Sonntagsblatt 2/2026 | Page 11

ja auch sehr wichtig, dass sich die Gruppen frei bewerben und dabei die Partner und die zu erreichenden Ziele selbst bestimmen können.
Diese früheren Austauschfahrten hatten bisher immer eine erfrischende und motivierende Wirkung auf die Projektteilnehmer. Viele zählen auf diese Möglichkeit und sind deswegen viel offener gegenüber anderen ungarndeutschen Ortschaften. Mir persönlich war es immer ein großes Ziel, dass nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht, sondern auch andere Beispiele kennen lernt und mit anderen zusammenarbeitet. Gemeinsam kommen wir viel besser voran.
SB: Welche Erfahrungen habt ihr mit „ Rund um das Land, rund um das Jahr“ bislang gesammelt?
KR: Die Hälfte der Reisen wurde schon gemacht. Davon erschienen auch schon die ersten fünf Videos. Ich denke, wegen des Vorrangs von Themen rund um die Parlamentswahlen bekam das Projekt noch nicht die Aufmerksamkeit, die es verdienen würde. Zum Glück sind aber die Bräuche und damit auch die Videos im Jahr verteilt, so haben wir noch mindestens siebenmal die Möglichkeiten, das Projekt den Menschen näherzubringen. Diejenigen, die die Videos bereits angeschaut haben, haben im Online-Raum positive Reaktionen gezeigt. Ich bin aber auch sehr gespannt, ob diese Videos mal wirklich die Bildungseinrichtungen erreichen und sie auch Feedbacks von der Nützlichkeit im Unterricht geben. Im schulischen Rahmen ist es nie einfach, Volkskunde zu unterrichten. Man kann in einem Klassenraum nicht dasselbe erleben, was man dann erlebt, wenn man aktiv daran teilnimmt. Ich denke, dass die Videos vielleicht diese Bräuche, die Gemeinschaften und die damit verbundene Stimmung näherbringen können, auch wenn man sie in einem Klassenraum anschaut. Wenn das wirklich passiert, dann können wir tatsächlich behaupten, dass das Projekt diesen gewünschten Mehrwert erzielen konnte.
SB: Die Beiträge sind zweisprachig: Das gesprochene Wort ist ungarisch, die Untertitelung deutsch? Gab es die Überlegung, dass man das umgekehrt macht( gesprochenes Wort auf Deutsch mit ungarischen Untertiteln)? Wenn ja, warum wurde es verworfen?
KR: Bei jedem neuen Projekt, das von der Jugend initiiert und an die Jugend gerichtet ist, stehen wir vor dem Dilemma, welche Sprache wir vorrangig nutzen. Wir, die diese Projekte ausdenken, sprechen ja fast alle gut und gern Deutsch. Aber wir können nicht davon ausgehen, dass alle Jugendlichen, die mindestens ein wenig Interesse für das Ungarndeutschtum haben, genauso über solide Deutschkenntnisse verfügen.
Ich bin persönlich sehr dagegen, wenn wir bestimmte Menschen anhand bestimmter Kriterien ausschließen. Wir Ungarndeutschen sind zahlenmäßig nicht so stark, dass wir es uns leisten könnten, nicht alle anzusprechen. Es ist in der heutigen Welt entscheidend, ob wir die Jugendlichen wirklich ansprechen können. Ich denke, wir müssen jede Chance nutzen, einen möglichst breiten Kreis ungarndeutscher Jugendlicher einzubeziehen- das heißt auch diejenigen, die nicht so gut oder gar nicht Deutsch sprechen.
Die Jugendlichen, mit denen wir in unseren Projekten zusammenarbeiten, sind gar nicht der Durchschnitt. Es ist sehr motivierend zu wissen, dass es sie gibt und dass sie in so vielen Sachen mitmachen, so dass sie daneben kaum Privatleben haben. Aber der Großteil der Jugendlichen ist nicht in diesem Maße engagiert. Wir haben uns im Allgemeinen bisher vielleicht eher auf diese sehr engagierten Jugendlichen fokussiert, aber ich denke, wir müssen ein größeres Gewicht auch auf die Jugendlichen legen, die keinen typischen Werdegang( Nationalitätenunterricht, Aktivitäten in Vereinen und deutschen Selbstverwaltungen) haben, sondern anders ihre Identität erleben.
Hauptsächlich deswegen trifft man meistens die Entscheidung, dass wir vorrangig die ungarische Sprache und zweitrangig die deutsche Sprache in diesen Online-Materialien verwenden.
SB: Gehören nur Jugendliche zur Zielgruppe? KR: Zur Zielgruppe gehören hier eigentlich alle, die Interesse am Ungarndeutschtum haben- alle Generationen, unabhängig von ihrer Herkunft.
Als Format haben wir diesmal nicht die 1 – 2-minütigen Kurzvideos gewählt, sondern eher ca. 10-minütige Reportagen, wo auch ein Interview geführt werden kann. Diese Form ist vielleicht nicht am besten geeignet, Jugendliche durch Social Media zu erreichen( obwohl wir als Appetitmacher auch kurze Ausschnitte auf Instagram veröffentlichen). Das Format eignet sich aber sehr gut, wenn man wirklich eine Ahnung haben möchte, wie diese Bräuche heute gelebt werden. Ich denke, dass der Blickwinkel einer anderen Gruppe mehr Aussagekraft hat oder verständlicher ist, als wenn die Gastgebergruppen die Reportagen selbst gemacht hätten. Ich hoffe, so entsteht auch eine Perspektive, die dann auch im Unterricht eingesetzt wird, da das Thema allein den Interviewern teilweise neu ist.
SB: Soll es im kommenden Jahr eine Neuauflage des Projekts geben oder kehrt ihr tatsächlich – wie geplant- zum ursprünglichen Erfahrungsaustausch zurück?
KR: Nächstes Jahr kehren wir bestimmt zum ursprünglichen Erfahrungsaustausch zurück, wenn das BMI das weiterhin unterstützt. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass in den nächsten Jahren irgendwann eine Fortsetzung kommt.
SB: Karesz, vielen Dank für das Gespräch!
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