K-Colors of Korea July 2014 | страница 27

Architekturführer Pjöngjang von Philipp Meuser D Text von Philipp Meuser, Foto vom Verlag ie Fotos muten seltsam an. Der Betrachter fühlt sich einerseits zurückversetzt in den ehemaligen Ostblock und der Gedanke an alte Spionagefilme, in denen die Kommunisten der weltbedrohende Feind war, flackert in einem auf. Andererseits wirken die Bauten, die Kim Jong Il errichten ließ teilweise wie die Kulissen für einen Science Fiction Film. Kennzeichnend für Pjöngjang sind klare, gerade Linien, funktionale Wohnbauten und überdimensionale Versammlungs- und Kulturbauten. Allgegenwärtig ist die Verehrung Kim Jong Ils und seines Sohnes, der ihm nachfolgen wird. Eine Stadt inszeniert sich, doch man fragt sich für wen., denn, was in den Bildern fehlt, sind Menschen und Autos, es fehlt das bunte Treiben, das eine jede Stadt lebendig macht. Wundervolle Museen, Kaufhäuser und prunkvolle Bahnhöfe sind beinahe menschenleer. Und so ist die photographische Reise durch Pjöngjang eine einsame, aber eindrucksvolle. Eigentlich sollte jeder sich diesen Architekturführer zu legen. Die Fotos aus den verschiedenen Jahrzehnten sprechen für sich selbst, sie erzählen von einem Leben, das die wenigsten von uns sich vorstellen können und sie erzählen eine Geschichte, die in keiner Rezension hinreichend zusammengefasst werden kann. Wer sich nur etwas für Nordkorea oder Architektur interessiert, sollte zumindest einen Blick in die zwei Bände werfen. Es fällt einem schwer den Architekturführer nach dem ersten Durchblättern wieder aus der Hand zu legen. Mehr als einmal wird man, schwankend zwischen neugieriger Faszination und traurigem Mitgefühl für die Menschen, die in dieser verschlossenen Welt leben müssen, seinen Blick über die Fotos schweifen lassen. Der erste Band dieses zweiteiligen Führers entstand unter den wachsamen Augen der Nordkoreaner und so sieht der Leser, was er sehen soll. Von dem beigefügten zweiten Band wussten die nordkoreanischen Behörden beim Erscheinen des Architekturführers nichts. In den Begleittexten findet man Hintergrundinformationen zu Nordkoreas Entwicklung, zur Architektur, zu Propaganda und Führerkult, außerdem den Originaltext „Über die Baukunst“ von Kim Jong Il samt erklärendem Kommentar.die in keiner Rezension hinreichend zusammengefasst werden kann. Wer sich nur etwas für Nordkorea oder Architektur interessiert, sollte zumindest einen Blick in die zwei Bände werfen. Wer sich den Architekturführer kauft, wird wissen, dass er keinen Reiseführer in der Hand hält, mit dem er sich auf Erkundungstour durch Pjöngjang begeben kann. Zur Sicherheit wird am Ende noch einmal von der Mitnahme abgeraten. Wahrscheinlich zeigt der Architekturführer von Philipp Meuser mehr als man bei einer bewachten Reise durch Nordkorea je sehen wird. 27