nebenan stand verlassen und verfallen, ich kaufte es von ihren Töchtern und begann dann mit dem Wiederaufbau, indem ich es fast bis auf die Gundmauern auseinandernahm. Natürlich nutzen wir auch hier traditionelle Technologien und Baumaterialien, daher ist dies auch für mich ein Modellprojekt. Schließlich geht es fast darum, ein neues Haus zu bauen. So entstand die Idee zur „ 10-Millionen- Forint-Herausforderung“: Ist es heute möglich, mit diesem Geld und dieser Philosophie ein Einfamilienhaus zu bauen? Leider nein, diese Traumgrenze haben wir bereits überschritten, um wie viel, das verrate ich nicht. Ich habe auf YouTube einen Ratewettbewerb gestartet, wie viel die Renovierung bis zum Einzug kosten wird. Aber ich kann so viel sagen, dass es immer noch um Größenordnungen günstiger sein wird als das Bauen mit modernen Materialien. Ganz zu schweigen vom ökologischen Fußabdruck, aber das ist eine andere Geschichte!
SB: Du hast lange Zeit im Pilisch gelebt, daher blickst du auf dieses schwäbische Milieu in der Tolnau und Branau( oder was davon noch übrig ist) gewissermaßen als Außenstehender- was hat dich an dieser Umgebung am meisten fasziniert?
NP: Vom schwäbischen Milieu ist in Gallaß leider nur noch wenig übrig geblieben. Ich habe lebhafte Erinnerungen an diese Kultur aus meiner Kindheit, als in Tschatali die Alten noch auf der Straße schwäbisch miteinander sprachen. Von den Frauen habe ich sonntags auf den Klatschbänken vor den Häusern( ich habe auch so eine Bank-Erbstück von meinen Großeltern) oder von meinem Großvater und seinen Freunden an Winterabenden beim Kartenspielen in der Küche auch ein deutsches Wort gehört. Es gab auch jede Woche eine deutsche Messe. Es war also damals noch etwas aus dieser Welt lebendig. Heute ist dies in Tschatali und hier in Gallaß bereits vollständig verschwunden. Aber die alten Gebäude, die erhaltenen Werkzeuge, Möbel und Textilien sind alle sehr vertraut. Meine Großmutter mütterlicherseits, die inzwischen leider verstorben ist, sagte, als ich ihr von dem Haus erzählte, das ich in Gallaß gekauft hatte: „ Nun, mein Sohn, du hast, was du wolltest. Deine ganze Kindheit lang hast du davon geträumt, ein Haus wie deine Vorfahren zu bewirtschaften.“ Es gelingt womöglich. Vielleicht lassen sich bestimmte Elemente des einst hervorragend funktionierenden schwäbischen Selbstversorgungmodells der Bauerfamilien wiederzubeleben.
SB: In dem einen Facebook-Post sieht man Bilder vom Trabert Hof von Gábor Papp( das Sonntagsblatt hat Papps Kleinunternehmen im Beitrag „ Wenn sich Wurst und Dienstleistung treffen” vorgestellt, SB 04 / 2023, Red.) – welche Rolle spielen Neusiedler beim Wachküssen dieser Region?
NP: Ich denke, sie spielen eine wichtige Rolle- wir spielen eine Rolle. Vom Hörensagen weiß ich, dass die Dorfgemeinschaft bei Gábor in Feked noch stärker ist, aber der neue Schwung und neue Ziele, die das Dorf in Bewegung halten, schaden auch dort nicht. Hier in Gallaß hörte die traditionelle Dorfgemeinschaft auf zu existieren- genauer gesagt, sie spaltete sich in drei Teile. Die ursprünglichen Bewohner von Gallaß sind seit 80 Jahren keine Schwaben mehr, sondern Szekler aus der Bukowina, von denen jedoch heute nicht mehr viele übrig sind. Die Menschen, die zuziehen, nutzen ihre Häuser hier oft nur als Feriendomizil, aber sie retten sie zumindest vor der Zerstörung; sie renovieren die Gebäude in der Regel schön. Und der ein oder andere von ihnen nimmt sogar am Dorfleben teil. Die aus dem Ausland zuziehenden Niederländer und Deutschen geben zwar ebenfalls Geld für die Häuser aus – der Respekt vor den Traditionen ist hier bereits höchst umstritten. Man nimmt kaum am Leben der Gemeinschaft teil.
SB: Irgendwie habe ich das Gefühl, dass deine Aktivitäten in Gallaß nicht bei „ Emma Bas‘ Haus“ enden – welche weiteren Pläne hast du für die Zukunft?
NP: Ich habe so viel an Emma Bas‘ Haus gearbeitet, dass ich nicht glaube, dass ich es verkaufen werde. Uns hat dieses Projekt sehr gut gefallen, es ist ein tolles Haus geworden, daher werden wir es lieber als unser Eigenheim nutzen. Es wäre schön, innerhalb von zwei Jahren ein Gästehaus im großen Haus zu eröffnen. Und langsam muss auch die Landwirtschaft in einen höheren Gang geschaltet werden: Es gibt bereits genügend Land für einen Gemüsegarten und Ackerland. Es gibt Weideland, Wald, Nebengebäude, ein Presshaus mit Keller, also alles, was zur Selbstversorgung eines echten schwäbischen Bauernhofes notwendig ist. Er muss nur noch betrieben werden.
SB: Norbert, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg in der Zukunft!
Das Gespräch führte Richard Guth.
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