“. 1 Da dieser Neologismus meines Erachtens ihre eigene Wortschöpfung war und sich als Bezeichnung( Gott sei Dank) nicht bewährte, habe ich aus Neugierde die künstliche Intelligenz gefragt, was sie sich unter „ Schwabenbäuerinnen“ vorstellen kann.
Interessanterweise rüstete die Künstliche Intelligenz diese Frauenfiguren von sich aus jeweils mit einer Mistgabel aus- ohne meine Einflussnahme. Dieses landwirtschaftliche Werkzeug kann genauso auf Arbeitsamkeit wie auf Kampfbereitschaft hinweisen. Somit traf die Künstliche Intelligenz voll ins Schwarze, wie nachfolgend aufgrund der wesentlichen NS-ideologischen Merkmale des Schwabenbäuerin-Porträts von Irma Steinsch zu sehen ist.
Mit der kontinuierlichen Aktualisierung eines den reichsdeutschen NS-volkstumspolitischen Direktiven entsprechenden Frauenbildes beschäftigte sich Jungfunktionärin Irma Steinsch seit 1934. Sie betätigte sich als Bindeglied zwischen den Partei-, Regierungs- und Forschungsstellen des Deutschen Reichs und der Volksdeutschen Bewegung( bzw. Kameradschaft) Ungarns. So handelte es sich beim Frauenbild selbstredend immer um Steinschs Konstrukt zum Zwecke der Agitation und der Propaganda. Der Stand dieses konstruierten NS-Frauenbildes im Jahre 1937 kann vom oben genannten Artikel wie folgt abgeleitet werden: siehe KI-Bilder.
In einem diachronen Überblick nimmt Irma Steinsch auf
1 Steinsch, Irma: Von den Frauen und Mädchen in
den deutschen Siedlungen Ungarns. In: NSDAP-Reichsleitung, Hauptamt NS-Frauenschaft( Hg.): Schwarz-Semmelroth, Ellen( Schriftleitung): N. S. Frauen-Warte. Die einzige parteiamtliche Frauenzeitschrift. 6. Jahrgang. Heft 14. Verlag N. S. Frauen-Warte. München 1937. S. 430 – 432.
18 zwei mythische kriegerische Auseinandersetzungen Bezug: Erstens habe es einen offensiven Krieg gegeben. Der deutsche Bauer habe nämlich vor über 200 Jahren die von den Türken verwüsteten Landstriche Ungarns durch Ansiedlung zum neuen Leben erweckt. Somit hätten sich die arbeitsamen, zähen Menschen, die auch aktuell in Ungarn schaffen würden, „ diesen Boden mit ihrem Blut und Schweiß erworben“. Zweitens würden sie seitdem ununterbrochen einen defensiven Krieg ausfechten, um „ ihr deutsches Volkstum“ zu halten. Infolgedessen erscheinen die Ungarndeutschen in Steinschs Artikel zunächst absurderweise als ein Kollektiv von Titanen einer mythischen Landnahme- dominiert von Blutopfer und Schöpfungskraft. Sie postuliert zudem das Volk-Sein dieser mythischen Ansiedler als gegeben und stellt sie als eine immerwährend autochthone Sozialgruppe dar. Drittens geht sie vom Axiom aus, dass dieses Volk seit seiner Ansiedlung kontinuierlich vom( anonymen) Feind umschlossen sei, der die Existenz dieses Volkes unablässig bedroht. In einer synchronen Darstellung folgt anschließend die Idealisierung eines auf den eigenen Hof und Haushalt reduzierten und ausschließlich der Entfaltung des Deutschseins dienenden Matriarchats.
Die ungarndeutsche Frau nennt Steinsch die „ Schwabenbäuerin“. Sie zeichnet sich für Steinsch durch Arbeitsamkeit, harte und schwere körperliche Arbeit aus, die sie früh alt werden ließ. In ihren Augen leuchte aber bzw. zum Trotz der Stolz über das bisher Geschaffene. Im Hause führe sie als Mutter oder Schwiegermutter das Regiment. Dem Text kann nicht entnommen werden, ob und inwiefern Steinsch unter „ häuslichem Regiment“ zum Beispiel Handlungs-, Verfügungs-, Mobilisierungs- und / oder Entscheidungsmacht etc. versteht. Klar fasst sie allerdings die Mutter oder die Schwiegermutter des Hauses als dessen fehl-, furcht- und tadellose deutsche Herrin auf. Auf der Folie der NS-Prinzipien der „ Geschlechterpolarität“ und der „ Emanzipierung von der bürgerlichen Emanzipierung“ idealisiert Steinsch zwei weitere Faktoren ebenfalls: Die „ Schwabenbäuerin“ stünde ebenbürtig neben ihrem deutschen Mann, bei gleichzeitigem absolutem Verzicht auf jegliche aktive Teilnahme oder reale Teil-