Sonntagsblatt 3/2025 | Page 14

die Sprache zu pflegen und sich auch auf gleicher Augenhöhe zu begegnen. Diese Begegnungen verlaufen in meinem Erfahrungskreis aber in der Regel nicht nach meiner ursprünglichen Hoffnung und Motivation. Ein Interesse an uns „ ungarndeutschen Nuba“ signalisiert sich nur vereinzelt, dann auch eher nur bei Veranstaltungen mit Gaudi, Trank und satt gedeckten Tischen.
Sonst gibt es eher die belehrende Haltung. Eine ältere Dame erzählt uns beim Tierarzt, dass sie im Dorf, das ihr als eine neue Heimat dient, die Katzen regelrecht einfängt, um sie sterilisieren zu lassen. Es sei ein Unding, sich um Tierwohl so wenig zu kümmern, dass man eine Vermehrung der Tiere außerhalb der professionellen Zucht zulässt. Argumente ließ sie nicht zu, sie komme ja aus Deutschland, wo so etwas zu den Standards der Entwicklung gehöre.
Häufig geschieht es auch, dass man in einem höflich gemeinten Gespräch dazu aufgefordert wird, bitte sich weiter nicht in deutscher Sprache zu unterhalten, denn wie könne man endlich der ungarischen Sprache mächtig werden, wenn man auf Schritt und Tritt in Deutsch angefaselt wird?
Aber man kann ja als Haushälter oder Gutsverwalter dienen, wenn die Eigentümer aus dem deutschen Westen in ihrem Urlaub abwesend sind. Da schätzt man es dann doch als positiv ein, wenn man einigermaßen deutsch kann, und bemängelt es sogar, nicht alle Instruktionen bezüglich nötiger Hege und Pflege des Haushalts sowie der Sicherheitsvorkehrungen aufs Erste zu verstehen und hinzukriegen.
Auch die Bewunderer ungarischen „ Nationalstolzes“ gibt es nicht selten unter unseren Neusiedlern. Ihrer Ansicht nach ist dieses Merkmal etwas, was man mit einer in ihren
Augen ersichtlichen vorhandenen Ordnung in Verbindung bringen kann. Auch sagte mir unlängst jemand von ihnen, dass es gar kein Problem sei, dass die Jugend von hier abwandere, denn Mengen aus Deutschland würden die leer gewordenen Immobilien schon entsprechend „ auffüllen“.
Ohne Zweifel ist es auch schon mal vorgekommen, dass man meinen Vortrag über eine Volksgruppe der Ungarndeutschen mit Interesse angehört hat – mit der Bemerkung: „ Ja, ja, wir haben auch schon welche getroffen, aber die Jugend spricht nur noch ungarisch, was ja auf dem Weg der Entwicklung voll verständlich ist.“
Der Volkskundler Rudolf Hartmann hat bereits in den 20er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts unsere damals noch ziemlich intakten deutschen Landstriche hier in Ungarn besucht. Er hat die Wohngebiete unseres Stammes- von einem wahren Interesse getrieben- photographisch erfasst. Er könnte in seiner „ Reinkarnation“ sehen, was von uns bis heute übrig geblieben ist.
Was wir zu unserem Erhalt selber auf die Beine kriegen, ist ziemlich bescheiden. Das liegt nicht so sehr an der mangelnden Mühe mancher engagierter Zeitgenossen von uns Deutschen in Ungarn. Es fehlt an jenem erhaltenden Interesse unserer Masse hier, die sich von außen weder reparieren, noch auch nur auffüllen lässt.
Die Mühe von innen wird bei einem nicht erfolgenden Umdenken unseres Volksgrüppchens nicht ausreichen, ganze verschwundene Schichten unserer Basis wiederherzustellen. Eine neu gefundene Basis könnte es aber mit vollem Bewusstsein hinkriegen, auch in einer Gleichberechtigung „ Neuankömmlinge“ in unsere Kultur zu integrieren.

„ DEUTSCHESTE“ ORTSCHAFTEN UN- GARNS:( 1.1) SAGETAL

Von Ibolya Lengyel-Rauh
In meinem letzten Beitrag habe ich eine Liste mit den deutschesten ungarndeutschen Ortschaften anhand der statistischen Daten der letzten Volkszählung von 2022 veröffentlicht. Dabei rangiert das Tolnauer Dorf Sagetal / Szakadát auf Platz 20 mit 33,7 % deutschstämmigen Einwohnern. Der Prozentsatz scheint vielversprechend zu sein, aber die tatsächliche Einwohnerzahl ist eher ernüchternd, denn das Dorf hat nur 205 Einwohner; folglich zählen 66 Einheimische zur ungarndeutschen Minderheit. Leider ist eine Tendenz der Entvölkerung des einst florierenden Dorfes zu beobachten. Die Gemeinde hatte vor 100 Jahren ein bisschen mehr als 1.110 Bewohner und am Ende des 18. Jahrhunderts lebten 790 überwiegend Ungarndeutsche in Sagetal. Der Rückgang der Einwohnerzahl ist den historischen Geschehnissen des 20. Jahrhunderts zu verdanken – wie bei den meisten „ schwäbischen“ Ortschaften. Aber das Ziel meines Beitrags ist es, den Leser · innen diese Ortschaft in mehreren Beiträgen vorzustellen.
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Aber zuerst: Wer mehr über Sagetal erfahren möchte, kann im Internet unter http:// szakadat. fw. hu / viel Interessantes über die Dorfgeschichte und die Einwohner auf Deutsch lesen. Weiterhin gibt es eine Facebook-Seite „ Szakadát múltja“( Die Vergangenheit Sagetals), wo auch interessante Erzählungen, Erinnerungen, Familienfotos, Videos über die Mundart und Sagetaler Rezepte zu sehen und zu lesen sind, auf Ungarisch. Sogar die alten Grabsteine sind fotografiert und dokumentiert. Darüber hinaus sind die Häuser der Dorfbewohner ebenfalls festgehalten. Eine Sammlung, die ich jedem empfehlen würde, der Ahnen aus Sagetal hat! Die ganze Sammlung ist Peter Kremer zu verdanken, der seit 2010 die Geschichte seines Heimatdorfes erforscht und sich für den Erhalt des Vermächtnisses von Sagetal einsetzt. Ich habe auch selbst zwei Ahnen aus Sagetal, deshalb ist diese Gemeinde so besonders für mich.
Aber jetzt werfen wir einen Blick auf die Geschichte des