Texte, mit denen der Endverbraucher LESER kaum etwas anzufangen vermag, was wohl dazu beiträgt, dass gegenwärtige Lyrik oft ins Abseits gedrängt wird.
Mein in Wien ausgebildeter ehemaliger Temeswarer Universitätslehrer Prof. Dr. Rudolf Hollinger – selbst auch Dichter gewesen – prägte den Ausspruch „ Der Dichter mache es dem Leser nicht leicht, aber er mache sie n i c h t unmöglich“.
Die Autoren- ob sie nun dem Surrealimus, der Moderne, Postmoderne usw. zuzurechnen sind- waren / sind bestrebt, ihren Schöpfungen eine Note der Originalität bzw. ihren Stempel aufzudrücken. Dies gestaltet die Rezeption ihrer Werke nicht einfach. Doch gerade davon l e b t die Lyrik – von ihrer Aufnahmefähigkeit durch den / die Leser, der sie weitertransportiert und so ihren Verbreitungsradius erweitert. Die Lebens- und Überlebensfähigkeit der Lyrik wird so wesentlich gefördert, was in vergangenen Zeiten durch den Gedichtunterricht an den Schulen erfolgen konnte.
Die modernen Texten kann man höchstens in der Oberstufe an die Schüler heranzutragen versuchen, doch auch in diesem Fall ein überaus gewagtes Unterfangen …
In diversen Kunstrichtungen erfolgt in angepasst- moderner Form eine „ Wiederaufnahme“ – wie etwa als „ Renaissance“, Neugotik, Neoklassik oder Neoromantik. In der Lyrik ist man weit davon entfernt und stuft solche Versuche als „ alt, überholt“ oder „ schon längst nicht mehr in“ ab. Man pflegt lieber an Interjektionsformulierungen grenzende Schöpfungen wie z. B. „ ra-ta-ta-ta, bum, tschimbum“ als moderne Lyrikformulierungen anzubieten.
Mit solchen Formulierungen wird man bedauerlicherweise keine Freunde für die Lyrik gewinnen können. des Pygmalion-Theaters und Mag. Philipp Kaplan, Dramaturg desselben, suchten aus beiden Bänden Texte aus und trugen sie vor. Dabei stach die sprachliche Form der Texte besonders durch ihre Bildhaftigkeit und ihren Wortschöpfungsreichtum auffallend hervor.
Der Verfasser selbst beschränkte sich auf den beidsprachigen Vortrag zweier Texte, von denen einer „ Ewiger Abschied“ war( Zum Ableben seiner Frau Waltraud)- dem Kapitel „ ABSCHIEDSGESÄNGE“ aus „ Zu Traudes Heimgang, 14. 2. 2021, Ewiger Abschied“ entnommen- und der andere ein Naturgedicht „ Drohend“.
Schweigen
Lichter gähnen echolos ähnlich verstimmter Geigen, umspielen sakrilegisch das nackte Abendschwiegen.
Winde wühlen rüsselstark lachend wie Baritone. Nebelfetzen rauben scheintote Birkenkrone.
Doch Autoren wollen sich „ verwirklichen“ wie die Regisseure, die Inszenierungen à la „ Regietheater“, um ihre Visionen ins Rampenlicht zu platzieren, doch da gerät das Stück und der Autor in den Hintergrund …
Durch diese kurze Einführung wurde auch der Übergang zur Präsentation der beiden Bücher bewerkstelligt.
Mag. Tino Geirun, der Gründer und künstlerische Leiter
Straßen weinen menschenleer, liegen schon schneebetrunken. Reklamen träumend schaudernd im Geist der Nacht versunken.
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