Sonntagsblatt 3/2025 | Page 36

EIN ALTER BERUF INTERNATIONAL VERNETZT

SB-Autor Martin Szanyi war zu Besuch in der Blaufärberwerkstatt von Johann Sárdi jun. in Großnaarad
SB: Wir befinden uns in der Blaufärberei von Johann Sárdi jun. und meine erste Frage wäre: Wie viele Werkstätten gibt es in Ungarn?
JS: Herzlich willkommen in unserer Werkstatt. Ja, das ist eine der Blaufärberwerkstätten in Ungarn. Diese fünf
Fernen Osten, aus Indien und China. Und später kam sie nach Europa, nach Westeuropa. Und als die Schwaben um das 18. Jahrhundert nach Ungarn gekommen sind, haben sie das mitgebracht. Die Fachleute haben schon in ihrer Kultur das Blaufärben benutzt und sie haben hier mehrere Werkstätten gegründet. Die Ungarn haben auch gesehen, dass es besser ist als nur Weiß. So brauchen sie auch mehrere Werkstätten, ein bisschen andere Farbe, andere Mode dazu, aber die Ungarn haben die Technik auch lange genutzt. Natürlich hat die Blaufärberei bei uns seit dieser Zeit ununterbrochen Bestand.
SB: Sie haben bereits erwähnt, dass Ihr Vater auch Blaufärber war. Wie sind Sie zum Beruf des Blaufärbers gekommen? Wie hat Ihre Karriere begonnen?
JS: Ja, als ich Kind war, in dieser Zeit konnten wir diesen Beruf nicht erlernen, weil in diesem Bereich nur die größten Fabriken und Unternehmen tätig waren. Die vielen kleinen Betriebe oder kleinen Werkstätten hatten aus politischen Gründen keine Unterstützung. Ich wurde als Chemiker ausgebildet. Und ich habe oft im Sommer mit meinem Vater zusammengearbeitet und die ganze Technologie habe ich von meinem Vater gelernt. Wie gesagt, wir haben viel zusammengearbeitet, und als er zu alt war und nicht mehr arbeiten konnte, habe ich angefangen. Dann leider, das ist jetzt 7 Jahre her, musste ich alleine weitermachen, denn er ist gestorben( Johann sen. starb mit 97 Jahren, Red.).
SB: Eine etwas persönliche Frage: Was gefällt Ihnen an der Blaufärberei am besten?
Werkstätten sind in Raab, Tolnau / Tolna, Almasch / Bácsalmás, Tiszakécske und bei uns in Großnaarad / Nagynyárád.
SB: Ist das ein traditionelles schwäbisches Handwerk?
JS: Bei uns auf jeden Fall! Früher hat es mein Vater, Johann Sárdi sen., gemacht. Zuerst hat er bei einem Meister aus Deutschbohl / Bóly gelernt. Zu dieser Zeit war Großnaarad ein ganz schwäbisches Dorf und viele Frauen haben auch diesen Blaudruck benutzt.
SB: Und warum färbt man mit Blau?
JS: Das ist eine interessante Frage, denn man kann auch andere Farben verwenden, aber der Blaudruck, das ist etwas Besonderes. Und dafür braucht man die Farbe Indigo. Indigo ist eine Pflanze, aus der man die Farbe herstellen kann. Diese ganze Technologie kommt aus dem
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JS: Zum einen, als Chemiker ist es auch ein bisschen interessant, weil wir viele verschiedene Chemikalien verwenden und zum anderen, wenn jemand etwas macht und nur eine oder zwei Wochen später man sehen kann, was dabei herauskommt- das zu sehen, ist ein gutes Gefühl.
SB: Sie haben erwähnt, welche Materialien Sie verwenden. Woher bekommt man sie, zum Beispiel Indigo?
JS: Nun, Indigo als Farbe wird von verschiedenen Industrien hergestellt und verwendet. Früher wurde er aus Pflanzen hergestellt, aber seit 1950 sind die meisten Farben synthetisch. In Europa kauft man fast nur den synthetischen Indigo. Ich möchte aber immer bei der alten Technologie und dem alten Material bleiben. Im Moment bestelle ich den Indigo noch aus Indien, weil es dort eine Firma gibt, die den Farbstoff noch richtig aus Pflanzen extrahiert. Das ist im Moment nicht so problematisch, weil ich eine Rechnung bekomme. Das Geld überweise ich und zwei Wochen später steht der LKW mit der Farbe vor dem Haus.
SB: Können Sie kurz erklären, wie die einzelnen