mehrere Familien aus Bogdan. Die nahe Elbe bot einen seltsamen Anblick – als würde sie „ bergauf“ fließen.
Die Mutter arbeitete nicht, doch der Vater arbeitete für die Russen. Sie bekamen Lebensmittelkarten, mit denen sie haushalten mussten. Im Winter flocht der Vater Körbe für die Bauern und erhielt dafür Lebensmittel. So kamen sie zu zusätzlicher Nahrung und konnten heimlich sogar anderen einige Marken abgeben.
Fleisch gab es jedoch selten. Die Worte des Eisenbahners kamen ihnen wieder in den Sinn.
Die Großeltern aus Bogdan schickten ihnen sogar eine in einen Umschlag verpackte Einbrenne, damit sie etwas Fett hätten – doch als der Brief ankam, war der Umschlag fast vollständig durchgeweicht.
Die ältere Tochter durfte zur Schule gehen, doch Deutsch fiel ihr schwer, da sie bis dahin nur „ Bogdanerisch“ gesprochen hatte und weder lesen noch schreiben konnte. Daheim hatten sie neben Ungarisch Russisch gelernt – so musste sie praktisch alles neu beginnen.
1947 gelang es dem Vater, nach Bietigheim( Bundesrepublik Deutschland) zu fliehen, wo sein jüngerer Bruder lebte. Ein Jahr später- 1948- holte der Onkel auch die jüngere Tochter mit einem Antrag auf Familienzusammenführung zu sich.
Während der Vater arbeitete, kümmerte sich eine andere Familie aus Bogdan um das Mädchen.
Die Mutter und die ältere Tochter, die in der DDR geblieben waren, erhielten regelmäßig Pakete von einem Kilogramm – größere Sendungen waren nicht erlaubt. Wenn sie etwas im Paket nicht kannten, zum Beispiel Puddingpulver oder Soßen, gaben sie es der Vermieterin.
Im April 1948 versuchten zwölf bis fünfzehn
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Menschen aus Bogdan zu Fuß in die Bundesrepublik zu fliehen. Sie kamen bis in den Grenzstreifen, wurden jedoch gefasst und mussten zurückkehren. In der folgenden Nacht versuchten sie es erneut – diesmal mit Erfolg. Am Bahnhof sprangen sie im letzten Moment in einen Zug. Im Zug selbst wurden sie von der Polizei nicht mehr belästigt. Ihr Leben in der DDR war zu Ende. In Bietigheim lebten sie zwei Wochen in einem Lager, bis sie neue Papiere erhielten.
Im Sommer 1948 konnte die Familie endlich wieder zusammen sein: Im Stuttgarter Stadtteil Weilimdorf bekamen sie Unterkunft in einem Bunker. Während des Krieges hatte dieser den Deutschen als Schutzraum bei Bombenangriffen gedient. Zwei Jahre lang lebten sie dort. Später baute die katholische Kirche neue Häuser für Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern. Es waren zwar Mietwohnungen, doch die Eltern fanden Arbeit. Die jüngere Tochter konnte in den Kindergarten gehen, die ältere in die Schule. Andere Bogdaner lebten nicht mehr im Dorf, doch wenn es möglich war, traf man sich mit alten Bekannten.
Zwanzig Jahre blieb die Familie in dieser Umgebung. Langsam fanden sie sich zurecht und gewöhnten sich an ihr neues „ Zuhause“. Die Kinder wurden erwachsen, gründeten Familien und die Eltern zogen später mit einer der Töchter weiter.
Vor 1956 durfte niemand nach Ungarn reisen. 1957 erhielt die Mutter ein Visum für sechs Tage, durfte jedoch noch nicht nach Bogdan – sie konnte ihre Eltern nur in Budapest treffen.
In den folgenden Jahren durften sie auch wieder ins Heimatdorf reisen, doch weiterhin brauchten sie ein Visum und mussten sogar Tagesgebühren bezahlen. An jeder Grenze erwarteten sie strenge Kontrollen und Zolluntersuchungen. Erst die Europäische Union brachte das erste Mal eine freiere und leichtere Reisemöglichkeit. Bis dahin war jede Reise auch eine kleine Rückkehr zu den Erinnerungen an die Vertreibung. Solange sie