Sonntagsblatt 1/2026 | Page 19

MEHR AUFMERKSAMKEIT DEM ALLTÄGLI- CHEN SPRACHGEBRAUCH WIDMEN

Großinterview mit der ehemaligen Ombudsfrau für Minderheitenrechte, Prof. Dr. Elisabeth Sándor-Szalay
SB: Beim Begräbnis von Otto Heinek 2017 haben Sie für ein Novum gesorgt: Als ungarische Amtsträgerin haben Sie die Trauerrede in deutscher Sprache gehalten- was hat Sie dazu bewogen?
ESSZ: Für mich war die Trauerrede aus zwei Gründen wichtig. Zum einen: Ich kannte Heinek Otto schon aus früheren Zeiten und aus Ehrerbietung heraus war die Entscheidung für mich klar, diese zu halten; zumal ich damit beauftragt wurde. Das Zweite war, dass ich dann selbstverständlich deutsch sprechen werde. Heinek Otto war ein Ungarndeutscher. Wir haben uns gekannt. Und ich glaube, zu seinen Ehren deutsch zu sprechen, das war das Selbstverständlichste für mich.
SB: Sie stammen aus dem Banat, aus der Gemeinde Hatzfeld / Jimbolia. Inwiefern war die deutsche Sprache für Sie, wie Sie ja auch formuliert haben, eine Selbstverständlichkeit, was die Alltagskommunikation anbelangt?
ESSZ: Ich komme aus einer rein ungarischen( madjarischen, Red.) Familie. Also meine Eltern sind ungarisch, mein Vater ist ein Sekler, meine Mutter ist in der Nähe von Klausenburg aufgewachsen. Also niemand stammte aus dem Banat. Nachdem sie sich damals an der Universität kennen gelernt und diese auch absolviert haben, sind sie versetzt worden in diese Region. Und das zu meinem Glück! Natürlich sprach man ungarisch in der Familie, Rumänisch beherrschte man sowieso. Und meine Eltern haben beschlossen, mich mit drei Jahren in einen deutschen Kindergarten gehen zu lassen. Nicht nur, weil er sehr nahe zu uns lag, sondern weil unsere Nachbarn alle Donauschwaben waren und da meine Großeltern sehr weit entfernt von uns lebten, bin ich eigentlich und irgendwie eine Zusatzenkelin unserer deutschen Nachbarn geworden. Meine beste Freundin war eine Liesl, mit der ich dann immer Puppen gespielt habe und deutsch bzw. schwäbisch gesprochen habe- aber natürlich musste man im Kindergarten hochdeutsch sprechen. Am ersten Tag bin ich weggelaufen: Im Hof war das Tor offen. Ich habe kein Wort verstanden unter den deutschen Kindern und bin dann raus und weg. Das war ein Erlebnis für mich- aber ich habe sehr schnell dank der Kindergärtnerinnen und auch meiner Kindergartenkameraden Deutsch gelernt- ohne Grammatik natürlich. Ich habe übrigens nie in meinem Leben die deutsche Grammatik richtig gelernt. Aber ich habe gelernt sie zu benutzen. Und das blieb so. Und als ich gelernt habe zu lesen, dann habe ich Märchenbücher genommen- alles, was deutsch war.
Das war übrigens nur ein Halbtagskindergarten: also nur Vormittag, ohne Mittagessen. Mittags bin ich von meiner deutschen „ Oma” abgeholt worden und habe dann bei ihr zu Mittag gegessen, im Anschluss Mittagsschläfchen gehalten und dann- als meine Eltern am Nachmittag nach Hause kamen- bin ich nach Hause gegangen. Nach einiger Zeit war es so, dass ich mit meinen Eltern angefangen habe, deutsch zu sprechen- die das nicht richtig verstanden haben. Als ich zum Beispiel am Nachmittag nach Schmalzbrot verlangt habe, da wussten sie nicht, was ich eigentlich will. Aber dann bin ich in eine ungarische Klasse gekommen, weil es in der Grundschule in Hatzfeld drei Parallelklassen gab- mit den Unterrichtssprachen Rumänisch, Deutsch und Ungarisch. Meine Mutter war Lehrerin in der Schule. Aber weiterhin habe ich mich nach der Schule wie selbstverständlich mit deutschen Kindern, mit rumänischen Kindern und mit ungarischen Kindern getrof-
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