vor Augen schwebt! Denn in Mindelheim traf ich die Enkelin des
bereits verstorbenen evangelischen Pfarrers von Großau, Ernst
Weingärtner, dies im Rahmen einer Rotary-Jugendbegegnung.
Ich erhielt über diese junge Dame die interessante Heimatchro-
nik über die Landlergemeinde unweit von Hermannstadt – und in
der Tat erhebt sich stolz die Kirchenburg des Ortes, weit sichtbar,
die früher jeden Sonntag Menschen in sächsischer und landleri-
scher Tracht ansteuerten und wo sich Konfirmanden auf den Ein-
tritt in die „Jugend” vorbereiteten - als stilles Zeugnis von Zeiten,
in denen noch alles authentisch gewesen sei, wie der ehemalige
Pfarrer von Michelsberg, Dietrich Binder, in einem Fernsehbei-
trag des Bayerischen Rundfunks kurz nach der Wende erzählte.
Dennoch gibt es diese Menschen noch, auch wenn in kleiner
Zahl. Ihr Erbe hingegen, wie auch diese Studienfahrt eindrück-
lich demonstrierte, lebt ohne Zweifel weiter.
Bereits vor dem Reiseantritt hat mich ein bisschen verunsichert,
dass sich der ursprünglich festgelegte Preis ständig veränderte
- und zwar nach oben... Aber, es hielt sich - Gott sei Dank - im
„Rahmen“.
Wegen den großen Distanzen zwischen unseren Zielpunkten
waren die Fahrten immer etwas länger. Aber, es war nicht so
schlimm, weil das Wetter meistens sehr schön war und die Land-
schaften mit ihren unzähligen Tierarten wirklich bilderhaft er-
schienen.
Was ich von vornherein gar nicht verstand, waren zwei Dinge:
Erstens, solche Fahrten werden nicht so oft angeboten und dazu
war das Programm bereits in der Planungsphase einfach super.
Wie konnte es sein, dass es dennoch so wenige Interessenten
dafür gab? Zweitens, ein Teil der Mitfahrenden war sowas von
feindlich gegenüber Rumänien und vor allem gegenüber den Ru-
mänen eingestellt, dass ich einfach nicht verstand: Was war ihr
Beweggrund sich zu dieser Reise anzumelden.
An dieser Stelle muss ich dem Organisator und Reiseleiter Ri-
chard Guth einen großen Dank aussprechen, denn er war die
ganze Zeit darum bemüht, den diversen Wünschen der kleinen
Reisegruppe restlos entgegenzukommen. Und das war - ich
muss es ehrlich gestehen - manchmal eine wahre Herausforde-
rung!
Die Wehrkirche zu Großau
Die Reise wurde durch das Bundesministerium des Inneren, für Bau
und Heimat aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundes-
tages gefördert.
Überwältigt
Eindrücke von der Fahrt nach Siebenbürgen
Von Stefan Bürgermayer
Es war klar, dass wir in kurzer Zeit sehr viel sehen möchten.
Dementsprechend gab es bei jeder Sehenswürdigkeit relativ be-
grenzte Aufenthalte... Gleich am Anfang unserer Reise mussten
wir an der Burg von Deva/Demrich schlicht und einfach vorbei-
fahren, um die Burg in Hunedoara/Eisenmarkt noch ansehen zu
können und damit wir in Sibiu/Hermannstadt noch rechtzeitig
ankommen. Die Kulturhauptstadt Europas 2007 ist immer noch
sehr schön und in einem guten Zustand. Sie wird weiter aus-
gebaut und floriert fast wie eine Stadt in Deutschland. Auch die
neue Stadtführung - bestehend aus zwei Frauen - managt die
Stadt beispielhaft. Die Entwicklung ist nicht ins Stocken geraten,
nachdem der frühere starke Bürgermeister zum Staatspräsiden-
ten Rumäniens gewählt wurde. Nur in Klammern gesagt: Klaus
Iohannis (Johannis) stand im November erneut zur Wahl und
wurde mit großer Mehrheit im Amt bestätigt. Wohlgemerkt: Er ist
als öffentlich bekannter Angehöriger der deutschen Minderheit
aktuell der erste Mann Rumäniens!
Sighișoara/Schässburg und Brașov/Kronstadt sollten - angeblich
- sehr schön sein, mich haben sie aber leider nicht überzeugen
können - nicht, weil sie substanzmäßig nicht schön wären, son-
dern weil sie nicht einen so schön ausgeputzten und gepflegten
Eindruck hinterlassen, wie Sibiu/Hermannstadt das tut. Im Endef-
fekt haben wir so viele Städte, Dörfer und Kirchenburgen besich-
tigt, dass sich die Erinnerungen in meinem Kopf total vermischen
- obwohl ich überall zahlreiche Fotos geschossen habe. Von den
unzähligen Kirchenburgen, die wir gesehen haben, muss ich al-
lerdings eine hervorheben, die mir ganz besonders gefiel: die
Kirchenburg von Mâlăncrav/Malmkrog. Sie faszinierte mich mit
den Fresken, die mittelalterlich aussahen und sonst nirgendwo
anders zu sehen waren. Ein spezielles Flair verlieh der Kirche
ihre Beschmückung mit Früchten aus den Wäldern und von den
Feldern zusätzlich, da man gerade Erntedankfest feierte.
Auf dem Weg zurück nach Hause machten wir noch einen Ab-
stecher in die Kulturhauptstadt Europas 2021, nach Timișoara/
Temeswar. Es war gut zu sehen, wie sich die Stadt bereits jetzt
auf das Highlight vorbereitet. Dabei entwickelt sich die Haupt-
stadt des Banats auch in einem auffallenden Tempo!
Als ich von der organisierten Fahrt nach Siebenbürgen hörte,
dachte ich mir, endlich kann ich mal auch die Gebiete besuchen,
die östlich von Sibiu/Hermannstadt liegen. Öfters fahre ich nach
Arad oder eben Timișoara/Temeswar, auch in Satu Mare/Sath-
mar, Sibiu/Hermannstadt, Cluj-Napoca/Klausenburg und Târgu
Mureș/Neumarkt war ich einige Male, aber in Sighișoara/Schäss-
burg, Brașov/Kronstadt und in der Umgebung war ich noch nie.
So kam ziemlich schnell die Entscheidung: Da muss ich auf je-
den Fall hin!
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Ich hoffe, die Jakob Bleyer Gemeinschaft wird in der Zukunft wei-
tere solche thematische Reisen zu den deutschen Minderheiten
auf dem Gebiet des ehemaligen Kaiserreichs Österreich-Ungarn
organisieren!
Die Reise wurde durch das Bundesministerium des Inneren, für Bau
und Heimat aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundes-
tages gefördert.
SoNNTAGSBLATT