K-Colors of Korea July 2014 | Page 37

Welthungerhilfe und Benediktiner und endet mit wirtschaftlichen Veränderungen und dem vorsichtigen Austausch mit dem Ausland. Die Mitte des Buches zeichnet eine Bildreportage aus. Die „Einblicke in ein rätselhaftes Land“ sind Reisegeschichten, geschrieben von Menschen, die Menschen treffen. Hier geht es nicht um Kritik und Politik, es geht um eine Annäherung, um ein Verstehen. Jeder Reisebericht ist für sich allein genommen bereits ein Erlebnis, zusammen ergeben sie ein Puzzle, das Nordkorea, seine Menschen und Ideologie abzubilden versucht. Die Erlebnisse stammen aus den letzten 15 Jahren und so zeigen sie auch, wie das Land sich verändert hat und lassen erahnen, in welche Richtung es sich vielleicht noch verändern wird. Besonders beeindruckend ist dabei der Bericht von Britta-Susann Lübke, deren Eltern zwischen 1956 und 1957 in Nordkorea lebten und arbeiteten. Sie halfen „sozialistische Bruderhilfen“ und halfen die Stadt Hamhung, die im Koreakrieg zerstört worden war, wieder aufzubauen. Lübkes Vater hat das Land nie wieder losgelassen, damals durften er und seine Frau sich noch frei bewegen, durften mit Menschen sprechen und Freundschaften schließen. All dies ist heute in Nordkorea nicht mehr möglich, jeder Ausländer wird von mindestens zwei Führern begleitet. Gegenseitig stellen diese nicht nur sicher, dass die Ausländer nur sehen, was sie sehen sollen, sondern kontrollieren sich auch gegenseitig, um ein Fehlverhalten sofort melden zu können. Dies ist jedoch nur eine von vielen spannenden und informativen Reisen. „Nordkorea – Einblicke in ein rätselhaftes Land“ sollte von jedem gelesen werden, einmal, zweimal, mehrmals. Jeder Abschnitt birgt Neues, jede Seite regt einen neuen Gedanken an. Es ist nicht das erste Buch über Nordkorea, das ich gelesen habe, doch es ist eines der wenigen, das mir im Gedächtnis bleiben wird. Es erschüttert, stimmt nachdenklich, es informiert und belustigt und dabei bleibt es den Menschen gegenüber immer respektvoll, ist nie verächtlich oder belächelnd. Beim Lesen beschlich mich ein seltsames Gefühl, eines, das ich Nordkorea gegenüber nie empfunden habe: Dieses Land möchte man kennenlernen, man will es mit eigenen Augen sehen. Nicht nur, weil es kein vergleichbares Land auf dieser Welt gibt, sondern vor allem auch, weil es ein Land ist voller nicht gelebter Träume, ein Land voller Menschen, die, wenn sie offen reden dürften, noch so viel mehr zu erzählen hätten, als sie in diesem Buch bereits tun. 37