Sonntagsblatt 3/2025 | Page 10

der Vollversammlungsbeschlüsse der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen mit abgelaufener Frist.
Der ungarndeutscher Parlamentsabgeordneter Emmerich Ritter stellte ebenfalls die Ergebnisse seiner Arbeit seit der letzten Sitzung vor.
Nach der Sommersitzung stand das Jubiläum im Mittelpunkt: Die derzeitigen und ehemaligen Mitglieder der Vollversammlung und die Mitarbeiter der Geschäftsstelle feierten gemeinsam das 30-jährige Bestehen der LdU.
Die Vorsitzende Ibolya Englender-Hock und die stellvertretende Vorsitzende Olivia Schubert sowie der ehemalige Vorsitzender der LdU Lorenz Kerner erinnerten sich gemeinsam mit den Gästen an die wichtigen Stationen, Veranstaltungen und Gemeinschaftsmomente der vergangenen 30 Jahre, die in einer Fotoausstellung dargestellt wurden. Die LdU bedankte sich mit Ehrenurkunden bei den aktuellen und ehemaligen Kollegen für ihre wertvolle Arbeit für das Ungarndeutschtum.
„ Von ganzem Herzen danken wir für eure engagierte und vorbildliche Arbeit zur Stärkung der kulturellen Autonomie unserer Gemeinschaft, zur Bewahrung unserer Identität sowie zur Festigung der Grundlagen unseres Selbstverwaltungswesens“, – betonte Ibolya Englender-Hock. Die Feierlichkeiten endeten mit einem Empfang im Garten der Geschäftsstelle, wo Gespräche und Erinnerungen weitergeführt wurden.
Pressedienst des Verbandes der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich( VLÖ), PA2025-05; 01.07.2025

ROSENKRANZ: WAHRHEIT IST GRUNDLA-

GE FÜR VERSÖHNUNG

Vor 80 Jahren wurden Millionen deutschsprachiger Menschen – darunter zahlreiche Altösterreicher aus den ehemaligen Kronländern der Habsburgermonarchie – aus ihrer Heimat vertrieben. Das Parlament nahm am Donnerstag, den 26. Juni 2025, das Gedenkjahr zum Anlass für eine Vortragsveranstaltung, in deren Zentrum das Schicksal jener stand, die nach dem Zweiten Weltkrieg entwurzelt wurden und in Österreich eine neue Heimat fanden.
Dabei wurde nicht nur an persönliche Verluste und Entbehrungen erinnert, sondern auch an die bedeutende Rolle, die die Vertriebenen beim Aufbau der Zweiten Republik spielten. seinem Vortrag „ 80 Jahre Flucht und Vertreibung – europäische und österreichische Perspektiven“. Er analysierte die historischen Kontexte und plädierte für eine differenzierte Aufarbeitung, ohne in die „ Kollektivismus-Falle“ zu tappen. Der ehemalige deutsche Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Stiftungsrates der „ Stiftung Verbundenheit“, Hartmut Koschyk, erläuterte in seinem Beitrag den Umgang mit Vertriebenen in Ost- und Westdeutschland.
Abschließende Dankesworte kamen von Rüdiger Stix, Bundesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich.
Nationalratspräsident Walter Rosenkranz eröffnete die Veranstaltung und betonte die Verantwortung, die Österreich und auch das Parlament für die Wahrung des Erbes der Vertriebenen haben. Durch die Veranstaltung führte Norbert Kapeller, Präsident des Verbandes der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften in Österreich( VLÖ).
Mit einem Zitat von Marion Gräfin Dönhoff erinnerte Kapeller an das Leid von 18 Millionen Altösterreichern vor 80 Jahren, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihr Hab und Gut, ihre Heimat und oft auch ihr Leben verloren- oft auf unmenschlichste Weise. Kapeller bedankte sich bei Nationalratspräsident Rosenkranz für die Ermöglichung dieser Gedenkfeier im Parlament und betonte die Bedeutung der Altösterreicher für die österreichische Zeitgeschichte und ihre kulturellen Beiträge. Die familiären Wurzeln von mindestens drei Millionen Österreichern reichen ja ins alte Österreich. Kapeller freute sich, neben den zahlreichen Ehrengästen aus Politik, Diplomatie und Kirche die Repräsentanten der Heimatverbliebenen aus verschiedenen ehemaligen Heimatgebieten( Rumänien, Ungarn, Slowakei, Serbien, Slowenien, Kroatien, Tschechien) zu begrüßen, die heute die Kultur in diesen Gebieten weitertragen. Ein besonderer Willkommensgruß erging ebenfalls an die ehemalige ORF- Korrespondentin Barbara Coudenhove- Kalergi.
Einen wissenschaftlich-historischen Überblick bot Florian Kührer-Wielach, Direktor des Instituts für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas an der LMU München, in
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Rosenkranz: Vertriebene leisteten unschätzbaren Beitrag zur Zweiten Republik
In seinen Eröffnungsworten erinnerte Nationalratspräsident Walter Rosenkranz an Vertreibung, Gewalt und Entmenschlichung, die sich etwa in Form des „ Brünner Todesmarsches“ mitten im Herzen Europas vollzogen hätten. Das Gedenken daran sei zugleich als Auftrag zu verstehen und das Parlament biete sich dafür als „ symbolträchtiger Ort“ an. So fänden sich im Bundesratssaal nicht nur die Wappen der neun Bundesländer, sondern auch jene der ehemaligen Kronländer, die an eine Verantwortung erinnern, die über die Staatsgrenzen hinausgehe. Wer die Vertreibungen als Völkerrechtsbruch benenne, betreibe keine Spaltung, sondern diene der Wahrheit, so Rosenkranz- und diese sei Grundlage für die Versöhnung und den Blick in die Zukunft. Es gebe keine gerechte Vertreibung, keine legitime Kollektivschuld und keine Ausgrenzung, die mit der Freiheit vereinbar wäre.
Als besonders bedrückend bezeichnete er, dass das Schicksal der Vertriebenen, die einen „ unschätzbaren Beitrag zur Zweiten Republik“ geleistet hätten, kaum zum Gegenstand der Forschung geworden sei. Das Parlament nehme seine Verantwortung wahr und werde- etwa durch die dauerhafte Sichtbarmachung in der Bibliothek- mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Schicksals und des Wirkens der Vertriebenen beginnen, so Rosenkranz.