Sonntagsblatt 3/2020 - Page 24

schäftigt war , versteht sich von selbst . Über das Wort „ Kinderarbeit ” kann ich nur lächeln . So lernte Hänschen schon früh , was Hans ( Johannes ) später im Leben gut gebrauchen konnte !
Ich hoffe doch sehr , dass ich dem Leser ein ungarndeutsches Dorf aus Erinnerungen und Aufzeichnungen in seinen vielen Facetten nahebringen konnte . Ich hoffe weiterhin , dass ich verdeutlichen konnte , wie eine über Jahrhunderte ( seit 1751 ) gewachsene dörfliche Gemeinschaft fest verankert in ungeschriebenen Gewohnheitsregeln , trotz staatlicher Einflussnahme und mitten in ungarischer Umgebung funktionieren und existieren konnte und wie dieses Dorf sein eigenständiges Brauchtum gegen jahrzehntelange Magyarisierungsversuche erfolgreich behauptete . Es bedurfte schon großer weltgeschichtlicher Umwälzungen , diese deutschstämmige Enklave in wenigen Jahren so eindeutig zu verändern , wie ich in den nächsten Kapiteln schildern werde .
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( Fortsetzung folgt !) ______________________________________________
Eine Bitte des Autors : Wer kann mir Hinweise geben zu den folgenden Personen ?
Joannaes Georgius Angele / i aus Nagydém ( um 1735 ), Romand / Románd ( 1738 ), u . seiner Ehefrau Catharina oder Peterd / Péterd , Gerisdorf / Gyirót ( Bakony- ) und ihren Sohn Mathias ( geb . 26 . 4 . 1738 Gerisdorf / Gyirót und eventuell Sohn Franziscus Xaverius Angele ( geb . um 1730 in ?, wohnhaft in Isszimmer / Isztimér , gest . evtl . 1 . 5 . 1798 Obergalla / Felsőgalla , verh . mit Eva ... ( geb . um 1735 + 19 . 5 . 1798 Isszimmer ). Es interessiert mich , woher diese Personen in die Orte , angesiedelt von Fam . Eszterházy / Linie Csesznek , aus Deutschland oder Österreich gekommen sind . E-Mail an johannes-angeli @ gmx . de
Anerkennung muss verdient werden
Johann ‘ s Kapelle aus Waschludt im Gespräch
Von Richard Guth
Es begann wieder mit einem geteilten Inhalt – eine Einladung zu einer Veranstaltung des „ német kórus ” und der „ német önkormányzat ”, akkurat einsprachig ungarisch gehalten . Ich wechselte daraufhin auf die Seite der Person , die diesen Inhalt der „ német önkormányzat ” geteilt hat . Beim Stöbern bin ich auf einen anderen geteilten Inhalt aufmerksam geworden : den der Johann ‘ s Kapelle aus Waschludt / Városlőd im Komitat Wesprim . Die Einladung galt einem Schwabenball in der Umgebung , beworben zweisprachig , was kein einmaliges Ereignis zu sein scheint , denn Veranstaltungen werden auf der Facebook-Seite der Gruppe generell zweisprachig beworben und besonderen Anlässen wie Weihnachten , Neujahr und Ostern zweisprachig gedacht . In der ersten Nummer des Sonntagsblattes haben wir eine Kapelle mit jungen Mitgliedern vorgestellt , die Johann ‘ s Kapelle hingegen gehört zu den ältesten ungarndeutschen Musikgruppen des Landes und wurde vor fast 30 Jahren , 1991 , gegründet . Unser Interview haben wir in deutscher Sprache geführt .
SB : Fangen wir mit der Bezeichnung der Kapelle an : Wer ist eigentlich Johann ? JK : Johann ist unser Akkordeonspieler , der übrigens ein Gründer unserer Kapelle ist . Nach ihm wurde die Band benannt und seit der Gründung der Kapelle leitet er das Ensemble .
SB : Die Kapelle kommt aus Waschludt und feiert nächstes Jahr ihren 30 . Geburtstag . Was ist geblieben und was hat sich verändert in den letzten 29 Jahren im Leben , in der musikalischen Ausrichtung und in der personellen Besetzung der Kapelle ?
JK : Drei Jahrzehnte sind ein langer Zeitraum und während dieser Zeit hat sich sowohl natürlich die musikalische Ausrichtung erweitert als auch die Besetzung der Kapelle verändert . Im Gründungsjahr waren wir zu viert und diese erste Formation hat 5 Jahre lang zusammen gespielt . Erst dann wurde die Johann ‘ s Kapelle um zwei weitere Mitglieder erweitert , mit denen wir ebenfalls 5 Jahre lang in unveränderter Formation musiziert haben . Derzeit sind wir zu siebt und in den letzten 20 Jahren fanden bereits einige Änderungen bezüglich der Besetzung bereits statt . Die Fluktuation innerhalb der Band war aber unbeträchtlich , mit einigen ehemaligen Kollegen haben wir sogar 20 Jahre zusammen gespielt . Übrigens wird sich die Besetzung nach vielen Jahren heuer wieder verändern .
Seit dem Bestehen der Kapelle wurde unser Repertoire natürlich immer weiterentwickelt und auch an den Bedarf des Publikums kontinuierlich angepasst . Als ungarndeutsche Kapelle halten wir es aber immer für wichtig , auch traditionelle donauschwäbische Lieder auf unserem Programm zu halten . Am Anfang haben wir auch lokale ungarndeutsche Volkslieder gesammelt und bearbeitet . Einige dieser Lieder sind Ende der 90er Jahre auf einer CD-Sammlung ( 2 . Tanzhaustreffen in Fünfkirchen , 1999 ) erschienen .
Heutzutage ist die musikalische Vielfalt eine Erwartung unseres Publikums , aber der Anteil der deutschsprachigen Musik innerhalb des Repertoires beträgt noch immer 70-80 %. Wir haben uns seit der Gründung der Johann ‘ s Kapelle für die ( ungarn ) deutsche musikalische Tradition engagiert und wir bleiben nach wie vor auf diesem Weg . Für diese Tätigkeit wurde die Johann ’ s Kapelle vor zwei Jahren ( 2018 ) mit der höchsten Auszeichnung , dem Ehrenpreis der Ungarndeutschen im Komitat Wesprim , geehrt . Auf dieses Ehrenzeichen sind wir natürlich sehr stolz .
In dem deutschsprachigen oder deutschgeprägten Raum Europas sind viele musikalische Stilrichtungen zu finden wie z . B . böhmische Blasmusik , österreichische volkstümliche Musik , Oberkrainer Musik , deutsche Schlager usw . , welche wir mit den neuen Trends auch bei der Gestaltung unseres Programms berücksichtigen müssen . Diese Vielfalt spiegelt sich natürlich auch auf unserer letzten CD ( Unterwegs nach …, 2016 ), die vor vier Jahren erschien , wider .
SB : Die Mitglieder der Kapelle üben verschiedene Berufe aus : Neben Betriebswirten findet man auch Werkzeugmacher und Gastronomen – ist also Musik für Sie Hobby oder Beruf ( ung )?
JK : Als wir die Johann ‘ s Kapelle gegründet haben , waren wir praktisch noch Jugendliche . Aber wir wussten schon damals , dass wir aus dieser traditionellen Musik profimäßig nicht leben können . Jeder hat einen bürgerlichen Beruf gelernt und die Musik blieb für uns eine wichtige Freizeitbeschäftigung . Aber dieses Hobby ist so eine ausschlaggebende Tätigkeit in unserem Leben , dass die Musik für viele von uns immer als eine Berufung gilt .
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