Sonntagsblatt 1/2020 - Page 13

16.Was folgt daraus, wenn ein Staat einsprachig oder mehrspra- chig ist? Dass der einsprachige natürlich in einer Sprache, der mehrspra- chige Staat aber in mehreren Sprachen regiert wird oder wenigs- tens regiert werden sollte! Denn in Ungarn wird nur magyarisch regiert trotz Deutscher, Slawen und Rumänen, was ein himmel- schreiendes Unrecht ist und zu dem Elend geführt hat, das im ganzen Lande herrscht. Denn es heißt ja alles auf den Kopf stel- len, wenn ein Drittel Magyaren über zwei Drittel Anderssprachi- ger mit Feuer und Schwert herrschen will. kaiserlich deutsche Feldherr Ludwig von Baden bei Szlankamen gesiegt und Slawonien erobert. 17.Woher kommt der Name Ungarn? Von der lateinischen Benennung Hungaria. Hungarus, ein Ungar, ist also jeder Bewohner des Landes, ganz gleich, ob deutsch, slawisch, rumänisch oder magyarisch seine Muttersprache ist. 25. Wie hat Ungarn nach der türkischen Herrschaft ausgesehen? Wie eine Wüstenei, voll mit Sumpf und großem Wald! Die Deut- schen haben es kultiviert, den Wald gerodet und die Sümpfe aus- getrocknet. Und wie die große Arbeit getan war, sind die magya- rischen Herren gekommen und haben mit ihrem weltbekannten großen Maul erklärt, das ist unser Land, das ist: „Magyarország”. Ja, bei der Arbeit hat man sie nirgends gesehen, denn die be- kannte ungarische Krankheit „Müd, matt und faul” haben’s ge- habt, während wir Deutsche gearbeitet haben. Nur nach der Arbeit den von andern sauer erworbenen Verdienst einstecken, das war immer so ein Kunststück magyarischer Herren. – Aber wir wollen uns das in Zukunft nicht gefallen lassen. 18.Ist das Land Ungarn in der magyarischen Sprache richtig be- nannt als „Magyarország”? Nein, denn Ungarn gehört uns allen, darum wäre es in der ma- gyarischen Sprache richtig „Ungárország” zu benennen. Wenn die Magyaren sagen Magyarország, so soll das bedeuten, dass da nur Magyaren wohnen; das ist aber nicht richtig, denn nur ein Drittel der Bevölkerung sind Magyaren. 26. Was ist noch zu bemerken bei der Frage: Wem gehört das Land? Dass die Magyaren es immer mit den Türken gegen uns Deut- sche und unseren Kaiser gehalten haben! Thököly, Rákóczi, Zá- polya usw., usw. haben es immer mit den Feinden des Vaterlan- des gehalten, ja sich mit ihnen verbunden und gegen den Kaiser gekämpft. 19.Warum sagen viele Deutsche, dass sie „Ungarn” werden wol- len? Weil sie dumm sind, vernagelt und blöd! Ungarn seids ja, das heißt Deutschungarn, in Ungarn wohnende Deutsche, die eines Blutes sind mit den 90 Millionen Deutschen, die auf der ganzen Welt wohnen. Ihr müsst stolz darauf sein, dass ihr Deutsche seid, und nicht Magyaren werden wollen. Der Magyare kann nur durch Gewalt etwas erreichen, indem er wie ein Blutegel vom Deut- schen, Slawen und Rumänen sein Geld und Blut saugt und mit seiner Politik alle ins Elend stürzt. 27. Was sollen wir dem sagen, der uns Deutschen sagt, wir müs- sen Magyaren werden, weil wir hier magyarisches Brot essen? Der Deutsche soll antworten: 1.Ich esse das Brot, das ich mir verdiene mit saurer Arbeit, denn schenken tut mir niemand etwas. 2.Ich esse ungarisches und zwar deutschungarisches Brot, doch nicht magyarisches. 3.Wir Deutsche haben das Land erobert. 4.Eigentlich isst der Magyare deutsches Brot, da wir das Land erobert und kultiviert haben, da wir Deutsche in Ungarn viel mehr Getreide bauen, als wir verzehren und wenn es nach dem Rech- te der Eroberung ginge, gehörte das Land uns. 20.Warum werden die Rechte der Deutschen und der anderen Nationen in Ungarn nicht geachtet? Erstens: Weil die Deutschen nicht die Achtung ihrer Rechte ver- langen! Zweitens: Weil bis jetzt die Regierungspartei eine geradesolche Bande war, wie die 48-er Partei! Drittens: Weil die Deutschen nicht darauf geschaut haben, nur gutdeutsche Abgeordnete in den Reichstag zu schicken! Viertens: Weil die Regierung allem Nichtmagyarischen Feind ist! 21.Was wollen die Magyaren? Alle anderen Völker, die in Ungarn leben, ihrer Muttersprache be- rauben, dass alle nur magyarisch sprechen können; man nennt das magyarisieren. 22.Was bedeutet eigentlich die Magyarisierung? Verdummung, das heißt der Magyarisierte kann weder deutsch noch magyarisch und ist dann nur ein Halbmensch. 23.Was soll der Deutsche sagen, wenn ihm der Magyare sagt, er ist nur ein Einwanderer oder Eindringling, der kein Recht auf seine Sprache hat? Er soll sagen: Der Deutsche ist kein Einwanderer oder Eindring- ling, sondern ein Eroberer, der das Land unter der schwarzgel- ben Fahne mit dem kaiserlichen Adler drauf, mit dem Schwert in der Hand, von den Türken zurückerobert hat, also auf seine Sprache ein Recht hat. 24. Wie sind die jetzigen Deutschen nach Ungarn gekommen? Sie haben es vor 200 Jahren von den Türken zurückerobert. Karl von Lothringen, ein deutscher Feldherr, hat Ofen erstürmt und den türkischen Pascha zurückgetrieben in die Türkei. Außerdem hat der kaiserlich deutsche Feldmarschall Prinz Eugen von Sa- voyen, dessen Monument vor des Kaisers Burg in Ofen steht, die Türken bei Zenta, Belgrad, Nisch und Bojna Serai besiegt und von ihnen die Batschka und das Banat erobert. So hat auch der SoNNTAGSBLATT 28. Kann man als Deutscher ein guter Patriot sein? Ja, sogar ein besserer! Wenn der der Magyare große Reden hält, politisiert, sauft und faulenzt, der Deutsche aber arbeitet, so ist gewiss der Deutsche ein besserer Patiot, weil er dem Vaterlande Nutzen bringt. 29. Wenn man uns sagt, wir sind Schwaben und keine Deut- schen, was sollen wir sagen? Wir sollen sagen: So etwas Dummes hat man noch nie gehört, denn Schwabe ist so viel wie Deutscher. Eine schwäbische Schriftsprache gibt‘s nicht. Wie wir Schwaben sprechen, das ist nur eine deutsche Mundart, unsere Schriftsprache ist das Hoch- deutsche. 30. Was sollen wir sagen, wenn man uns verhöhnt als Schwa- ben? Wir sollen sagen: Wir sind stolz darauf, dass wir Schwaben sind, das heißt Deutsche; so gehören wir zur ersten Nation der Welt, die die größte Bildung hat und nicht zu so einer Schnackerlna- tion, wie die Magyaren sind. 31. Warum nennt man uns Schwaben? Weil die Mehrzahl der Deutschen Ungarns aus Württemberg, Baden und Bayern eingewandert sind! Und dort sind Kreise, was man bei uns Komitate nennt, die Schwaben heißen. Das ist gerade so, als ob man dem Magyaren aus dem Pestpilischer oder Batschkaer Komitate sagen würde, du bist kein Magyare sondern ein Pestpilischer oder Batschkaer. Die Schwaben waren hochgeachtet im Mittelalter, sogar die deutschen Kaiser waren sehr oft Schwaben. Auch unser Herrschergeschlecht, die Habs- burger, also auch der Kaiser-König Franz Josef ist ein Schwabe. (Fortsetzung auf Seite 14) 13