Sonntagsblatt 3/2025 | Page 30

JOHANN SEBASTIAN BACH, DER UNGARN- DEUTSCHSTÄMMIGE MUSIKFÜRST?

Von Stefan Pleyer
„ Vor deinen Thron tret ich hiermit” – dieses Chorwerk mit diesem Titel diktierte einer der größten Komponisten aller Zeiten- Johann Sebastian Bach- kurz vor seinem Tode( da er wegen seiner Erblindung nicht mehr selbst schreiben konnte) und dieses Stück gilt eigentlich als sein symbolischer Abschied vom irdischen Leben. Vor 275 Jahren, am 28. Juli 1750, trat der „ fünfte Evangelist“ tatsächlich vor den Thron des Herrgotts. Der vielseitige geniale Komponist und Organist des Barock hatte einen grundlegenden Einfluss auf die gesamte Musikgeschichte und die nachfolgenden Generationen. Mit seinem gottgegebenen Talent verlieh er auch der Kirchenmusik völlig neue Dimensionen- geprägt von seinem tiefen christlich-protestantischen Glauben.
Die Frage nach der Herkunft der Familie Bach bleibt bis heute umstritten. Bach selbst schrieb, dass die Bach-Sippe infolge der religiösen Intoleranz gegenüber den Protestanten in der Mitte des 16. Jahrhunderts aus Ungarn nach Thüringen kam( sein Ahnherr, „ Vitus Bach, ein Weißbecker in Ungern”). Genealogische Forschungen gehen davon aus, dass die Bachs ursprünglich tatsächlich thüringische Wurzeln hatten. Einige Familienmitglieder könnten jedoch Anfang des 16. Jahrhunderts nach Pressburg oder in dessen Umgebung ausgewandert und ein bis zwei Generationen später in ihre deutsche Heimat zurückgekehrt sein. Auf jeden Fall scheint es als sicher zu gelten, dass die berühmte Familie Bach eine Zeit lang „ ungarndeutsch“ war- und zwar im damaligen Oberungarn, dem heutigen Südwesten der Slowakei. Diese Herkunftsgeschichte war auch im Bewusstsein des großen Komponisten fest verankert. Auch innerhalb der Karpaten beeinflusste der Geist Bachs die Entwicklungswege der ungarischen Musikkultur tiefgreifend, wie sich in den Werken und musikpädagogischen Methoden des ungarndeutschen Franz Liszt, des deutsch-flämisch-polnischstämmigen Zoltán Kodály sowie Béla Bartók deutlich zeigt.

VON LYRIK GETRAGENES LEBEN

Von Mag. Philipp Kaplan
Unter dem Motto „ Von Lyrik getragenes Leben“ erfolgte am 1. Juli im Wiener Pygmalion-Theater die Präsentation zweier Gedichtbände(„ Im Bann des Wienerwaldes / In Vraja Pădurii Vieneze“, Edition Roesner, 2023 und „ Dem Leben sei Dank“, Edition Amfitrion, 2025) des aus dem Banat stammenden Wiener Autors Hans Dama.
Der Autor hatte bereits bei zahllosen Gelegenheiten unter Beweis gestellt, dass die Verbindung der Kulturen auf dem Wege der Literatur möglich ist: Der erstgenannte Band ist zweisprachig- auf Deutsch und auf Rumänisch erschienen-, kongenial übersetzt von Prof. Simion Dănilă, dem ersten und einzigen Direktübersetzer( deutsch > rumänisch) des Gesamtwerkes von Friedrich Nietzsche.
Begrüßungsworte durch Univ.-Doz. Dr. Andrea Kolbus.... Mag. Marcel Lukas Vosicky …
Mag. Tino Geirun- künstlerische Leiter des Pygmalion- Theaters ….
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Eingangs sprach Hans Dama „ Über das Wesen der Lyrik“. Er wies darauf hin, dass diese als anspruchsvollste Form literarischer Ausdrucksweise gelte. Lyrik sei eine Symbiose von Ästhetik, Musikalität und bildhafter Sprache in höchster Vollendung. Sie ist meistens bestrebt, durch ihre Kürze eine Ballung an sprachlicher Ausdruckskraft und Ausdrucksweise schöpferische Leistungen an den Leser heranzutragen.
Der Redner wies darauf hin, dass er bereits mit 11-12 Jahren deutsch und – ab der rumänischen Oberstufe- als 14-jähriger – auch rumänisch zu schreiben begann. Er tat das alles im Geheimen, denn wer G e d i c h t e schreibt, wird von seiner sozialen Umwelt nicht „ ernst“ genommen … Man stuft ihn – meistens auf dem Lande aber nicht nur dort – als Sonderling ein, der „ undicht“ sei. Das erscheint eigentlich gar nicht so abwegig, denn wäre ein Dichter, Künstler, Musiker usw. dicht, strömten aus seinem Intellekt, aus seiner Gefühls- und Schöpferwelt leider n i c h t seine Kreationen an die Öffentlichkeit und dunsteten unbemerkt im Verborgenen.
Ein solch geistiges wie sprachliches Produkt gestaltet in seiner Knappheit – von seinem Zugang zum Leser her – häufig anspruchsvolle Voraussetzungen, die in der inhaltlichen Textrezeption erforderlich sind. Es ist daher geistigmental meist – salopp gesagt – „ schwer verdaulich“ bzw. erfassbar.
Vor allem in der zeitgenössischen Poesie finden sich oft